Menschenrechtsorganisationen warnen vor der Gefahr einer sofortigen Vollstreckung des Todesurteils gegen Irfan Soltani, einen 26-jährigen Demonstranten.
Justizbehörden haben die Familie des Gefangenen bereits darüber informiert, dass sein Todesurteil am Mittwoch dieser Woche vollstreckt wird, wie die Menschenrechtsorganisation Hengau mitteilte.
Irfan Soltani war in seiner Privatwohnung in Fardis festgenommen worden. Nur vier Tage nach der Festnahme wurde sein Todesurteil ausgesprochen - und, so hieß es, es sei ihm "sicher".
Irfan Soltani wird derzeit im Gefängnis Ghezel Hesar in Karaj festgehalten. Auf Anordnung der Justizbehörden wird ihn seine Familie heute im Gefängnis besuchen.
Die Tatsache, dass dieses Treffen mit dem zuvor angekündigten Termin für die Vollstreckung des Urteils zusammenfällt, hat die Befürchtungen, dass dies das "letzte Treffen" vor der Hinrichtung sein könnte, stark verstärkt.
Offenbar Verurteilung ohne faire Anhörungen
Berichten zufolge wurde der Fall von Herrn Soltani bearbeitet, ohne dass jegliche Mindestanforderungen an eine faire Anhörung eingehalten wurden. Von seiner Festnahme bis hin zur Urteilsverkündung wurden ihm der Zugang zu einem Anwalt seiner Wahl sowie andere Staatsbürgerrechte verwehrt.
Eine der Familie Sultani nahestehende Quelle hat Hengau mitgeteilt, dass Irfan Soltanis Schwester, selbst Rechtsanwältin, beantragt hat, eine Vollmacht anzunehmen, um den Fall ihres Bruders zu untersuchen. Die Behörden haben ihr jedoch den Zugriff auf den Fall verwehrt.
Die Familie des politischen Gefangenen wurde zudem über Einzelheiten der Anklage und des Gerichtsverfahrens nicht informiert.
Menschenrechtsorganisationen, die ihre tiefe Besorgnis über mögliche "Feldgerichte“ und die Anwendung der Todesstrafe als Mittel zur Niederschlagung von Protesten zum Ausdruck gebracht haben, fordern internationale Gremien aufgefordert, einzugreifen.
Die Entwicklungen kommen zu einem Zeitpunkt, zu dem hochrangige Regierungsvertreter in der Islamischen Republik ihren Ton gegenüber Demonstranten verschärft haben.
Gholamhossein Mohseni Ezhai, der Chef der Justiz, hatte zuvor mehrfach betont, dass der Justizapparat sich "in keinerlei Weise einmischen" werde bei denen, die von der Regierung als "Agitatoren" bezeichnet werden.
US-Präsident Donald Trump äußerte sich gestern Abend in einem Gespräch mit CBS News besorgt über die Möglichkeit der Todesstrafe für Demonstranten im Iran und warnte, dass die Vereinigten Staaten "sehr strenge" Maßnahmen gegen die Islamische Republik ergreifen würden, wenn Beamte der Islamischen Republik dies umsetzen würden.