"Rekordbrechende" Hitzewellen: Welche Länder sind am meisten gefährdet?

Eine Frau kühlt sich an einem öffentlichen Brunnen des Sforza-Schlosses in Mailand, Italien, ab.
Eine Frau kühlt sich an einem öffentlichen Brunnen des Sforza-Schlosses in Mailand, Italien, ab. Copyright P Photo/Luca Bruno
Von Rosie Frost
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Gefährliche Hitzewellen können mittlerweile fast überall auftreten: wie gut sind wir darauf vorbereitet?

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Unzureichend vorbereitete Regionen auf der ganzen Welt sind am stärksten von den verheerenden Auswirkungen extrem hoher Temperaturen bedroht, warnen Wissenschaftler:innen.

Ein Forschungsteam der englischen Universität Bristol hat gezeigt, dass noch nie dagewesene Hitzeextreme in Verbindung mit sozioökonomischer Anfälligkeit bestimmte Orte in Gefahr bringen. Afghanistan und Mittelamerika gehören demnach zu den am stärksten gefährdeten Regionen.

Aber auch Peking und Mitteleuropa stehen auf der Liste der Hitzewellen-Hotspots. Wenn in diesen dicht besiedelten Gebieten rekordverdächtige Temperaturen auftreten, sind Millionen von Menschen davon betroffen.

“Extreme Hitze kann überall auftreten”

Die Wissenschaftler:innen haben anhand von Klimadaten und -modellen ermittelt, wo auf der Welt die Wahrscheinlichkeit am größten ist, dass Temperaturrekorde gebrochen werden, und wo die Gemeinden am stärksten durch extreme Hitze gefährdet sind.

Sie fanden heraus, dass zwischen 1959 und 2021 in 31 Prozent der untersuchten Regionen "statistisch unplausible Extreme" auftraten.

Dabei gab es kein bestimmtes Muster, wo diese Temperaturanomalien auftraten. Das bedeutet, dass diese Extreme, bei denen aktuelle Rekorde oft in einem Ausmaß gebrochen werden, das bis zu ihrem Auftreten unmöglich erscheint, praktisch überall auftreten können.

In dieser Studie zeigen wir, dass solche rekordverdächtigen Ereignisse überall auftreten können.
Dann Mitchell
Mitautor der Studie

"Wir haben gesehen, dass einige der unerwartetsten Hitzewellen weltweit zu zehntausenden von hitzebedingten Todesfällen geführt haben", sagt Mitautor Dann Mitchell, Professor für Atmosphärenwissenschaften am Cabot Institute for the Environment der Universität Bristol.

"In dieser Studie zeigen wir, dass solche rekordverdächtigen Ereignisse überall auftreten können".

Die Forscher:innen sagen auch, dass Länder, die diese intensiven Hitzewellen noch nicht erlebt haben, besonders anfällig für Schäden sind. Anpassungsmaßnahmen werden oft erst ergriffen, wenn die schlimmsten Auswirkungen bereits spürbar sind.

Wachsende Bevölkerungszahlen und eine begrenzte Gesundheits- und Energieversorgung erhöhen das Risiko ebenfalls.

Wo auf der Welt ist das Risiko extremer Hitze am größten?

Trotz der Betonung der Allgegenwärtigkeit dieser Ereignisse sind einige Teile der Welt stärker durch extreme Hitze gefährdet.

Afghanistan, das in der Studie als "eines der am wenigsten entwickelten Länder der Welt" bezeichnet wird, gibt besonderen Anlass zur Sorge. Da die Region bereits normalerweise heiße Sommer hat, könnten die Temperaturen bei einem anormalen Wetterereignis an die Grenzen dessen stoßen, was ein menschlicher Körper verkarften kann. Auch das prognostizierte starke Bevölkerungswachstum verschärft die potenziellen Risiken höherer Temperaturen.

In Mittelamerika wurden von den Autor:innen der Studie insbesondere Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua, Costa Rica und Panama hervorgehoben. Extreme Hitze könnte in diesen Ländern weit über das hinausgehen, was sie bisher erlebt haben. Das macht es für sie schwierig, sich an die Höchsttemperaturen der Zukunft anzupassen.

Auch in Deutschland, Belgien und den Niederlanden ist eine Rekordhitzewelle überfällig, und die Bevölkerungsdichte stellt ein Risiko für diese Länder dar. Als Industrienationen haben sie jedoch viel eher Pläne, um die Risiken zu mindern.

Michel Spingler/Copyright 2022 The AP. All rights reserved.
Im vergangenen Sommer waren erneut weite Teile Europas von Hitzewellen betroffen.Michel Spingler/Copyright 2022 The AP. All rights reserved.

Risikoregionen brauchen Aktionspläne für Hitzewellen

Die Wissenschaftler:innen der Universität Bristol fordern die politischen Entscheidungsträger in diesen gefährdeten Regionen auf, Aktionspläne zu erstellen, um das Risiko von Todesfällen und anderen mit Klimaextremen verbundenen Schäden zu verringern.

"Da Hitzewellen immer häufiger auftreten, müssen wir besser vorbereitet sein", sagt Hauptautorin und Klimawissenschaftlerin Dr. Vikki Thompson.

Da Hitzewellen immer häufiger auftreten, müssen wir besser vorbereitet sein.
Vikki Thompson
Hauptautorin und Klimawissenschaftlerin

“Das bedeutet, dass wir besser verstehen müssen, wo Gemeinden nicht auf Klimaextreme vorbereitet sind und wie wir in den am stärksten gefährdeten Regionen Prioritäten bei der Prophylaxe setzen können. Da durch den Klimawandel die Häufigkeit, Intensität und Dauer von Hitzewellen zunimmt, kann es weltweit zu Tausenden von zusätzlichen Todesfällen kommen.”

"Wir haben Regionen identifiziert, die bisher Glück hatten - einige dieser Regionen haben eine schnell wachsende Bevölkerung, einige sind Entwicklungsländer, andere sind bereits sehr heiß", fügt Dr. Thompson hinzu.

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"Wir müssen uns die Frage stellen, ob die Hitzeaktionspläne für diese Gebiete ausreichend sind.”

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