Russland: Großoffensive in Donezk abgewehrt

Kämpfe an der Frontlinie in Donezk
Kämpfe an der Frontlinie in Donezk Copyright Efrem Lukatsky/AP
Von Julika Herzog mit dpa, AP, AFP
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Russland hat nach eigenen Angaben eine ukrainische Großoffensive in Donezk abgewehrt. Es ist unklar, on dies der Beginn der seit langem angekündigten ukrainischen Gegenoffensive ist. Kiew äußerte sich bisher nicht dazu.

Russland hat nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau eine ukrainische Großoffensive im Süden der Region Donezk vereitelt. Die mutmaßliche Offensive habe am Sonntagmorgen an fünf Frontabschnitten begonnen.

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Beginn der ukrainischen Großoffensive?

"Das Ziel des Feindes war, unsere Verteidigung an dem Teil der Front zu durchbrechen, der seiner Ansicht nach am verletzlichsten war", teilte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, in der Nacht zum Montag mit.

"Das ist dem Feind nicht gelungen, er hatte keinen Erfolg."

Konaschenkow sagte, 250 ukrainische Soldaten seien getötet und 16 ukrainische Panzer, drei Schützenpanzer und 21 gepanzerte Kampffahrzeuge zerstört worden.

Es ist unklar, ob dies der Beginn der seit langem angekündigte ukrainische Gegenoffensive ist. Von Kiewer Seite wurden die Berichte nicht bestätigt. In seiner abendlichen Ansprache am Sonntag hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nichts vom Beginn einer Offensive erwähnt. Selenskyj hatte zuletzt wiederholt betont, sein Land sei für die seit langem angekündigte Gegenoffensive zur Befreiung seiner Gebiete von der russischen Besatzung bereit.

Russland hatte das Nachbarland am 24. Februar 2022 überfallen und hält aktuell rund 20 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets besetzt, darunter auch das Gebiet Donezk.

Russischer Feldkommandeur widerspricht Führung in Moskau

Ein russischer Feldkommandeur hat unterdessen den Moskauer Erfolgsmeldungen widersprochen. Bisher seien die ukrainischen Truppen in Donezk erfolgreich vorgestossen, so Alexander Chodakowski, der seit 2014 eine russische Seperatisten-Brigade im Donbass leitet. Seine Einheiten wurden nach Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine in die russische Nationalgarde eingegliedert.

Zunächst hätten die ukrainischen Truppen den Eindruck erweckt, den Druck auf den Frontabschnitt Welika Nowosilka zu verstärken, wo ihnen Sonntag bereits ein Durchbruch gelungen sei. Währenddessen sei ein Stoßtrupp fast unbemerkt weiter östlich bei der Ortschaft Nowodonezke vorgedrungen. "Traditionell den Funkverkehr störend, ist es dem Feind gelungen, uns in eine schwierige Lage zu bringen", schrieb Chodakowski auf Telegram. Die Lage sei im Fluss.

Söldnerchef Prigoschin wirft Armee Verminung von Rückzugswegen vor

Im Donbass wurden unterdessen Kämpfer der Wagner-Gruppe von tschetschenischen Einheiten ersetzt. Der Chef der russischen Söldnergruppe Wagner erhob erneut schwere Vorwürfe gegen die reguläre russische Armee. Soldaten hätten Mitte Mai eine Straße vermint, auf der seine Kämpfer aus der mittlerweile eroberten ostukrainischen Stadt Bachmut hätten herausfahren wollen, teilte Jewgeni Prigoschin mit.

Er veröffentlichte auch ein Dokument, das ein Einsatzprotokoll von Mitte Mai darstellen soll und in dem zudem von Schusswechseln zwischen Wagner-Söldnern und Soldaten die Rede ist. Überprüft werden konnten diese Anschuldigungen nicht. Das Verteidigungsministerium in Moskau äußerte sich nicht dazu.

Mehr als 15 Monate nach dem Einmarsch in die Ukraine toben in Russlands Militärführung Machtkämpfe, die deutlich zutage treten. Immer wieder wetterte Prigoschin zuletzt gegen Verteidigungsminister Sergej Schoigu, dem er schlechte Kriegsführung und eine mangelhafte Versorgung der Wagner-Kämpfer mit Munition vorwarf.

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