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Putin sieht "Chancen" in verhängten Sanktionen

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Von su  mit AP, AFP
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Putin sieht "Chancen" in verhängten Sanktionen
Copyright  AP Photo/Dmitri Lovetsky

Hallo, Heraklit (520-460 v. Chr.) – der griechische Philosoph sah im Krieg „den Vater aller Dinge“.

Und der Kreml sieht die Sanktionen gegen Russland als Quelle neuer Chancen für die Volkswirtschaft. Bei einem Online-Treffen zum achten Jahrestag der Krim-Annexion sprach Präsident Wladimir Putin über die Möglichkeiten zur Steigerung der inländischen Investitionen und zur Entwicklung der Regionen.

Wladimir Putin, russischer Präsident:

„Die gegen Russland verhängten Beschränkungen schaffen natürlich viele Probleme, aber sie schaffen nicht nur Probleme, sie eröffnen uns auch neue Möglichkeiten. Jetzt gibt es alle Chancen für große russische Unternehmen, die, offen gesagt, früher Angst vor Sanktionen hatten. Jetzt haben sie nichts mehr zu befürchten. Jetzt können sie problemlos, übrigens auch Banken, auf die Halbinsel kommen und aktiv arbeiten.“

ÖKONOMEN SEHEN STARKE EINBUSSEN

Ökonomen versuchen währenddessen, die Einbußen durch die Sanktionen zu beziffern. Von der Zentralbank befragte Experten gehen davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt BIP bis Ende 2022 nicht wie bisher prognostiziert wachsen, sondern um 8 % zurückgehen wird. Die Verbraucherpreise dürften diesen Schätzungen zufolge im Laufe des Jahres um 20 % steigen.

Es gibt auch noch negativere Prognosen. Laut Konzerngründer ("Rusal") und Oligarch Oleg Deripaska wird die Krise mindestens drei Jahre dauern.

Multiplizieren Sie die Krise von 1998 mit drei
Oleg Deripaska
Oligarch, Gründer des Rusal-Konzerns

„Multiplizieren Sie die Krise von 1998* mit drei“, sagte er auf dem Krasnojarsker Wirtschaftsforum, ging auf die Zahlungsunfähigkeit des russischen Staates damals ein und den schwersten Wirtschaftseinbruch nach Beginn der 1990er Jahre. Der RUSAL-Konzern ist der zweitgrößte Aluminiumhersteller der Welt. Im Zusammenhang mit dem Überfall Russlands auf die Ukraine ab dem 24. Februar 2022 wurde Deripaska wegen seiner Bedeutung für die russische Rüstungsindustrie und seiner Nähe zu Wladimir Putin auf verschiedenen Sanktionslisten geführt.

Analysten führender Finanzratingagenturen und des Internationalen Währungsfonds sprechen von einer drohenden Staatspleite. Ein ernsthafter Test war in dieser Woche die fällige Zahlung von 117 Millionen Dollar für russische Eurobonds – sie hätte wegen der verhängten Transaktionsbeschränkungen (SWIFT) scheitern können. Laut russischem Finanzministerium gelang es schließlich, die Gelder über die britische Niederlassung der Citibank zu transferieren.

* Im August 1998 machte eine tiefe Finanzkrise die Hoffnungen auf die Erholung der russischen Ökonomie zunichte. Der russische Staat wurde zahlungsunfähig. Nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991 hatte die Zentralbank in Russland zwar innerhalb der Rubelzone das Monopol der Notenausgabe, jedoch konnten die Zentralbanken in den einzelnen Republiken unbegrenzt Kredite in der Form von Sichtdepositen vergeben. Russland schlitterte in eine Hyperinflation mit Inflationsraten von 1.526 Prozent im Jahre 1992, 875 Prozent im Jahre 1993 und 311,4 Prozent im Jahre 1994. Das russische Finanzsystem wurde nach 1995 immer fragiler. Am 17. August 1998 musste der Kurs des Rubel freigegeben werden. Die Kosten der Rubelkrise waren besonders für Russland hoch. Das reale BIP nahm 1998 um 4,6 Prozent ab, die Investitionen schrumpften weiter - minus 6,7 Prozent - bei einer Inflation von 85,5 Prozent. Der Anteil der in Armut lebenden Personen an der Gesamtbevölkerung stieg laut EBRD (European Bank for Reconstruction and Development) von rund 20 Prozent vor der Krise um etwa zehn Prozentpunkte.

su mit AFP, AP