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US-Regierung hamstert Covid-Medikament - nur ein Vorgeschmack auf den Kampf um einen Impfstoff?

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US-Regierung hamstert Covid-Medikament - nur ein Vorgeschmack auf den Kampf um einen Impfstoff?
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Die Hamsterkäufe der US-Regierung beim aussichtsreichen Corona-Medikament Remdesivir haben international Befremden und Besorgnis ausgelöst.

Die Vereinbarung zwischen den Vereinigten Staaten und dem US-Biotech-Unternehmen Gilead sieht laut US-Gesundheitsministerium den Erwerb von Wirkstoff-Dosen für mehr als 500.000 Behandlungen vor. Das wären 100 Prozent der geplanten Produktionsmenge für Juli sowie jeweils 90 Prozent für August und September.

Tests legen nahe, dass das Medikament die Covid-Symptome schneller abklingen lässt - in 11 statt 15 Tagen. Ob es auch die Überlebenschancen verbessert, ist noch nicht klar. Ursprünglich wurde es zur Behandlung von Ebola entwickelt, zeigte da aber eine zu geringe Wirkung. Es ist bislang in keinem Land der Welt uneingeschränkt als Medikament zugelassen.

"FÜR EUROPA BLEIBT NICHTS"

Der britische Virologe Dr Andrew Hill, Liverpool University, warnt: "Sie (die USA) haben Zugriff auf einen Großteil des Medikaments, also bleibt nichts für Europa."

"Das habe ich noch nie erlebt, dass ein Land einfach alle Vorräte eines Arzneimittels für den eigenen Gebrauch genommen und nicht geteilt hat. Wir müssen uns daran erinnern, dass Patienten in ganz Europa an den Wirkungs-Tests beteiligt waren und dabei ihre Gesundheit riskiert haben. Wir sollten als Kontinent dafür belohnt werden."

Die Europäische Union verhandelt derzeit mit dem Hersteller Gilead über den Kauf des Corona-Arzneimittels.

Gleichzeitig wurde festgestellt, dass das weit verbreitete und kostengünstige Steroid Dexamethason das Todesrisiko bei Patienten mit schwerer COVID-19-Erkrankung um etwa ein Drittel senkt.

Gesundheitsexperten fürchten, die US-Hamster-Aktion könnte nur ein Vorgeschmack sein für den Verteilungskampf - sollte ein Anti-Coronavirus-Impfstoff entwickelt werden.

BUNDESREGIERUNG: KEIN ENGPASS

Die deutsche Bundesregierung rechnet auch nach dem US-Großeinkauf nicht mit einem Engpass bei dem Corona-Mittel.

Man habe sich das Medikament frühzeitig für die Therapie von Corona-Patienten gesichert, so ein Sprecher des Gesundheitsministeriums.

Derzeit gebe es genügend Reserven. Mit der erwarteten Zulassung des Mittels für den europäischen Markt sei zudem die Verpflichtung für den Hersteller verbunden, «in angemessenem Umfang zu liefern». Man gehe davon aus, dass die Firma dieser Verpflichtung nachkommen werde.

ZWANGSLIZENZ BEI NOTSTAND

Die EU sei im Konflikt mit den USA keineswegs machtlos, meint der Mediziner und christdemokratische Europaparlamentarier Peter Liese und verweist auf die Möglichkeit von Zwangslizenzen. Diese Zwangslizenzen für die Produktion sogenannter Generika sieht die Welthandelsorganisation WTO in ihrem Patentschutzabkommen ausdrücklich vor - und zwar im Fall eines nationalen Notstands.

su mit dpa