UN-Chef vor UN-Artenschutzgifel: "Die Menschheit ist eine Massenvernichtungswaffe"

UN-Generalsekretär Antonio Guterres
UN-Generalsekretär Antonio Guterres   -   Copyright  Paul Chiasson/AP
Von Julika Herzog  mit dpa, AFP, AP

Vor dem offiziellen Beginn des UN-Artenschutzgipfels in Kanada hat UN-Generalsekretär Antonio Guterres mit eindringlichen Worten die Teilnehmerstaaten zum "Friedensschluss mit der Natur" aufgerufen.

Die "Orgie der Zerstörung" muss beendet werden

Der Planet brauche ein starkes Abkommen zum Schutz der Artenvielfalt auf der Erde: "Mit unserem bodenlosen Appetit auf unkontrolliertes und ungleiches wirtschaftliches Wachstum ist die Menschheit zu einer Massenvernichtungswaffe geworden", sagte Guterres am Dienstag in Montreal bei der Eröffnungsfeier des Gipfels. "Wir führen Krieg gegen die Natur. Bei dieser Konferenz geht es um die dringende Aufgabe, Frieden zu schließen."

Die Menschheit behandle die Natur wie eine Toilette, sagte Guterres weiter. "Und letztendlich begehen wir damit stellvertretend Suizid, denn der Verlust von Natur und Artenvielfalt kommt mit gewaltigen Kosten für die Menschheit." Beim Weltnaturgipfel müsse die "Orgie der Zerstörung" beendet werden - "keine Ausreden. Keine Verzögerungen. Versprechen müssen gehalten werden."

Guterres beeindruckt von jungen Klima-Aktivisten weltweit

Guterres traf sich vor der Eröffnung in Montreal mit jungen Klima-Aktivisten getroffen, um über Artenvielfalt zu diskutieren. Er zeigte sich beeindruckt von den jungen Aktivisten auf der ganzen Welt - aber man könne es nicht den jungen Menschen überlassen, das Chaos wieder in Ordnung zu bringen.

"Wir müssen die Verantwortung übernehmen für den Schaden, den wir angerichtet haben, und handeln, um es wieder in Ordnung zu bringen. Trotz der Träume von Milliardären, die sich etwas vormachen, gibt es keinen Planet B. Wir müssen die Welt in Ordnung bringen, die wir haben", sagte er.

Interessant, aber Diskrepanz zum Denken junger Menschen

Bei dem Gespràch mit Guterres dabei war Swetha Stotra Bhashyam vom Global Youth Biodiversity Network (GYBN): "Im Gespräch gab es interessante Punkte, die er angesprochen hat. Aber es hat auch gezeigt, dass es eine Diskrepanz zwischen dem Denken junger Menschen und einigen der Hauptthemen gibt, über die die Welt spricht, wie zum Beispiel dem Schutzziel von 30 Prozent der Erde. Dazu haben junge Menschen unterschiedliche Ansichten."

Frédérick Chir, von der SETHY Foundation in Quebec: "Die Bürgermeisterin von Montreal, die Kulturministerin und die Umweltministerin waren hier, heute ist es der UN-Generalsekretär. Für mich als jungen Menschen zeigt dies das Engagement der Politik/ der politischen Entscheidungsträger."

Mehr als 120 Länder, Wissenschaftler und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen erhoffen sich von dem auch als "COP-15" bezeichneten Gipfel bis zum 19. Dezember ein richtungsweisendes globales Abkommen für den Artenschutz. Eines der Hauptziele der Konferenz ist es, mindestens 30 Prozent der weltweiten Land- und Meeresflächen bis 2030 unter Schutz zu stellen.