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LNG-Gas aus den USA: Macht sich Deutschland erpressbar?

Macht sich Europa durch LNG-Importe aus den USA erpressbar?
Macht sich Europa durch LNG-Importe aus den USA erpressbar? Copyright  (c) Copyright 2022, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
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Von Franziska Müller
Zuerst veröffentlicht am
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Deutschland und die EU importieren seit dem russischen Krieg in der Ukraine mehr Erdgas aus den USA. Experten warnen vor einer neuen Abhängigkeit. Ein Think Tank hat berechnet, dass die EU 2030 bis zu 80 Prozent ihres LNG aus den USA beziehen müsste.

96 Prozent der deutschen LNG-Importe stammten vergangenes Jahr aus den USA, so das Bundeswirtschaftsministerium. Fachleute sehen das kritisch. Kaum hat sich Deutschland und Europa von russischen Importen getrennt, könnte es in die nächste Abhängigkeit geraten, fürchten sie.

Die Energieversorgung werde so zum geopolitischen Risiko, so eine Studie des Berliner Ecologic Institute, des niederländischen Clingendael-Instituts sowie des Norwegian Institute of International Affairs.

Die Experten fordern, Europa müsse seine Abhängigkeit von LNG aus den USA verringern und sich stärker als bislang darauf konzentrieren, seine Bezugsquellen zu diversifizieren.

Woher importiert Deutschland sein Gas?

Im europäischen Wirtschaftsraum, der neben den EU-Ländern auch Norwegen umfasst, machen die US-Flüssiggasimporte inzwischen fast 40 Prozent der gesamten Importe aus, bei den LNG-Importen beläuft sich der Anteil auf nahezu 60 Prozent.

Dieser Trend setze Europa erhöhtem geopolitischen Druck, Preisvolatilität und dem Risiko gestrandeter Investitionen aus, wie das Ecologic Institute in Berlin schreibt.

Nach Angaben des Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat auch Deutschland im vergangenen Jahr einen Großteil seines Flüssigerdgas aus den USA importiert. 96 Prozent der deutschen LNG-Importe stammten aus den USA, so das BDEW. Dies entspricht einem Anteil von 10,3 Prozent an den gesamten deutschen Gasimporten.

Neben dem LNG aus den USA bezieht Deutschland sein Gas neben Eigenproduktion insbesondere auch von Norwegen, den Niederlanden, Belgien und Dänemark. Dabei handelt es sich in den meisten Fällen um Erdgas aus der Pipeline.

Insgesamt hat Deutschland im Jahr 2025 1.031 Terrawattstunden Erdgas importiert und 221 Terrawattstunden exportiert. Der Eigenverbrauch lag im Jahr 2025 nach Angaben der Bundesnetzagentur bei 864 Terrawattstunden. Der Export ist demnach im Vergleich zum Vorjahr deutlich angestiegen.

Anteil der US-Importe von LNG steigt

Europaweit kamen vergangenes Jahr nach Berechnungen der EU-Kommission 56 Prozent der LNG-Importe aus den USA. 2021 waren es noch noch etwa 28 Prozent. An allen Gaslieferungen gesamt nahm der Anteil aus den USA 2024 16,7 Prozent ein, 2025 sei er weiter gestiegen.

Doch nach Einschätzung der Studienautoren sind diese Zahlen unvollkommen. Dabei wird die Rolle Norwegens wichtig. 2024 hatte es einen Anteil von 33 Prozent an den EU-Gaslieferungen. Damit war es der wichtigste Gaslieferant. Da Norwegen nicht Teil der EU ist, zählte die EU-Kommission die Energie als extern bezogen.

Allerdings ist Norwegen Mitglied in der European Economic Area (EEA) und darüber hinaus eng mit der Gasinfrastruktur verknüpft. 96 Prozent seiner Produktion werden via Pipeline in die europäischen Länder geliefert.

Durch die geografische Nähe und die Art der Lieferung sollte Norwegen den Studienautoren zufolge als EU-Gasproduzent bewertet werden. Dieser Fall wurde in der Studie berechnet. Dann beläuft sich der Anteil der USA an den Gas-Importen für Europa auf 25,1 Prozent. Ein Viertel des in der EU genutztes Gases käme daher aus den USA.

Die "steigende Abhängigkeit von US-Flüssigerdgas setzt Europa Konditionalitäten und strategischem Druck aus", heißt es in der Studie. Gasexporte würden demnach als strategisches Druckmittel gelten. Eine späte Warnung, denn bereits im Juli 2025 hat die EU mit den USA einen Deal ausgehandelt, der Europa zum längerfristigen Import verpflichtet.

Abwendung eines Zollkrieges - zu welchem Preis?

Ende Juli 2025 hatten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und US-Präsident Donald Trump einen Deal ausgehandelt, um Trumps Zoll-Drohungen gegenüber der Union zu entkräften.

Darin erklärt sich die europäische Seite bereit, bis Ende 2028 Abnehmer für LNG, Öl und Kernbrennstoffe sowie Spitzentechnologie zu sein. Insgesamt geht es dabei um einen Transfer im Volumen von 750 Milliarden US-Dollar (rund 700 Milliarden Euro).

Das werde dazu beitragen, "alle russischen Energieimporte vollständig zu ersetzen“, teilte die EU-Kommission damals mit. Die USA seien „zum Hauptlieferanten von Öl und LNG in der EU geworden". Im Gegenzug haben sich die USA verpflichtet, EU-Exportwaren in die USA mit maximal 15 Prozent Zöllen zu belegen statt wie angedroht 30 Prozent.

So würden sie die transatlantische Zusammenarbeit zur Gewährleistung einer sicheren Energieversorgung weiter zu verstärken, legte die Europäische Kommision dar. Aus der europäischen Energiebranche kam jedoch heftige Kritik.

Wer wie viel Öl oder Gas kaufe, sei Sache der Unternehmen und der nicht EU-Kommission oder von einzelnen europäischen Staaten. Die Zusagen der Kommission würden nicht der Realität entsprechen, hieß es weiter.

Die Fachleute der Studie fordern eine stärkere Diversifizierung der Bezugsquellen statt auf einen großen externen Lieferanten zu setzen. Inwiefern eine Umsetzung zeitnah im Rahmen der bisherigen Abmachungen möglich ist, bleibt fragwürdig.

Prognose für 2030: 80 % der LNG-Importe aus den USA?

Ein Think Tank warnt: Bis 2030 könnte die USA einen Anteil von bis zu 80 Prozent der europäischen LNG-Importe ausmachen, so das Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA).

Die Autorin der Analyse veranschaulichte dies in einer Grafik auf der Plattform X:

"Die Förderung von Importen von Flüssigerdgas (LNG) aus den USA hat eine potenziell risikoreiche neue geopolitische Abhängigkeit geschaffen", heißt es in der Analyse des Instituts. 2025 hätten EU-Länder bereits 57 Prozent ihrer LNG-Importe aus den USA bezogen.

Insbesondere die Niederlande, Frankreich, Spanien, Italien und Deutschland wären auf die Importe aus den USA angewiesen - diese machen gemeinsam 75 Prozent der US-Importe aus.

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