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“Jemand rief: Spezialeinheiten!” - Deutsche Touristen im Westjordanland angegriffen

Bild des angegriffenen Autos
Bild des angegriffenen Autos Copyright Twitter-Account @PsAhrar
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Von Euronews mit dpa
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Zwei deutsche Touristen sind von Tel Aviv nach Nablus gefahren. Ihr Car-Sharing-Auto hatte ein israelisches Nummernschild und einen Aufkleber mit Israel-Flagge. Keine gute Idee, wie es sich im Nachhinein zeigte.

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Palästinenser haben in der Stadt Nablus im Westjordanland ein Auto mit zwei deutschen Touristen mit Steinen angegriffen. Wie israelische Medien am Samstag berichteten, waren die beiden in einem Carsharing-Auto mit israelischem Kennzeichen unterwegs. Eine Sprecherin des Militärs teilte mit, sie seien leicht verletzt und nach dem Vorfall medizinisch von israelischen Soldaten versorgt worden.

"Wir wollten nur Kaffee trinken"

Wie die israelische Nachrichtenseite “Times of Israel” berichtet, seien die zwei Deutschen vor der wütenden Menge zu Fuß geflüchtet. Ein arabischer Israeli habe ihnen geholfen, die Stadt zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen, berichtet der israelische TV-Sender Channel 12.

“Wir wollten eigentlich nur Kaffee trinken”, soll einer der beiden Touristen im Nachhinein über die abenteuerliche Fahrt gesagt haben, schreibt “Times of Israel”. Das angegriffene Fahrzeug befinde sich immer noch in Nablus, so das Nachrichtenportal weiter.

Auf einem Video, das in sozialen Medien geteilt wurde, war zu sehen, wie rund zwei Dutzend Männer und Jugendliche ein Auto auf einer viel befahrenen Straße mit Steinen bewarfen und im stockenden Verkehr zunächst gewaltsam am Weiterfahren hinderten. Weitere Aufnahmen zeigten, dass auf dem Auto das Logo der Stadt Tel Aviv sowie ein Sticker mit einer israelischen Flagge angebracht waren.

"Jemand rief: Spezialeinheiten"

Der israelische Journalist Jack Khoury veröffentlichte bei Twitter ein Video von dem Vorfall und kommentierte: “Ein Mietwagen mit Touristen aus Deutschland fuhr mit einer israelischen Flagge durch die Stadt, jemand rief ‘Spezialeinheiten’, dann griff die Menge an.” Laut Khoury zeigt dieser Vorfall, wie angespannt die Lage ist, vor dem Hintergrund, was einige Tage zuvor im palästinensischen Flüchtlingslager Dschenin passiert sei.

Dort, etwa 40 Kilometer nördlich von Nablus, sind zwei Tage zuvor vier Palästinenser bei einem israelischen Militäreisatz getötet worden, 23 weitere wurden verletzt. Wie der Nachrichtensender Al Jazeera berichtet, sei die Operation von Spezialeinheiten der israelischen Armee durchgeführt worden. Diese seien als Einsatzkommando in Zivil in das Flüchtlingslager Dschenin eingedrungen und vier Menschen getötet. Drei von ihnen waren militante Palästinenser.

AP Photo
Beisetzung eines getöteten palästinensischen Militanten in DscheninAP Photo

Wie palästinensische Medien berichten, dringen Spezial-Einsatzkommandos, getarnt in zivilen Autos, immer wieder in palästinensische Gebiete, um militante Palästinenser festzunehmen oder zu töten. Offenbar wurden die zwei deutschen Touristen in Nablus für Spezialeinheiten der israelischen Armee gehalten und aus diesem Grund mit Steinen beworfen.

"Widerlich und feige"

Der deutsche Botschafter in Israel, Steffen Seibert, verurteilte den Vorfall: “Ein Mob, der Touristen angreift, weil ihm ihr Nummernschild nicht gefällt, ist widerlich und feige”. Er danke dem palästinensisch-israelischen Bürger, der sie gerettet habe, “aus tiefstem Herzen”.

Nablus gehört zu den palästinensischen Autonomiegebieten. Israelis ist die Einreise dorthin grundsätzlich verboten. Ausländische Touristen können die Stadt besuchen. Das Auswärtige Amt rät jedoch von Reisen in die Region um Nablus “dringend ab”.

Die Sicherheitslage in Israel und den Palästinensergebieten ist seit Monaten besonders angespannt. Während des muslimischen Fastenmonats Ramadan, der in der kommenden Woche beginnt, wird weitere Gewalt befürchtet.

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