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EU-Pelzverbot: Ist die europäische Pelzindustrie in Gefahr?

Eine Frau probiert einen Pelzmantel an, am 25\. Oktober 2008 im Hotel Drouot in Paris, zwei Tage vor der Versteigerung der Modeartikel.
Eine Frau probiert einen Pelzmantel an, am 25\. Oktober 2008 im Hotel Drouot in Paris, zwei Tage vor der Versteigerung der Modeartikel. Copyright LIONEL BONAVENTURE/AFP
Copyright LIONEL BONAVENTURE/AFP
Von Euronews
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Dieser Artikel wurde im Original veröffentlicht auf Englisch

Das Europäische Parlament prüft derzeit eine Petition, in der ein Verbot von Pelzen gefordert wird. Während die Petition eine gute Nachricht für den Tierschutz ist, gab es einige Bedenken hinsichtlich der wirtschaftlichen Folgen eines möglichen Verbots.

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Die Europäische Bürgerinitiative "Pelzfreies Europa" fordert ein Verbot der Pelztierzucht und des Pelzverkaufs in der gesamten Europäischen Union.

Sie hat über 1,5 Millionen Unterschriften in 18 Mitgliedsstaaten gesammelt und wird am Donnerstag dem Europäischen Parlament von den Ausschüssen für Binnenmarkt und Verbraucherschutz (IMCO) sowie für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung vorgelegt.

Ein nahezu vollständiges Verbot von Pelz in der EU würde Tausende von Farmen schließen und viele Bekleidungshersteller dazu zwingen, auf pelzfreie oder Kunstpelz-Kollektionen umzusteigen.

Obwohl die Petition eine positive Entwicklung für den Tierschutz darstellt, äußern sich einige besorgt über die möglichen wirtschaftlichen Auswirkungen, da die EU eine bedeutende Position auf dem globalen Pelzmarkt einnimmt. Sind diese Befürchtungen gerechtfertigt?

Wie wichtig ist die europäische Pelzindustrie?

Die EU ist nach China der zweitgrößte Pelzproduzent der Welt.

Nach Angaben mehrerer Tierschutzorganisationen beliefen sich die Pelzexporte der EU im Jahr 2021 auf 107,8 Millionen Euro.

Die Branche bietet rund 100 000 Arbeitsplätze, die sich auf die Zucht, die Produktion und den Verkauf von Pelzprodukten verteilen.

Doch die Pelzproduktion in der EU ist bereits stark rückläufig.

Bislang haben 14 Mitgliedstaaten die Pelztierzucht verboten, und viele haben strenge Gesetze zur Gewährleistung des Tierschutzes erlassen, was die Pelzproduktion de facto verlangsamt hat.

Ist die Branche dem Untergang geweiht?

Die jüngsten Zahlen deuten auf eine eher pessimistische Zukunft für die Branche hin: In nur zwei Jahren hat sich die Pelzproduktion mehr als halbiert - und sie ist seit etwa einem Jahrzehnt rückläufig.

Nach Angaben der Fur Free Alliance belief sich die Nerzpelzproduktion in der EU im Jahr 2020 auf 18 Millionen Felle, während sie im vergangenen Jahr auf 7,5 Millionen zurückging. Das Gleiche gilt für Fuchspelze, von denen im Jahr 2022 700.000 hergestellt werden, während es im Jahr 2020 noch 1,2 Millionen waren.

Der Nachfragerückgang wird auf die Sensibilisierungskampagne von Tierschutzverbänden sowie auf die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie zurückgeführt, die zu einer erhöhten Vorsicht bei der Übertragung von Krankheiten von Tieren auf Menschen geführt hat.

Dänemark, ein großer Nerzpelzproduzent in der EU, beschloss, rund 15 Millionen Tiere zu töten, um die Übertragung von COVID-19-Varianten zu verhindern.

Tierschützer können sich sicher sein, dass die europäische Pelzindustrie nicht die einzige ist, die sich im Niedergang befindet.

Auch in China, dem weltweit führenden Pelzproduzenten, und in Kanada, wo die Pelzproduktion zur Tradition des Landes gehört, ist die Branche in den letzten Jahren rapide geschrumpft.

Nach der Einreichung der Petition zum Verbot von Pelzen am Donnerstag werden die Mitglieder des Europäischen Parlaments am 19. Oktober über das Verbot debattieren und dabei sowohl die Folgen für die europäische Pelzindustrie als auch den Tierschutz berücksichtigen.

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