Die EU-Windindustrie muss anfangen, ihr volles Potenzial auszuschöpfen

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Die EU-Windindustrie muss anfangen, ihr volles Potenzial auszuschöpfen
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Von Andrea Bolitho
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Der EU-Windkraftsektor steht vor großen Herausforderungen, das erfordert sofortiges Handeln. In der EU wird immer mehr Windkraft benötigt, um die ehrgeizigen Ziele der EU zu erfüllen, die Energiewende voranzutreiben.

Im vergangenen Jahr wurden in Europa so viele Windparks gebaut wie nie zuvor - doch das reicht nicht, um die EU-Ziele für grüne Energie zu erreichen.

"Es ist ein sehr ehrgeiziges Ziel. Wenn ich mich recht erinnere, wurden im vergangenen Jahr 17 GW in Europa installiert", so Felix Henseler, Geschäftsführer von ZF Wind Power. "Wenn wir nur das zähle, was wir bis heute installiert haben, brauchen wir, um unser Ziel bis zum Ende des Jahrzehnts zu erreichen, durchschnittlich 31 GW pro Jahr."

Giles Dickson, Geschäftsführer WindEurope, ist vorsichtig optimistisch: "Wir sollen doppelt so viele Windparks bauen, wie aktuell. Das können wir auch. Aber wir stehen im Wettbewerb mit den chinesischen Windturbinenherstellern."

ZF Wind Power in Nordbelgien ist weltweit führend in der Herstellung von Getrieben - dem Herzstück einer Windkraftanlage. Kann die Produktion mit der steigenden Nachfrage mithalten? Darum geht es in dieser Folge von Business Planet.

Turbinen werden immer größer, die Getriebe und Antriebsstränge auch – sowie die Testanlagen. ZF Wind Power-Geschäftsführer Felix Henseler führt durch das Werk in Lommel:"Was man hier auf dem Prüfstand sieht, ist eine 7,2 MW-Maschine: Wir testen sie auch mit 7,2 MW, mit vollem Drehmoment, mit voller Vibration und mit 100 Prozent Last."

Die EU hat das Windkraft-Paket auf den Weg gebracht, um den Ausbau der Windindustrie zu beschleunigen.

Felix Henseler zufolge ist eine Verdoppelung der Produktion zwar unrealistisch, aber einige Fabriken seien nicht ausgelastet - was bedeutet, dass es Raum für schnelles Wachstum gibt, sobald Aufträge eintreffen.

Die Kapazitäten sind vorhanden, man muss sie nur nutzen

"Es gibt bereits Kapazitäten auf dem Markt, die man für den Ausbau nutzen könnte", meint Henseler. _"Das ist ehrgeizig, aber grundsätzlich nicht unmöglich. Aber wir müssen jetzt damit anfangen._Wir haben alle Werkzeuge in der Hand, auch mit dem Wind-Paket, das im vergangenen Jahr von der Europäischen Union angestoßen wurde und dem alle Mitgliedsstaaten zugestimmt haben."

Auf die Frage, ob es nicht frustrierend sei, dass es erst jetzt kommt, Ende 2023, antwortet er: 

"Das wirklich Frustrierende ist, dass erst Kriege stattfinden müssen, um uns das bewusst zu machen. Das ist ein Punkt, der frustrierend ist. Bei der aktuellen Geschwindigkeit bin ich ziemlich stolz auf die Europäische Union, ich habe noch nie eine solche Geschwindigkeit erlebt."

ZF Wind Power produziert Antriebsstränge für Vestas, den weltweit führenden Hersteller von Windkraftanlagen.

Morten Dyrholm, der Senior Vice President des dänischen Konzerns fordert einen Abbau der Bürokratie in Europa:

_"In Europa kann es sieben bis zehn Jahre dauern, bis ein Windkraftprojekt von den politischen Entscheidungsträgern auf den Weg gebracht wird und tatsächlich Strom produziert und ins Netz einspeist._Wir haben also diese Lücke, das sogenannte "Say-Do-Gap."

Zahlen & Fakten

Der Anteil der Windenergie am europäischen Stromverbrauch beträgt 19 Prozent - genug, um den gesamten Stromverbrauch Portugals zu decken. Ziel sind 30 Prozent bis 2030.

26 EU-Länder haben inzwischen die Windcharta unterzeichnet und sich damit verpflichtet, die im Windkraft-Paket beschriebenen Maßnahmen umzusetzen

 Dazu gehören die Straffung der Genehmigungsvorschriften, die Verbesserung der Auktionen durch Preisindexierung und Verringerung der Probleme durch die steigende Inflation sowie Investitionen in Häfen und Netze.

Für den Branchenverband WindEurope mit Sitz in Brüssel sind das gute Neuigkeiten.

"Entscheidend ist, dass es immer einfacher wird, Genehmigungen für neue Windparks zu bekommen. Das war sehr schwierig, sehr juristisch und bürokratisch. Die Europäische Union hat jetzt neue Regeln eingeführt, um die Genehmigungen zu vereinfachen. In Deutschland und Spanien wurden im vergangenen Jahr 70 Prozent mehr Genehmigungen für Onshore-Windenergie vergeben", so Geschäftsführer Giles Dickson. "Aber wir stehen in Konkurrenz mit chinesischen Windkraftanlagenherstellern. Der Wettbewerb ist s__ehr hart, sie drängen in den Markt und unterbieten unsere Preise. Sie wissen, was wir anbieten und unterbieten uns. Und sie bieten sehr großzügige Finanzierungsbedingungen, einen Zahlungsaufschub von drei Jahren. Das dürfen wir nicht anbieten!"

Auch bei kritischen Rohstoffen ist China besorgniserregend dominant, erklärt Dickson: "Heute sind wir von China abhängig, wenn es um seltene Erden geht, die in den Permanentmagneten vieler unserer Windturbinen verwendet werden. Die EU möchte unsere Abhängigkeit von China verringern, unser Angebot breiter aufstellen. Wir arbeiten mit der EU zusammen an diesen Zielen, diese Materialien aus anderen Ländern zu beziehen und die europäische Lieferkette für diese Materialien zu erweitern."

Die Zeit drängt, wenn die europäische Windindustrie ihr volles Potenzial ausschöpfen will, und zwar nicht nur in Bezug auf die aus Wind erzeugte Energie, sondern auch in Bezug auf die Kontrolle der Lieferkette und der Produktion.

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