Dieser Inhalt ist in Ihrer Region nicht verfügbar

"Menschen ohne Land": Belarussische und russische Exilanten in der Ukraine leben in Unsicherheit

Access to the comments Kommentare
Von euronews
euronews_icons_loading
"Ich möchte meinen Pass zerreißen": Die Belarussin Karina Patsiomkina ist verzweifelt.
"Ich möchte meinen Pass zerreißen": Die Belarussin Karina Patsiomkina ist verzweifelt.   -   Copyright  SERGEI SUPINSKY/AFP or licensors

Karina Patsiomkina lebt seit Februar in Butscha - die Belarussin wurde in ihrer Heimat verfolgt, weil sie gegen die Regierung protestierte. Sie dachte, dass sie in der Ukraine sicher wäre, doch dann marschierten russische Truppen in das Land ein, unterstützt vom belarussischen Machthaber. Im März, als die Angreifer nach Butscha kamen, floh sie für kurze Zeit über Kiew nach Lwiw. Nach der Befreiung Butschas kehrte sie zurück und half als Ehrenamtliche bei der psychologischen Betreuung der Opfer der Massaker. 

Belarussen sind Menschen ohne Land, niemand braucht sie.
Karina Patsiomkina
Belarussin in der Ukraine

Die Stadt bedankte sich dafür offiziell bei ihr, trotzdem wurde ihre Aufenthaltsgenehmigung nicht verlängert. Patisiomkina bekam einen Stempel in ihren Pass, auf dem stand, dass sie das Land innerhalb von zehn Tagen verlassen muss. Mittlerweile hat sie zwar wieder eine Aufenthaltsgenehmigung, darf aber nicht arbeiten. "Es gibt Belarussen, die an der Seite der Ukraine kämpfen", so die 31-Jährige, "Ehrenamtliche, die nicht wissen, wo sie hinsollen, weil sie Belarussen sind. Ich möchte meinen Pass zerreißen, verbrennen. Belarussen sind Menschen ohne Land, niemand braucht sie." Trotzdem sagt sie: In diesem Land, das im Krieg ist, sei sie immer noch sicherer als in ihrer Heimat.

Die offizielle Haltung der Ukraine ist, dass sich die Behandlung von Einwander:innen aus Belarus mit dem Krieg nicht verändert hat. Die Kiewer Nichtregierungsorganisation "Free Belarus Center" berichtet jedoch von zahlreichen Fällen, bei denen Belaruss:innen Probleme haben, legal in der Ukraine zu bleiben.

Auch Andrei Sidorkins Zukunft in seiner Wahlheimat ist fraglich: Er ist einer von 175.000 Russ:innen, die laut ukrainischem Innenministerium in der Ukraine leben. Seit 17 Jahren ist er dort. Mit Beginn der Invasion wollte er in der ukrainischen Armee kämpfen, aber er wurde nicht aufgenommen. Deswegen kämpft er mit selbstgemachten Molotow-Cocktails und hilft dabei, Kunst aus den Kiewer Museen in Sicherheit zu bringen.  

Vor dem Krieg war er im Begriff, die ukrainische Staatsbürgerschaft zu erhalten. Jetzt kämpft er vor Gericht um die Verlängerung seiner Aufenthaltsgenehmigung. Denn zurück nach Russland kann er nicht, sagt der Musiker: "Da würde ich 15 bis 20 Jahre Gefängnis bekommen. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber das ist angesichts der Unterdrückung dort sehr wahrscheinlich."