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Tradition und Moderne: zusammen für eine nachhaltigere Landwirtschaft

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Tradition und Moderne: zusammen für eine nachhaltigere Landwirtschaft
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Von Claudio Rosmino  & Sabine Sans
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Modernste Technologien im Dienste der Landwirtschaft, um eine effizientere Produktion zu gewährleisten und gleichzeitig die Umwelt und die Artenvielfalt zu respektieren: Internet, Drohnen, Sensoren, Roboter, aber auch traditionelle Methoden. In dieser "Farm-to-Fork"-Folge: Tradition und Moderne ergänzen sich für eine nachhaltigere Landwirtschaft.

Paradigmenwechsel in der europäischen Landwirtschaft

Ein Paradigmenwechsel in der europäischen Landwirtschaft soll profitable Produktionen, gesunde Lebensmittel und einen nachhaltigen Ansatz garantieren. Mit innovativen Produktionsmethoden und Spitzentechnologien schafft man ein gesundes und umweltfreundliches Lebensmittelsystem.

Wissenschaftler der niederländischen Universität Wageningen (WUR) haben auf dem Bauernhof der Zukunft in Lelystad ein Ökosystem an Lösungen für Landwirte entwickelt. Das Programm läuft in Partnerschaft mit dem von der EU geförderten Nefertiti-Projekts. Das Netzwerk fördert die Einführung von Innovationen in der Landwirtschaft und will zu einer wettbewerbsfähigeren, nachhaltigeren und klimafreundlichen Landwirtschaft beitragen.

"Wir brauchen neue Technologien für die neue Landwirtschaft, eine Kombination aus Agrarökologie und Technologie", sagt Wijnand Sukkel, Projektleiter des Bauernhofs der Zukunft. "Besonders wichtig bei diesem agrarökologischen Ansatz ist, dass wir uns auf das Bodenmanagement konzentrieren. Wir konzentrieren uns auf die Kulturpflanzenvielfalt, nicht nur auf die zeitliche Vielfalt, wie die Fruchtfolge, sondern auch auf die räumliche Vielfalt. Das kann der Mischanbau sein, der Streifenanbau oder was auch immer.“

Streifen mit verschiedenen Kulturen anstelle riesiger Monokulturfelder schaffen Mini-Ökosysteme: Das bringt Vorteile für die Artenvielfalt und die Fruchtfolge. Deckfrüchte verbessern die Bodenqualität.

Der Unterboden (für den Streifen: ca. 30-45 cm Tiefe) wird durch den Einsatz von schweren Maschinen verdichtet. Auf dem Bauernhof der Zukunft bricht man diese Schichten durch vertikale Löcher auf: Damit wird die Bodenverdichtung verringert und überschüssiges Wasser kann besser ablaufen.

Im Oberboden kann die Verdichtung durch Bodenbearbeitung beseitigt werden, aber tiefer im Boden ist dies immer schwieriger. Auch Pflanzenwurzeln können diese Schichten nicht durchdringen.

Roboter für kleinere leistungsfähige Maschinen

Roboter sind wichtig in der modernen Landwirtschaft: Sie liefern viele nützliche Daten und eignen sich für nachhaltige Produktionsweisen. Bram Veldhuisen, Wissenschaftler an der Universität Wageningen:

"Technologie spielt eine große Rolle in der Landwirtschaft: Die Maschinen wurden immer größer. Mit dem Einsatz von Robotern werden sie wieder kleiner. Das ist besser für den Boden. Schwere Maschinen schaden dem Boden. Mit Satelliten oder Drohnen bekommen wir mehr Informationen über die Felder, eine bessere Vorhersagbarkeit. Dem Landwirt wird die Technologie helfen, bessere Entscheidungen zu treffen bzw. seine Entscheidungen untermauern."

Breitband-Internetzugang für alle bis 2025

Um das Hightech-Ökosystem zu fördern, will die Europäische Kommission im Rahmen der "Vom Hof auf den Tisch"-Strategie den Ausbau des schnellen Breitband-Internets in ländlichen Gebieten vorantreiben, um das anvisierte Ziel eines Zugangs für alle bis zum Jahr 2025 zu erreichen.

Im Rahmen von Horizont Europa schlägt die Kommission Forschungs- und Innovations-Ausgaben in Höhe von 10 Milliarden Euro für die Bereiche Lebensmittel, Bioökonomie, natürliche Ressourcen, Landwirtschaft, Fischerei, Aquakultur und Umwelt sowie Nutzung digitaler Technologien und naturbasierter Lösungen für den Agrar- und Lebensmittelsektor vor.

Tradition und Moderne ergänzen sich

Wissenschaft und natürliche Anbaumethoden sind wichtige Faktoren beim Übergang zur nachhaltigen Produktion. In der Winterpause werden Deckfrüchte eingesetzt, um den Boden gesund zu erhalten: Die Pflanzen nehmen über ihre Wurzeln Mineralien auf und bilden Proteine und organische Stickstoff-Formen. Das schützt und verbessert den Boden. Durch intensive Düngung kann der Stickstoffgehalt zu hoch werden. Das führt zu Umweltschäden. Vor der Aussaat und nach der Ernte werden regelmäßig Labortests durchgeführt, um den Bodengehalt zu überprüfen.

"Zu Beginn der Anbausaison nehmen wir immer einige Bodenproben, um zu sehen, wie viel Stickstoff der Boden über den Winter gespeichert hat. Auf diese Weise optimieren wir die Düngung. Wenn der Stickstoffgehalt noch hoch ist, düngen wir weniger Stickstoff", erklärt Koen Klompe, Bio-Landwirt und Wissenschaftler an der Universität Wageningen.

Sonnenstrom und Wasserstoff: erneuerbare Energien der Zukunft

Inspiriert von einem zirkulären, biobasierten Modell für den Übergang zu klimaneutralen Standards setzen die Forscher auf dem Bauernhof der Zukunft mehrere Verfahren ein, um erneuerbare Energie für die Maschinen zu erzeugen.

Bauernhäuser und Scheunen sind bereits mit Solarpaneelen ausgerüstet. Auch das Potenzial von Windrädern soll ausgeschöpft werden: Geplant ist eine Wasserstoffkraftstoff-Anlage, die mit der Energie von Windrädern betrieben wird.

Die Windturbinen produzieren oft einen Energie-Überschuss, der nicht gespeichert werden kann, also werden in diesen Fällen die Windmühlen abgeschaltet. Durch die neue Anlage kann mit der überschüssigen Energie durch Elektrolyse Wasserstoff produziert werden, den man leicht speichern kann. Wijnand Sukkel erklärt die Zukunft:

"Aus dem Strom machen wir Wasserstoffgas. Wir speichern es hier und verwenden es für unsere Traktoren. Die ersten Prototypen gibt es bereits. Für die kleinen Maschinen verwenden wir Strom, für die Motoren und die großen Maschinen Wasserstoffgas. Damit werden wir autark und neutral im Verbrauch fossiler Brennstoffe."