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Spritzen-Attacken: Nach Frankreich der "Horrortrip" jetzt auch im Berghain in Berlin?

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Von Euronews  mit AFP
Spritze - Symbolbild
Spritze - Symbolbild   -   Copyright  Jae C. Hong/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved.

Schon seit Wochen geht unter jungen Leuten in Frankreich und in Belgien die Angst um vor "Spritzen-Attacken" in Diskotheken und anderswo. Besonders Besucherinnen und Besucher von Nachtclubs in Nantes, Grenoble und anderen Städten berichten davon, dass sie gegen ihren Willen gepiekst wurden. Es ist die Rede von "piqûres sauvages" - von "wilden Stichen".

Viele ließen die Einstichstellen und ihr Blut untersuchen. Bisher wurden keine gespritzen Substanzen ermittelt, keine Verdächtigen festgenommen.

Zuletzt berichtete ein 21-jähriger Student, er sei am Bahnhof Part-Dieu in Lyon angegriffen worden, während er auf die U-Bahn wartete. Das definitive Ergebnis der Blutuntersuchung steht noch aus - der junge Mann fühlt sich weiterhin mulmig, seit er weiß, dass eine Infektion mit HIV erst nach Monaten nachgewiesen werden kann.

Im belgischen Mecheln litten bei einem Fußballspiel Ende Mai 14 junge Leute unter Unwohlsein - offenbar nach Spritzen-Attacken - acht Personen wurden ins Krankenhaus gebracht. Doch wie in den allermeisten Fällen konnte nicht festgestellt werden, was den jungen Leuten gespritzt worden war.

Musikerin aus Australien erlebt "psycheledic horror trip" im Berghain

Jetzt erklärt die australische Sängerin Zoe Zanias auf Instagram, dass ihr Zusammenbruch im Berliner Techno-Club Berghain am Sonntagabend auf eine Spritzen-Attacke - ein "needle spiking incident" - zurückzuführen sei.

Was ihr auf der Tanzfläche passiert ist, beschreibt Zoe Zanias als "psycheledic horror trip". Die Musikerin bekam keine Luft mehr und hatte ein taubes Gefühl im Körper. Ein Arzt habe den Einstich bestätigt.

Laut RTL haben vor dem Wochenende auch in NRW zwei Jugendliche von einer Spritzen-Attacke berichtet.

In Großbritannien hatte es schon im vergangenen Herbst eine geheimnisvolle Welle des sogenannten "needle spiking" gegeben - vor allem gegen junge Frauen. Eine von ihnen hat eine Petition ins Leben gerufen, in der die Regierung aufgefordert wird, die Nachtclubs dazu zu zwingen, alle Besucherinnen und Besucher zu durchsuchen. Diese Petition haben mehr als 175.000 Personen unterzeichnet.

Die britische Erziehungsministerin Michelle Donelan hat Ende Mai Arbeitsgruppen ins Leben gerufen, in der die Polizei, Opfer und Verantwortliche der einzelnen britischen Universitäten zusammenarbeiten sollen, um herauszufinden, was hinter den "abscheulichen Attacken" steckt.

Im vergangenen Januar fasste die britische Polizei zusammen, dass es in den sechs Monaten zuvor mehr als 1 300 Meldungen zu Spritzen-Attacken gegeben hat. In 14 Fällen folgten darauf weitere Straftaten - wie sexuelle Übergriffe oder Diebstahl.

Panik nach der Pandemie?

Sowohl bei den britischen als auch bei den französischen Behörden gibt es auch Hinweise darauf, dass unter den jungen Leuten nach der Corona-Pandemie Verunsicherung herrschen könne, die die Angst verstärkt - wie Euronews berichtete.

Es bestehe die Gefahr, dass Berichte über Spritzen-Attacken zu einer "sozialen Panik" führen könnten, so Robert Bartholomew, Medizinsoziologe an der Universität von Auckland, in einem Bericht in Psychology Today.

"Nach zwei Jahren von Corona-Einschränkungen hatten die britischen Nachtclubs im Sommer 2021 gerade erst wieder geöffnet. Die jungen Leute waren isoliert, ihre Ausbildung, ihre Freundschaften und ihr Liebesleben waren gestört", sagte er. "Sie waren mit beängstigenden Nachrichten über Covid-19 bombardiert worden, und als die Clubs wieder öffneten, gab es immer noch die Angst vor dem Virus und Schuldgefühle wegen der Möglichkeit, dass sie sich anstecken und das Virus an einen gefährdeten Angehörigen weitergeben könnten. Die Nadel, die für viele Menschen ein Gegenstand der Angst ist, könnte für die Angst vor Impfungen und die Furcht vor Ansteckung stehen."

Das französische Innenministerium und die Polizei empfehlen aber, mutmaßliche Nadelstichverletzungen so schnell wie möglich zu melden, damit ein entsprechender Nachweis erbracht werden kann. 

In einem Twitter-Video erklärt ein Polizist, die Sicherheitskräfte nehmen das Problem sehr ernst.

Eine Sprecherin sagte in Paris: "Allzu oft kann das Fehlen von Spuren nicht als das Fehlen einer Injektion interpretiert werden, sondern als eine zu späte Entnahme einer Probe. Die Opfer sollten nicht zögern, den Vorfall bei der Polizei zu melden und Anzeige zu erstatten, um die Blutprobe zu erhalten, die zur Charakterisierung des Vorfalls, zur Identifizierung der Substanz und zur Ermittlung des Täters erforderlich ist."