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"Anti-Covid-Pillen" für zu Hause: Das müssen Sie wissen

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Von Euronews  mit AP
Pfizers Covid-19-Medikament Paxlovid
Pfizers Covid-19-Medikament Paxlovid   -   Copyright  Pfizer via AP

Neben den Schutzimpfungen gibt es inzwischen auch Tabletten gegen Covid-19, die nachweislich vor schweren Verläufen der Krankheit und dem Tod schützen. Beide wurden von US-Firmen entwickelt. Die erste "Anti-Covid-Pille", die eigens gegen Covid-19 entwickelt wurde, stammt von Merck Sharp & Dohme (MSD) und heißt "Molnupiravir". Auch Konkurrent Pfizer, der schon das erste Corona-Vakzin auf den Markt gebracht hat, hat "Paxlovid", ein Arzneimittel gegen Covid-19, entwickelt.

Beide Medikamente könnten Covid-Patient:innen schon bald neue Behandlungsmöglichkeiten für den Hausgebrauch eröffnen. Jedoch sind sie bislang noch nicht von der Europäischen Arnzeimittelbehörde zugelassen, allerdings haben schon jetzt viele EU-Mitgliedsstaaten Millionen Packungen bestellt.

Sowohl "Paxlovid" als auch "Molnupiravir", die in Europa unter dem Markennamen "Lagevrio" verkauft werden, sind potenziell bahnbrechend und haben gezeigt, dass sie bei anfälligen Patient:innengruppen das Risiko einer Krankenhauseinweisung oder des Todes durch Covid-19 verringern.

Während in zahlreichen Ländern Europas die Zahl der Neuinfektionen aufgrund der Omikron-Variante durch die Decke geht, haben viele Regierungen Hoffnung in die Pillen, die den Kampf gegen das Virus- und die überlasteten Gesundheitssysteme erleichtern könnten.

Einen Haken haben beide Medikamente, da sie darauf abzielen, die Vervielfältigung des Virus im menschlichen Körper zu unterbinden. Sie müssen so schnell wie möglich eingenommen werden - innerhalb von fünf Tagen nach dem Auftreten erster Symptome. Ansonsten ist ihre Wirkung gleich null. In diesem kurzen Zeitfenster könnte es schwierig sein, einen Test zu machen, ein Rezept zu organisieren und mit der zeitnahen Einnahme zu beginnen.

Für wen sind die Medikamente gedacht?

Die antiviralen Pillen sind nicht für jede:n, der einen positiven Test erhält, tauglich. Die Tabletten eignen sich für Menschen mit einer leichten oder mittelschweren Covid-19-Erkrankung, bei denen das Risiko einer schweren Erkrankung erhöht ist.

Dazu gehören ältere Menschen und Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen, wie beispielsweise Herzerkrankungen, Krebs oder Diabetes, die sie anfälliger für schwere Covid-19-Verläufe machen.

Wer sollte diese Tabletten nicht einnehmen?

In den USA ist "Molnupiravir" von Merck nicht für Kinder zugelassen, da es Hinweise darauf gibt, dass es das Knochenwachstum beeinträchtigen könnte. Auch bei schwangeren Frauen wird von einer Einnahme abgeraten.

"Paxlovid" von Pfizer wird nicht für Patient:innen mit schweren Nieren- oder Leberproblemen empfohlen. Bei einigen Patient:innen wird von der Einnahme abgeraten, weil das Medikament mit anderen in Wechselwirkung treten kann.

Die antiviralen Pillen sind nicht für Patienten zugelassen, die mit Covid-19 ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Wann sollten die Tabletten eingenommen werden?

Die Behandlung mit den Tabletten muss so schnell wie möglich beginnen, möglichst innerhalb von fünf Tagen nach dem Auftreten erster Symptome.

Husten, Kopfschmerzen, Fieber, Verlust des Geschmacks- oder Geruchssinns sowie Muskel- und Körperschmerzen gehören zu den häufigsten Anzeichen.

Dr. Cameron Wolfe, Spezialist für Infektionskrankheiten am Duke University Hospital, empfiehlt, beim Auftreten von Symptomen schnellstmöglich einen Test zu machen. "Wenn Sie warten, bis Sie außer Atem sind, haben Sie das Zeitfenster, in dem diese Medikamente helfen können, bereits weitgehend verpasst", so Wolfe.

Helfen die Tabletten auch bei der Omikron-Variante?

Expert:innen gehen davon aus, dass die Pillen gegen Omikron wirken, weil sie nicht auf das Spike-Protein abzielen, auf dem die meisten besorgniserregenden Mutationen der Variante liegen. Die beiden Pillen wirken auf unterschiedliche Weise, um das Virus an der Vermehrung zu hindern.

Gibt es noch andere Medikamente gegen Covid-19?

Ja, aber sie sind nicht so einfach zu handhaben wie die Medikamente in Tablettenform. Sie werden per Infusion oder Injektion verabreicht, in der Regel in einem Krankenhaus oder einer Klinik.

In den USA ist das antivirale Medikament Remdesivir zugelassen, das für Menschen mit Covid-19 zur Behandlung im Krankenhaus zugelassen ist. Das Medikament, das als Infusion verabreicht wird, ist nach wie vor das einzige für Krankenhauspatient:innen, das speziell gegen das Coronavirus wirkt.

Es kommt bei Patient:innen zum Einsatz, die zusätzlichen Sauerstoff benötigen, aber nicht auf Beatmungsgeräte angewiesen sind. In diesen Fällen kann es die Genesungszeit nachweislich um mehrere Tage verkürzen. Das Medikament ist jedoch bei vielen Ärzt:innen in Ungnade gefallen, weil es nachweislich die Überlebenschancen nicht verbessert. Auch die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt das Medikament nicht, da es teuer ist und keinen eindeutigen Nutzen hat.