Die Ukraine nach zwei Jahren: Auf einen langen Krieg eingestellt

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Von Valérie GauriatSabine Sans
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Seit dem Beginn der russischen Invasion am 24. Februar 2022 ist die Ukraine jetzt im dritten Kriegsjahr. Was als Blitzkrieg geplant war, hat sich zu einem Zermürbungskrieg entwickelt, der zehntausende ukrainische Soldaten und über 10.000 Zivilisten das Leben gekostet hat.

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Euronews-Reporterin Valérie Gauriat hat in Kiew und im Donbass recherchiert, wie die ukrainische Bevölkerung mit einem Konflikt umgeht, der Teil ihres Alltags geworden ist.

"Mein Mann ist seit zwei Jahren im Kampfgebiet. In der ganzen Zeit hatte er nur 30 Tage Urlaub. Unsere Männer sollten von jemandem abgelöst werden, sie sollten Zeit haben, sich zu erholen. Und wenn sie danach zurückkehren wollen, ist das in Ordnung."

An einem regnerischen Februartag hatten sich Antonina und ein paar Dutzend Frauen in den Straßen von Kiew versammelt, um für kürzere Dienstzeiten der Soldaten zu demonstrieren, die seit den ersten Kriegstagen an der Front waren.

Überlebensschule der Frauen

Eine schmerzliche Abwesenheit, die auf unterschiedliche Weise verarbeitet wird. An einem geheim gehaltenen Ort am Rande der ukrainischen Hauptstadt treffen sich jeden Samstag Gruppen von Frauen, um unter der Schirmherrschaft von "Ukraine Valkyrie" militärische Trainingseinheiten zu absolvieren.

Diese Vereinigung wurde von Daryna Trebukh nach dem Abzug der russischen Truppen aus der Region Kiew im März 2022 gegründet. "Nach den Ereignissen in Bucha und Irpin waren unsere Frauen schutzlos, sie waren besetzt und wussten nicht, wie sie sich schützen sollten. Also beschloss ich, diese Überlebensschule zu gründen, um den Frauen beizubringen, wie sie sich schützen können."

Einstellen auf ein langer Krieg

Sie und ihre Schüler erwarten einen langen Krieg. Katerynas Mann ist seit zwei Jahren an der Front. "Meine Tochter wird in ein paar Monaten 14 Jahre alt, das ist das Alter, in dem sie mit der militärischen Ausbildung beginnen kann, allerdings nicht mit echten Waffen, sondern mit Panzerfäusten."

Die Anpassung an den Krieg birgt auch Potenzial für die Zukunft

Die Anpassung an den Krieg ist auch die Aufgabe ukrainischer Studenten. In einem der Forschungslabors des renommierten Kiewer Polytechnischen Instituts sind der 20-jährige Iwan und sein Team damit beschäftigt, eine elektronische Bahre zusammenzubauen, die ferngesteuert werden kann, um verwundete Soldaten von der Front wegzutransportieren. "Man braucht drei oder vier Leute, um einen verwundeten Soldaten mit Ausrüstung zu transportieren, aber mit dieser Bahre kann man ihn einfach auf die Bahre legen und ferngesteuert wegfahren", erklärt Iwan. Neben der Teilnahme an den Kriegsanstrengungen haben die Studenten auch Ambitionen für die Zukunft. "Mit diesem Projekt erwerben wir neue Fähigkeiten. Mein Traum ist es, die Ukraine zu entwickeln und moderne Unternehmen zu gründen, die neue und wettbewerbsfähige Produkte herstellen. Wir haben ein riesiges Potenzial", fügt er hinzu.

Neue Wirtschaftszweige werden angekurbelt

Ein Potenzial, das bereits neue Wirtschaftszweige angekurbelt hat. Einer von ihnen sind die Hunderte von Drohnenherstellern, die in den letzten zwei Jahren in der Ukraine entstanden sind. Einer von ihnen öffnete seine Türen für unsere Kameras. Etwa dreißig Überwachungs- und Aufklärungsdrohnen kommen jeden Monat aus der Airlogix-Fabrik. "Sie ermöglichen es unseren Streitkräften, tief in die feindlichen Linien hineinzufliegen und feindliche Anlagen wie Luftabwehrsysteme, elektronische Kampfführung, Waffenlager und so weiter zu identifizieren", erklärt der Geschäftsführer des Unternehmens, Vitalii Kolisnichenko. "In diesem Krieg muss man technologisch fortschrittlich sein. Wir betrachten Drohnen als einen Schlüssel zu unserem Sieg. Langfristig können sie auch für die künftige Wirtschaft des Landes eine wichtige Rolle spielen", meint Kolisnichenko. "Ich glaube, dass die Ukraine irgendwann zum Zentrum der unbemannten Technologien für die ganze Welt werden wird."

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