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Yves Saint Laurent: Schönheit am Rande des Nervenzusammenbruchs

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Yves Saint Laurent: Schönheit am Rande des Nervenzusammenbruchs
Copyright  Alexis Duclos/AP
Von su  mit dpa, AFP

«Im Grunde bin ich ein Kind geblieben,“ sagte Modeschöpfer Yves Saint Laurent ("YSL")– da war er 64 Jahre alt (US-Magazin «Talk»), „dadurch konnte ich immer wieder überraschen, mich und andere». Und Kind konnte er ruhig bleiben, denn er fing schon mit 11 Jahren an, Kleider zu zeichnen – für eine Theateraufführung von Molières „Critique de l’École des femmes“ ("Schule der Frauen") in Oran in Algerien, wo die Familie lebte und wo er geboren wurde.

60 Jahre ist es her, dass Yves Saint Laurent seine erste Modeschau präsentierte – jetzt ehren ihn gleich sechs Pariser Museen mit Ausstellungen. Seine Mode „spricht“ an Ort und Stelle mit den Gemälden und Objekten der ständigen Sammlungen...

YSL in einem Interview Anfang 1959

Mouna Mekouar, Co-Kuratorin der YSL-Ausstellungen:

„Es gibt (künsterlische) Dialoge, die für Yves Saint Laurent zu echten Inspirationsquellen wurden, wie Braque, Picasso, Matisse und das Art Deco der 1930er Jahre. Und man kann da erkennen, wie sehr Yves Saint Laurent zu seiner Zeit gehört, dem 20. Jahrhundert. Und auch, wie er das 21. Jahrhundert vorwegnimmt. So kann er heute selbstverständlich Teil unserer Gegenwart sein."

Den Mann, der das alles mittrug und möglich machte, lernte der Modemacher mit 22 kennen – da war er schon künstlerischer Leiter bei Christian Dior. Und zwei Jahre später rettete Lebensgefährte und Geschäftspartner Pierre Bergé den jungen Yves aus seiner ersten größeren Lebenskrise – er sollte zum Militär, ausgerechnet nach Algerien, wo seit 1955 der Krieg wütete, und erlitt noch vor seiner Abreise einen Nervenzusammenbruch. Eine Folge der Behandlung: Lebenslange Drogenabhängigkeit. In den 70ern popularisierte Yves Saint Laurent - neben Medikamentennebenwirkungen, Angstzuständen, Nervenzusammenbrüchen und Depressionen, Alkohol- und Drogenmissbrauch mit Bergés Hilfe Beatnik-Look, Tweed-Anzüge, enge Hosen und enge, schenkelhohe Stiefel und 1966 auch den klassischen Hosenanzug für Frauen (Damensmoking).

Ein mutiger Avantgarde-Modedesigner, der in den 1980er Jahren als erster zu Lebzeiten im MoMA in New York ausstellte.

Was der Präsident der Stiftung Pierre Bergé-Yves Saint Laurent sagt, gilt wohl für beide. Madison Cox, Präsident der Stiftung Pierre Bergé-Yves Saint Laurent:

„Ich meine, es ist der absolute Traum, ausgestellt zu werden oder dass die Entwürfe im Dialog mit denen stehen, die ihn inspiriert haben oder seinen Inspirationsquellen. Was an diesen verschiedenen Institutionen sehr bewegend ist, sei es der Louvre, Pompidou, das MAM (Musée d'Art Moderne de Paris), das Picasso-Museum, das Musée d'Orsay - jede Institution hatte etwas einzubringen."

Selbst im Louvre erscheint Yves Saint Laurent im Apollo-Saal, mitten unter den königlichen Juwelen.

6 Ausstellungen in 6 Museen, bis zum 15. Mai in Paris zu entdecken.

su mit AFP, dpa