Haiti steht unter Schock: Erst Überschwemmungen, dann Erdbeben

Retter holen Verletzte aus Trümmern
Retter holen Verletzte aus Trümmern Copyright Ralph Simon/AP Photo
Von Euronews mit Afp/Dpa/AP
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Das Beben ereignete sich zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Erst am Wochenende hatten heftige Regenfälle Erdrutsche und Überschwemmungen ausgelöst. Tausende Familien benötigen dringend Lebensmittel.

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Es ist, als hätten sich die Naturgewalten gegen den bettelarmen Karibikstaat verschworen: Nach schweren Überschwemmungen mit über 50 Toten wurde Haiti obendrein von einem Erdbeben der Stärke 4,9 heimgesucht - und blickt fassungslos auf das Ausmaß der Zerstörung.

Beben zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt

Bei dem Beben, das am Dienstagmorgen den Süden des Landes erschütterte, kamen mindestens 4 Menschen ums Leben. Unter den Trümmern werden weitere Todesopfer vermutet. Die meisten der Opfer wohnten im Viertel Sainte Hélène, einem Armenviertel der Stadt Jérémie.

Das Beben ereignete sich zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Erst am Wochenende hatten heftige Regenfälle Erdrutsche und Überschwemmungen ausgelöst. Mehrere Teile des Landes sind betroffen, besonders auch die Region um die Hauptstadt Port-au-Prince. Tausende Familien benötigen dringend Lebensmittel, Trinkwasser und Medikamente.

"Obwohl es sich nicht um einen Zyklon oder Tropensturm handelte, sind die in den betroffenen Gebieten beobachteten Schäden beträchtlich", beklagte Jean-Martin Bauer, UN-Koordinator für humanitäre Hilfe in Haiti, in einer Stellungnahme. Premierminister Ariel Henry aktivierte das Nationale Notfall-Operationszentrum (COUN). 

Haiti ist das ärmste Land des amerikanischen Kontinents - was auch eine Folge langjähriger Reparationszahlungen an die frühere Kolonialmacht Frankreich ist. Fehlende Ressourcen sowie politisches Chaos und Korruption erschweren den Katastrophenschutz, die Versorgung der Opfer und den Wiederaufbau.

Hurrikansaison hat gerade erst begonnen

Die hohe Zahl der Todesopfer verdeutlicht die Anfälligkeit des Landes für Naturkatastrophen und die Versäumnisse bei der Risikominderung. Und die Hurrikansaison hat gerade erst begonnen.

Bereits vor den Überschwemmungen war Haiti mit einer schweren humanitären Krise konfrontiert, fast die Hälfte der Bevölkerung ist auf Hilfe angewiesen, eine Zahl, die sich laut den Vereinten Nationen in nur fünf Jahren verdoppelt hat.

Haiti war bereits im August 2021 von einem starken Erdbeben der Stärke 7,2 verwüstet worden, bei dem mehr als 2.200 Menschen ums Leben kamen und mehr als 130.000 Häuser zerstört wurden.

Im Jahr 2010 waren bei einem Erdbeben der Stärke 7 mehr als 200.000 Menschen ums Leben gekommen. Das Beben hatte die Hauptstadt Port-au-Prince in ein Trümmerfeld verwandelt und 1,5 Millionen Menschen obdachlos gemacht.

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