War Prigoschin in Soledar - und ist Putins Koch in Ungnade gefallen?

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Von Euronews  mit AP, Twitter
Chef der Wagner-Söldner Jewgeni Prigoschin - bei Beerdigung eines Kämpfers am 24.12.22
Chef der Wagner-Söldner Jewgeni Prigoschin - bei Beerdigung eines Kämpfers am 24.12.22   -   Copyright  AP/Copyright 2022 The AP. All rights reserved.

"Wagner-Einheiten haben die Kontrolle über das gesamte Gebiet von Soledar übernommen. Ich betone, dass keine anderen Einheiten als die Wagner-Kämpfer bei dem Angriff auf Soledar dabei waren." Das ließ der Chef der Wagner-Söldner - der Unternehmer mit dem Spitznamen "Putins Koch" schon vor einigen Tagen über den Pressedienst seiner Firma verbreiten. Britische und US-Militärexperten hatten die Präsenz von Wagner-Söldnern in der ukrainischen Region Donbas und in Soledar bestätigt.

Doch die jüngsten Entscheidungen des Kreml - wie die Veränderung an der Militärspitze - gelten als Schritte gegen Prigoschin. Und in der offiziellen Mitteilung des russischen Verteidigungsministeriums zur Lage an der Front in Soledar in der Ukraine war von der Wagner-Gruppe keine Rede. Der strategisch wichtige Ort - in der Nähe der seit Monaten umkämpften Stadt Bachmut - war zum damaligen Zeitpunkt auch Moskau zufolge keineswegs von Russland eingenommen.

Financial Times-Korrespondent Christipher Miller schreibt auf Twitter: "Soledar wäre der erste russische Sieg auf dem Schlachtfeld seit Monaten - aber ein Pyrrhussieg. Ich habe viel Zeit in Soledar und Bachmut verbracht (ich habe dort jahrelang gelebt und viele weitere Jahre darüber berichtet). Die Minen um Soledar und Bachmut bestehen aus 125 Meilen unterirdischen Tunneln. Keine Chance, dass Prigoschin das alles kontrolliert."

Auch ukrainische Meldungen und im Internet verbreitete Videos zeigen weiterhin ukrainische Soldaten in Soledar.

War Prigoschin in Soledar?

Auf Fotos sollte der ehemalige Strafgefangene Prigoschin in einer Mine in Soledar zu sehen sein. 

Doch es war umstritten, ob sich der Wagner-Chef tatsächlich dort aufhielt.

Schon am 10. Januar hatte die Wagner-Truppe ein Video veröffentlicht, das zeigen soll, dass ihre Söldner den Ort Soledar kontrollieren. Dabei trupen einige Wagner-Söldner offenbar ukrainische Uniformen - eine Taktik, die für ihre Grausamkeit berüchtigten Kämpfer laut Medienberichten anwenden.

Unter anderen hat die Anti-Kreml-Plattform Nexta das Video am 10. Januar verbreitet.

Verliert Prigoschin an Einfluss im Kreml?

Schon seit einigen Monaten gibt es Spekulationen, Prigoschin strebe einen hohen Posten im Kreml an. Teils zusammen mit Tschetscheniens Machthaber Ramsan Kadyrow hatte Jewgeni Prigoschin die russische Militärführung immer wieder kritisiert. Einer der hohen Militärs, die Prigoschin und Kadyrow ins Visier genommen hatten, war Generaloberst Alexander Lapin.

Jetzt berichtete die Agentur Tass, dass Generaloberst Alexander Lapin zum Stabschef der Bodentruppen ernannt wurde. Russischen Medienberichten zufolge ist der neue Posten von General Lapin auch eine Warnung ist an den Oligarchen Prigoschin.

Zudem hat Russlands Präsident Präsident Wladimir Putin den russischen Oberbefehlshaber in der Ukraine nur drei Monate nach seiner Amtseinführung abgesetzt. Generalstabschef Valeri Gerassimow soll nun den Krieg oder die sogenannte "besondere militärische Operation" leiten. General Gerassimow ersetzt Sergej Surowikin, der für die jüngsten brutalen Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur verantwortlich gemacht wird.

Der britische Experte Rob Lee schreibt auf Twitter zum Postenwechsel innerhalb der russischen Armee: "Damit wird die Position des Verteidigungsministeriums bei der Beaufsichtigung des Krieges bekräftigt. Prigoschin hat Surowikin gelobt, während er Lapin und die Führungsspitze des Verteidigungsministeriums kritisierte. Dies könnte teilweise auch eine Reaktion auf die zunehmend einflussreiche und öffentliche Rolle Wagners im Krieg sein."