Griechen streiten über Homo-Ehe: Kinderkriegen verboten, Adoptieren erlaubt

Das geplante Gesetz über die gleichgeschlechtliche Ehe spaltet die griechische Gesellschaft.
Das geplante Gesetz über die gleichgeschlechtliche Ehe spaltet die griechische Gesellschaft. Copyright Petros Giannakouris/AP
Von Fay Doulgkeri
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Das geplante Gesetz über die gleichgeschlechtliche Ehe spaltet die griechische Gesellschaft, noch bevor es im Detail vorgestellt wurde.

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Das geplante Gesetz über die gleichgeschlechtliche Ehe spaltet die griechische Gesellschaft, noch bevor es im Detail vorgestellt wurde. Den einen geht es zu weit, den anderen nicht weit genug. 

Die Regierung löst mit dem Gesetzentwurf ein Wahlversprechen ein. Es soll Diskriminierung und Ungerechtigkeit entgegenwirken, lässt aber Lücken offen, über die schon jetzt heftig öffentlich gestritten wird. 

Gleichgeschlechtliche Paare selbst äußern sich einerseits zufrieden, weil der Gesetzentwurf ihnen das Recht gibt, zu heiraten, andererseits sind sie verwirrt, wenn es um die Frage des Kinderkriegens geht. Denn ein besonderer Streitpunkt bei dem Entwurf  ist das Thema der Familiengründung.

Streitpunkt: Gleichgeschlechtliche Paare sollen keine Kinder bekommen können, aber adoptieren dürfen

Penny Moisiadou ist seit Jahren mit ihrer Partnerin zusammen. Sie wollen heiraten, weil das bald für sie mögklich sein wird. Und sie wollen zusammen Kinder großziehen. Sie wollen die Methode der künstlichen Befruchtung anwenden, um ein Kind zu bekommen, das ihr genetisches Material trägt. 

Doch genau das wird dann nicht mehr möglich sein. Den Weg einer künstlichen Befruchtung für gleichgeschlechtliche verheiratete Paare sieht das Gesetz nach den derzeitigen Plänen der Regierung nicht vor. Die einzige Möglichkeit für sie, ein Kind zu bekommen, ist die Adoption eines Kindes.

"Adoption ist etwas schönes, ich bin für Adoption, aber unter anderen Umständen", sagt Penny Moisiadou. "Wenn ich allein wäre und kein Kind bekommen könnte, würde ich gerne adoptieren. Weil meine Partnerin und ich aber die Möglichkeit haben, ein eigenes Kind zu bekommen, warum sollten wir das nicht tun?"

Paare können Lücken nutzen, sagen Kritiker

Vorher hatte sie das Recht und nach der Heirat nicht mehr? Das fagt sich Penny Moisiadou. Ein ähnliches Verbot gilt auch für männliche Paare; sie können sich nicht an eine Leihmutter wenden. Wenn sie jedoch das Verfahren im Ausland durchführen und das Kind dort bekommen, wird es auch in Griechenland anerkannt. 

Der Mediziner Konstantinos Pantos ist Geburtshelfer, Gynäkologe und Generalsekretär der Griechischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin. Er kritisiert das Gesetz als lückenhaft. "Ich bin der Meinung, dass alles nach den Regeln und Vorschriften geschehen sollte, anstatt diese Paare nach Gesetzeslücken suchen zu lassen. Homosexuelle Frauen, die verheiratet sind, können zum Beispiel Kinder bekommen, indem sie eines dieser Schlupflöcher nutzen. Wie? Sie können sich trennen, in ein Zentrum für künstliche Befruchtung gehen, das Kind als alleinstehende Frau bekommen und dann wieder heiraten."

Die Regierung sagt, sie beende die Diskriminierung, aber in der öffentlichen Debatte geht es um die sozialen, ethischen und rechtlichen Konsequenzen des Gesetzes.

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