Trump senkt die US-Zölle auf indische Waren auf 18 Prozent – im Gegenzug soll Neu-Delhi russisches Öl meiden, US-Produkte für 500 Milliarden Dollar kaufen und Importsteuern für amerikanische Waren streichen. Das bislang enge Verhältnis zwischen Trump und Modi stand zuletzt unter Druck.
US-Präsident Donald Trump hat am Montag angekündigt, die Zölle auf Waren aus Indien von 25 auf 18 Prozent zu senken. Vorausgegangen sei demnach die Zusage von Indiens Premierminister Narendra Modi, künftig kein russisches Öl mehr zu kaufen.
Der Schritt folgt auf monatelangen Druck aus Washington. Trump hatte Indien wiederholt aufgefordert, seine Abhängigkeit von günstigem russischem Rohöl zu verringern. Indien profitierte bislang von den gesunkenen russischen Ölpreisen, während ein Großteil der Welt versucht, Moskau wegen der großangelegten Invasion in die Ukraine im Februar 2022 zu isolieren.
Indien will zukünftig auf russisches Öl verzichten
Trump erklärte außerdem, Indien werde seine Einfuhrsteuern auf US-Waren auf null senken und amerikanische Produkte im Wert von 500 Milliarden Dollar kaufen.
"Das wird helfen, den Krieg in der Ukraine zu beenden, der gerade stattfindet und bei dem jede Woche Tausende von Menschen sterben!", schrieb Trump auf Truth Social und kündigte dort die Zollsenkung an.
Modi schrieb auf X, er sei "erfreut" über die angekündigte Zollsenkung. Trumps "Führung" sei "für den globalen Frieden, die Stabilität und den Wohlstand von entscheidender Bedeutung", so Modi.
Er freue sich darauf, "eng mit ihm zusammenzuarbeiten", um die Partnerschaft "auf ein noch nie dagewesenes Niveau" zu heben. Modi sprach zudem von einem "wunderbaren" Telefongespräch mit Trump. Auf Trumps Behauptung, Indien werde russische Ölkäufe stoppen, ging er jedoch nicht ein.
Trumps Versprechen
Indiens Weigerung, seine Ölkäufe aus Russland einzustellen – die nach Ansicht Washingtons die russische Invasion in der Ukraine mitfinanzieren – ist seit Monaten ein Streitpunkt. Trump will ein Ende des Krieges erreichen.
Bislang tut sich Trump schwer, sein Wahlkampfversprechen einzulösen, den Krieg zwischen Russland und der Ukraine schnell zu beenden. Seit seiner Rückkehr ins Amt hat er zudem gezögert, Druck auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin auszuüben. Gleichzeitig setzt er Zölle – teils ohne den Kongress – als Hebel für wirtschaftliche und außenpolitische Ziele ein.
Die Ankündigung der Einigung mit Indien kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Sondergesandter Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner Ende dieser Woche in Abu Dhabi eine weitere Runde von Dreiergesprächen führen sollen. Dort wollen sie mit russischen und ukrainischen Vertretern über eine Lösung für den Krieg beraten, sagte ein Beamter des Weißen Hauses unter der Bedingung der Anonymität.
Trump betonte wiederholt, ein Angriff auf Russlands Öleinnahmen sei aus seiner Sicht der beste Weg, Moskau zu einem Ende des Krieges zu bewegen. Diese Linie passt zu seiner Strategie, Zölle als Druckmittel einzusetzen.
Indien wurde nach Beginn des Ukraine-Kriegs zu einem wichtigen Abnehmer russischen Öls. Damit verschaffte es Moskau einen zentralen Exportmarkt, nachdem Europa seine Käufe drastisch reduziert hatte.
Im Jahr 2024 lieferte Russland fast 36 Prozent der indischen Rohölimporte – rund 1,8 Millionen Barrel ermäßigtes Öl pro Tag.
Erst im Dezember hatte Putin bei einem Besuch in Neu-Delhi erklärt, er sei trotz US-Drucks bereit, "ununterbrochene Lieferungen" von Treibstoff nach Indien fortzusetzen.
Zoll-Drohungen wegen Russland-Nähe
Im Juni vergangenen Jahres kündigte Trump an, die USA würden einen Zoll von 25 Prozent auf Waren aus Indien erheben. Seine Regierung begründete das damit, Indien habe zu wenig getan, um seinen Handelsüberschuss mit den USA zu verringern und seine Märkte für amerikanische Waren zu öffnen. Im August verhängte Trump zusätzlich 25 Prozent Einfuhrzölle auf indische Produkte wegen Indiens Käufen russischen Öls. Damit stieg der Gesamtzollsatz auf 50 Prozent.
Mit der Verpflichtung, kein russisches Öl mehr zu kaufen, und dem niedrigeren Satz könnte der Zoll für indische Produkte auf 18 Prozent sinken. Das läge in etwa auf dem Niveau von 15 Prozent, das unter anderem für Waren aus der EU und Japan gilt.
Ein Beamter des Weißen Hauses sagte der Nachrichtenagentur AFP, auch der zusätzliche Zollsatz von 25 Prozent, den Trump im August wegen des Kaufs russischen Öls verhängt hatte, werde wegfallen.
Historisch waren Indiens Beziehungen zu Russland eher von Verteidigung als von Energie geprägt. Russland liefert nur einen kleinen Teil des indischen Öls, aber einen Großteil der militärischen Ausrüstung des Landes.
Nach der Invasion nutzte Indien jedoch die Gelegenheit, russisches Öl zu ermäßigten Preisen zu kaufen. So sicherte es sich zusätzliche Energielieferungen, während Russland seine angeschlagene Wirtschaft stützen und den Krieg weiter finanzieren wollte.
EU-Indien-Abkommen
Die angekündigte Zollsenkung erfolgt wenige Tage, nachdem Indien und die Europäische Union nach fast zwei Jahrzehnten Verhandlungen ein Freihandelsabkommen geschlossen haben. Es könnte bis zu zwei Milliarden Menschen betreffen.
Das Abkommen würde den Handel mit fast allen Waren zwischen den 27 EU-Mitgliedstaaten und Indien ermöglichen – von Textilien bis zu Medikamenten. Außerdem sollen hohe Einfuhrzölle etwa für europäischen Wein und Autos sinken.
Die Einigung zwischen zwei der größten Märkte der Welt spiegelt auch den Wunsch wider, die Abhängigkeit von den USA zu verringern. Trumps Importsteuererhöhungen haben etablierte Handelsströme durcheinandergebracht. Zwar tragen die Kosten der Zölle überwiegend US-Unternehmen und Verbraucher, dennoch können solche Abgaben das Handelsvolumen zwischen Ländern senken.
In den vergangenen Monaten hat Indien seine Bemühungen um weitere Handelsabkommen beschleunigt. Im Dezember unterzeichnete es ein Abkommen mit Oman und schloss Gespräche über ein Abkommen mit Neuseeland ab.