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Kadyrow gegen Putin? Mobilisierung in Tschetschenien schon zu "254 % erfüllt"

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Von Euronews  mit AFP
Tschetschenische Soldaten bei einer Rede von Ramsan Kadyrow in Grosny
Tschetschenische Soldaten bei einer Rede von Ramsan Kadyrow in Grosny   -   Copyright  Musa Sadulayev/Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved   -  

Tschetscheniens Machthaber Ramsan Kadyrow - eigentlich ein Verbündeter von Russlands Präsident Wladimir Putin und Befürworter des Kriegs in der Ukraine - hat erklärt, er werde in seiner Region keine Mobilmachung von Reservisten anordnen, denn er habe diese schon zu 254 Prozent erfüllt. Aus Tschetschenien seien schon 20.000 Kämpfer bei der Spezialoperation in der Ukraine beteiligt.

Tatsächlich berichten mehrere russische Medien über die sehr ungleiche Verteilung der Rekrutierung von Soldaten, die im Krieg in der Ukraine im Einsatz oder bereits gefallen sind. Bisher sind Berichten zufolge kaum Männer aus dem Raum Moskau an die Front geschickt worden. Die meisten kommen aus entlegenen Regionen Russlands wie Burjatien - oder auch Tschetschenien. Und dort, wo es viele tote junge Männer gibt, wächst offenbar die Kritik.

Aus der Kaukakus-Republik Dagestan gibt es Bilder von Bussen mit Soldaten, die im Rahmen der Teil-Mobilisierung aus Machatschkala aufbrechen. Wohin genau sie gebracht werden, wird nicht genannt.

Die Moskau-kritische Plattform Nexta geht davon aus, dass Ramsan Kadyrow wegen der Mobilmachung Massenproteste in Tschetschenien fürchtet. Und es gibt Berichte, dass Frauen, die in Grosny gegen den Krieg in der Ukraine protestiert hatten, festgenommen wurden. 

Tatsächlich kursiert im Internet auch ein Video, das zeigen soll, wie ein hoher tschetschenischer Mufti Kadyrow kritisiert, weil dieser junge Leute in den Krieg in die Ukraine und damit in den Tod schicke, während er selbst im Warmen bleiben und leckeres Essen verspeise. Einige Experten erklären, das Video sei dann wieder gelöscht worden.

Kadyrow hat auch den jüngsten Gefangenenaustausch zwischen Russland und der Ukraine kritisiert. Wie der Financial-Times-Korrespondent und andere Quellen berichten, ist der Tschetschene sehr unzufrieden über die Entscheidung, dass die Asow-Kämpfer gegen den Putin Freund Medwedschuk eingetauscht wurden.

Max Seddon bezeichnet Kadyrow als "seltene Gegen-Stimme im russischen Establishment".