Wussten Sie, dass das italienische Wahlsystem Rosatellum heißt? Dass Erstwähler:innen erstmals auch für den Senat abstimmen dürfen und die Sperrklausel bei 3% bzw. 10% der Stimmen liegt?
Rund 51 Millionen Italienerinnen und Italiener sind an diesem Sonntag aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen. Fast drei Millionen davon sind Erstwähler:innen.
Gewählt werden Parteien und Kandidat:innen für die zwei Kammern des Parlaments, also das Abgeordnetenhaus und den Senat. Erstmals dürfen Bürger:innen ab 18 Jahren auch über die Zusammensetzung des Senats abstimmen. Bisher lag das Mindestalter bei 25 Jahren.
Kennen Sie Rosatellum - das neue italienische Wahlrecht?
Ebenfalls zum ersten Mal seit der Verfassungsreform von 2020 steht ein deutlich verkleinertes Parlament mit 600 Abgeordneten zur Wahl. Vorher lag die Zahl der Parlamentarier:innen bei 945.
Das aktuelle italienische Wahlrecht, genannt Rosatellum, es wurde 2017 verabschiedet und 2018 zum ersten Mal angewendet, ist eine Mischung aus Mehrheits- und Verhältniswahl. Je ein Drittel der Senatoren- und Abgeordneten ((37% der Parlamentssitze) werden direkt gewählt, die restlichen zwei Drittel der Sitze (61%) je nach dem landesweiten Abschneiden der Parteien vergeben.
Sperrklausel liegt bei 3% bzw. 10% der Stimmen
Dabei gilt zudem eine Sperrklausel. Diese beträgt 3% der Stimmen für einzelne Parteien und 10 % für Koalitionen, wobei jede einzelne Partei des Bündnisses mindestens 1% der Stimmen erreichen muss. Überhangmandate wie in Deutschland gibt es nicht.
Zwei Prozent der Sitze werden von im Ausland lebenden italienischen Wähler:innen bestimmt. Diese Proportion gilt für die beiden Kammern: insgesamt 8 Abgeordnete und 4 Senatoren.
4,9 Millionen Italienerinnen und Italiener wählen im Ausland
Die Möglichkeit zur Briefwahl gibt es nur für die knapp 4,9 Millionen Italiener:innen im Ausland. Es wird eine sehr niedrige Wahlbeteiligung erwartet.
Die Wahllokale sind von 7.00 bis 23.00 Uhr geöffnet. Die ersten offiziellen (Teil-)Ergebnisse werden am Montagmorgen erwartet.
Der zurückgetretene Ministerpräsident Mario Draghi bleibt übrigens geschäftsführend im Amt, bis eine neue Regierung vereidigt ist - das kann etliche Wochen dauern.