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Warum war die Zerstörung in der Türkei und Syrien so verheerend?

Ein Mann im südtürkischen Nurdagi sitzt auf einem Stuhl. Hinter ihm sind die Gebäude wie Kartenhäuser zusammengefallen.
Ein Mann im südtürkischen Nurdagi sitzt auf einem Stuhl. Hinter ihm sind die Gebäude wie Kartenhäuser zusammengefallen. Copyright Petros Giannakouris/AP
Copyright Petros Giannakouris/AP
Von Katherine Berjikian
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Bei dem Erdbeben in Syrien und der Türkei sind tausende Gebäude wie Kartenhäuser zusammengefallen. Wie konnte es dazu kommen und welche Rolle spielt die Architektur in den Regionen?

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Die Erdbeben in der Türkei und Syrien sind die schwersten, die die Region seit fast einem Jahrhundert erschüttert haben. Auf das erste Beben der Stärke 7,8 im Südosten der Türkei und im Norden Syriens folgte ein weiteres der Stärke 7,7.

In der Region trifft die anatolische Kontinentalplatte auf die arabische Platte. An dieser Schnittstelle treten Erschütterungen recht häufig auf. Aber wie oft kommt es zu Erdbeben dieser Stärke?

Laut Saskia Goes, Professorin für Geophysik am Imperial College London, ereignen sich Ereignisse dieser Stärke in dieser Region nur einmal alle hundert oder mehrere hundert Jahre.

"Das Erdbeben ist eines der stärksten, die wir mit unseren Instrumenten aufgezeichnet haben, seit Beginn der Messung", so Goes gegenüber Euronews.

Das letzte Erdbeben der Stärke 7,8 in der Türkei ereignete sich 1939 und kostete rund 30.000 Menschen das Leben. 1999 kamen bei einem Erdbeben in der Nähe von Izmir, das über 1.000 km nördlich des jüngsten Epizentrums liegt, 17.000 Menschen ums Leben.

"Erdbeben sind im nördlichen Teil der Türkei, entlang der nordanatolischen Verwerfung, häufiger als dort, wo sich dieses Erdbeben ereignete, wo sie vielleicht nur alle 500 Jahre oder so auftreten", sagte Goes.

Sie fügte hinzu, dass es aufgrund dieser langen Zeitspanne zwischen den Erdbeben schwierig ist, vorherzusagen, wann es ein Erdbeben geben wird.

"Die Wiederholungszeiten sind so lang, dass [...] wir keine guten Aufzeichnungen darüber haben, wie oft sie auftreten, welche Teile der Verwerfung in letzter Zeit gebrochen sind und wie die Spannung umverteilt wurde."

Warum wurden so viele Gebäude zerstört?

Kurz nach den Erdbeben erklärte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, dass Tausende Gebäude einstürzten. Nach Angaben des syrischen Zivilschutzes - weithin als Weißhelme bekannt - stürzten im Norden Syriens mehr als 400 Gebäude ein, tausende wurden beschädigt.

Einige der Gebäude, die mehr als 50 Jahre alt waren, hatten ihre Lebensdauer überschritten, erklärt Sean Wilkinson, Professor für Bauingenieurwesen an der Universität Newcastle in Großbritannien.

"Es ist nicht ungewöhnlich, dass schlecht gebaute Gebäude bei einer derartigen Erschütterung zusammenbrechen [...] Das ist typisch für Länder, die sich in einem bestimmten Entwicklungsstadium befinden", sagte Wilkinson gegenüber Euronews. 

Trial-and-Error

Einige Länder, wie Neuseeland, Japan und die USA, haben damit begonnen, Gebäude mit einem Sockelisolationssystem zu bauen. Das Verfahren ist vergleichbar mit dem "Aufsetzen eines Gebäudes auf einen Rollschuh", so dass der Sockel bei einem Erdbeben wackelt, während der Rest weitgehend an seinem Platz bleibt.

Dieses Verfahren gilt zwar als "Goldstandard" in der Erdbebenvorbereitung, ist aber auch "modern" und "teuer", so Wilkinson.

Seine Forschungen zeigen, dass die Nachrüstung von Gebäuden, um Beben zu überstehen, ein billigerer Ansatz wäre. Aber das ist "auch ziemlich schwierig, und die Ergebnisse sind ungewiss".

Auch der Prozess sei langsam und teuer, so dass die Regierungen abwägen müssen, ob sich die Nachrüstung lohnt.

"Wir wissen erst dann mit Sicherheit, wie gut etwas ist, wenn das nächste Erdbeben eintritt, denn dann sucht sich das Erdbeben nur das nächstschwächere Glied in der Kette".

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