Dieser Inhalt ist in Ihrer Region nicht verfügbar

"Alles verkaufen": Polen fürchtet um Kohlemangel im Winter

Access to the comments Kommentare
Von Magdalena Chodownik
euronews_icons_loading
Ein großer Anteil der Haushalte in Polen heizt mit Kohle
Ein großer Anteil der Haushalte in Polen heizt mit Kohle   -   Copyright  Euronews

In Polen heizen viele Haushalte mit Kohle - die höchste Anzahl auf dem europäischen Kontinent. Schon jetzt sorgen sich viele wegen des kommenden Winters, angesichts steigender Preise, des Kriegs in der Ukraine und schrumpfenden Kohlereserven.

Energie-Experte Bartlomiej Derski erklärt:

"Wir befinden uns in einer Situation, in der wir wahrscheinlich die geringsten Kohlereserven seit dem 2. Weltkrieg zur Verfügung haben. Das Grundproblem, das wir mit dieser Art von Kohle für Haushalte haben, ist, dass es einfach keinen Ort gibt, sie abzubauen. Die polnischen Haushalte verbrauchen jährlich etwa 10 Millionen Tonnen Kohle zum Heizen, und nur die Hälfte davon stammt aus Polen. Die andere Hälfte kommt aus Russland und aus Kasachstan zu uns. Allerdings hat Russland jetzt die Güterzüge aus Kasachstan gestoppt, so dass diese Route nicht mehr zur Verfügung steht."

Krystyna Lisicka, die mit einem Kohleofen heizt, sorgt sich nicht um die Verfügbarkeit der Kohle, sondern um den Preis:

"Vor einem Jahr habe ich rund 146 Euro bezahlt, ich habe auch Kohle für 210 Euro gekauft, doch inzwischen kostet es 420 Euro - so viel habe ich noch nie bezahlt. Noch nie. Wenn ich nur meine Rente hätte, würde ich sie für eine Tonne Kohle ausgeben und dann? Wie würde ich leben? Was ist mit den Kosten. Eine Tonne Kohle reicht mir nicht aus - ich brauche 2,5 Tonnen für den gesamten Winter, das sind 837 Euro. Das ist sehr viel Geld."

Um die Bevölkerung zu unterstützen, hat die Regierung beschlossen, die Standards für Kohlenstoff zu senken. Eine Maßnahme, die Umweltaktvisten kritisieren:

"Die Regierung hat diese insgesamt recht niedrigen Qualitätsstandards ausgesetzt und die Bergwerksbetreiber und Händler dazu aufgerufen "alles" zu verkaufen, die Standards gibt es seit 60 Tagen nicht mehr."

Diese erst kürzlich verbotenen Brennstoffe stehen nun zum Verkauf und werden wahrscheinlich billiger werden, da sie aus minderwertigen, kohlehaltigem Material oder Schlamm bestehen, die große Mengen an Feuchtigkeit, Schwefel, Schwermetallen und Asche enthalten.

Wir befürchten, dass diese Brennstoffe einfach mit anderer Kohlen gemischt und verkauft wird. Dies wird dem Bergbausektor zusätzliche Gewinne bescheren, aber auch zu Smog und mehr Umweltverschmutzung in diesem Winter führen", führt Piotr Siergiej, der für die gemeinnützige Organisation "Warsaw Smog Alert" arbeitet.

"Das Problem mit der Kohle ist in Polen zu einem heiklen Thema geworden. Die Regierung versucht, Hilfsprogramme aufzustellen, um eine Krise noch vor dem Winter zu verhindern, aber bis jetzt gibt es noch keine klare Lösung", fasst Euronews-Reporterin Magdalena Chodownik aus Warschau.