Königlich amüsiert: Ein kurzer Abriss der jüngeren Affären der Royals

"Der königliche Leichenschrank" von Emanuele Del Rosso (Italien) 2021
"Der königliche Leichenschrank" von Emanuele Del Rosso (Italien) 2021   -  Copyright  Emanuele Del Rosso
Von David Mouriquand

Wenn Märchenhochzeiten zu Albtraumehen führen. Vor der Krönung an diesem Wochenende erforscht Euronews Culture die moderne Geschichte der romantischen Skandale und Affären der Royals

Im Laufe der britischen Geschichte hatten Mitglieder der königlichen Familie immer wieder Affären und waren in eine Reihe von Skandalen verwickelt.

In der Vergangenheit waren königliche Ehen oft politische Arrangements, bei denen königliche Familien ihre Söhne und Töchter verheirateten, um ihre Beziehungen und ihren Einfluss zu stärken. Und die Blutlinien zu schwächen.

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich ein gemeinsamer Nenner herauskristallisiert: Untreue scheint bei den britischen Royals in der Familie zu liegen, und “die Firma”, wie sie sich angeblich selbst nennt, hat ihr Bestes getan, um bestimmte Geschichten aus der Geschichte zu tilgen.

Diese besondere öffentliche Seifenoper ist zwar alles andere als erbaulich, allerdings halten diese romantischen Skandale die Mitglieder der Monarchie im Guten wie im Schlechten stets im Blickfeld der Öffentlichkeit - wenn man ihre symbiotische Beziehung zur britischen Presse bedenkt, die sich von Klatsch und Tratsch ernährt, aber den Royals im Gegenzug eine wohlwollende Berichterstattung ermöglicht.

In der Serie "The Crown" - auch wenn es sich um eine fiktive Darstellung der Geschichte handelt - gibt es eine Szene, die die Dinge auf den Punkt bringt. In der fraglichen Szene spricht Prinz Philip zu Diana: "Du kannst alles unternehmen, um dein eigenes Glück zu finden. Solange du dich an die eine Bedingung erinnerst: Du bleibst deinem Mann treu und dieser Familie in der Öffentlichkeit loyal."

Königliche Ehen sind eine öffentliche Verpflichtung, ähnlich wie arrangierte Ehen, die besser zur Firma passen. Und mit Glück scheint das wenig zu tun zu haben. Philip selbst soll während seiner Ehe mit der verstorbenen Königin Elisabeth II. mit verschiedenen Frauen liiert gewesen sein, darunter die Schauspielerin Patricia Kirkwood und die Schriftstellerin Daphné du Maurier.

Da es über ihre Eskapaden ganze Bücher zu füllen gäbe, lassen wir Heinrich VIII. und seine zahlreichen Mätressen und Ehefrauen, Elisabeth I. und Robert Dudley, die umstrittene königliche Liaison, die zu einer Verfassungskrise führte (Edward VIII. und Wallis Simpson), oder sogar Prinzessin Margaret und Peter Townsend außen vor.

Und kommen gleich zur schmutzigen Wäsche der jüngeren Vergangenheit.

Prinzessin Anne und Hauptmann Mark Phillips

Getty Images
Prinzessin Anne und Hauptmann Mark PhillipsGetty Images

Prinzessin Anne, die einzige Tochter von Königin Elisabeth II. und Prinz Philip, führte nicht die beste Ehe mit dem Hauptmann der Kavallerie Mark Phillips.

Das Paar heiratete 1973 und schien zwei getrennte Leben zu führen. 1985 zeugte Phillips ein Kind, Felicity, mit einer neuseeländischen Kunstlehrerin namens Heather Tonkin. Ein 1991 durchgeführter DNA-Test bestätigte, dass Felicity Phillips' Tochter ist.

Die beiden ließen sich 1992 offiziell scheiden, und Prinzessin Anne heiratete noch im selben Jahr Timothy Laurence, ihren jetzigen Ehemann.

Prinz Andrew und Koo Stark

Getty Images
Prinz Andrew und Koo StarkGetty Images

Der zweite - und angeblich liebste - Sohn von Königin Elizabeth II. stand im Laufe der Jahre im Mittelpunkt zahlreicher Kontroversen, vor allem in jüngster Zeit wegen seiner Beziehungen zu dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein sowie wegen des Vorwurfs, die damals minderjährige Virginia Giuffre sexuell missbraucht zu haben - was zu einem katastrophalen Fernsehinterview, einer außergerichtlichen Einigung und dem Entzug aller königlichen Pflichten durch die Königin führte.

Dann gibt es da noch die Anschuldigungen, dass der Herzog von York "beträchtliche Summen" von einem in London ansässigen türkischen Geschäftsmann erhalten hat, und die Stadt York hat einstimmig beschlossen, ihm den Ehrentitel "Freiheit der Stadt" abzuerkennen... Und die Liste endet hier bei Weitem nicht .

Prinz Andrew ist das, was der Journalist Eddie Mair als "eine fiese Type" bezeichnen würde.

In den 80er Jahren war er mit einer amerikanischen Schauspielerin zusammen namens Koo Stark, am besten bekannt durch ihre Rolle in dem Erotikfilm Emily von 1976. Die Beziehung wurde kritisiert, weil eine Schauspielerin nicht als königliches Material angesehen wurde. Ihre Beziehung ging aufgrund des Drucks der Medien in die Brüche, und Prinz Andrew heiratete 1986 Sarah "Fergie" Ferguson - eine Ehe, die von Gerüchten über Untreue auf beiden Seiten geplagt war, zumal Andrew aufgrund seiner Pflichten als Marineoffizier längere Zeit von zu Hause weg war.

Nach Angaben von Ferguson sahen sich die beiden in den ersten fünf Jahren ihrer Ehe 40 Tage im Jahr.

Wo wir gerade dabei sind...

Sarah Ferguson und John Bryan

1991 stand die Ehe von Prinz Andrew und Sarah Ferguson auf der Kippe.

Ihre Freundschaft mit dem texanischen Multimillionär Steve Wyatt erregte große Aufmerksamkeit, als im Januar 1992 Fotos von den beiden in den Zeitungen erschienen. Der Herzog und die Herzogin von York gaben am 19. März 1992 ihre Trennung bekannt.

Kaum war die Trennung vollzogen, wurden weitere Fotos von Ferguson in der Presse veröffentlicht. Die Bilder, die im Daily Mirror veröffentlicht wurden, zeigten den amerikanischen Geschäftsmann John Bryan, der sie küsste und an ihren Zehen saugte, während sie sich ‘oben ohne’ sonnte.

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Der berüchtigte Schnappschuss von John Bryan, wie er Sarah Fergusons Zehen küsst/an ihnen saugtAlpha

Die Gegenreaktionen ließen nicht lange auf sich warten, und weite Teile der britischen Öffentlichkeit waren der Meinung, dass Ferguson nach ihrer Scheidung der Titel entzogen werden sollte. In der britischen Boulevardpresse, die diesen Skandal nie vergessen hat, wurde sie häufig verspottet.

Heute sind Andrew und Sarah allerdings beste Freunde und leben sogar zusammen.

Prinz Charles und Camilla Parker-Bowles

Wir kommen zum großen Knüller.

Prinz Charles und Prinzessin Diana heirateten am 29. Juli 1981, und das Paar verbrachte 15 turbulente Jahre miteinander. Die Verbindung war von Eifersucht geprägt (Diana erzählte dem BBC-Reporter Martin Bashir in dem berühmt gewordenen Panorama-Interview von 1995, dass Charles ihr die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit verübelte), und die Anwesenheit einer dritten Partei in der Ehe machte die Sache nicht einfacher.

In demselben Interview bestätigte Diana, dass "wir zu dritt in dieser Ehe waren - es war also ein bisschen eng" - eine Anspielung auf Camilla Parker-Bowles.

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Prinz Charles und Camilla Parker-BowlesShutterstock

1986 begann Charles eine Affäre mit Parker-Bowles, was er später in seiner autorisierten Biografie "The Prince of Wales" sowie 1994 in einem Interview mit ITN bestätigte. Diese Affäre wurde fortgesetzt, und 1992 wurde ein privates Telefongespräch zwischen Charles und Parker-Bowles in der britischen Boulevardpresse veröffentlicht.

"Oh, Gott. Ich werde einfach in deiner Hose leben oder so. Das wäre viel einfacher", hört man Charles auf den Bändern sagen. "In was willst du dich denn verwandeln, in ein Paar Unterhosen?" antwortet Camilla. "Oder, Gott bewahre, ein Tampax. Das ist mein Glück", sagt er.

Dem Sydney Morning Herald zufolge stellte der königliche Biograf Anthony Holden fest, dass das abgehörte Telefonat "den Großteil der Nation davon überzeugte, dass der Thronfolger, der künftige “Verteidiger des Glaubens”, also Oberhaupt der anglikanischen Kirche, ein Ehebrecher mit einem Sinn für Kloakenhumor ist".

Die Kontroverse wurde "Camillagate" getauft und führte dazu, dass Charles zur Lachnummer wurde. Er und Diana trennten sich 1992. Der damalige Premierminister John Major kündigte an, dass sie getrennte Wege gehen würden, und erklärte, dass ihre Trennung "keine verfassungsrechtlichen Auswirkungen" haben würde. Sie ließen sich 1996 scheiden, ein Jahr vor Dianas Tod.

Prinzessin Diana und James Gilbey / James Hewitt

Diana war in ihrer Beziehung zu Charles allerdings auch nicht ganz frei von Gerüchten.

Der Skandal, den die Medien Anfang der 90er Jahre als "Squidgygate" bezeichneten, entstand dadurch, dass der britische Geheimdienst angeblich mehrere Telefongespräche zwischen Diana und ihrem heimlichen Liebhaber James Gilbey aufzeichnete. Gilbey bezeichnete Diana während eines Gesprächs mehr als 50 Mal liebevoll als "Squidgy". Die Bänder wurden an die britische Boulevardzeitung The Sun verkauft und 1992 in den USA in der Zeitschrift The National Enquirer veröffentlicht.

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James Gilbey (links), Prinzessin Diana, James Hewitt (rechts)Getty Images

In dem bereits erwähnten Panorama-Interview von 1995 gab Diana auch zu, dass sie während ihrer Ehe mit Prinz Charles eine Affäre mit dem britischen Armeeoffizier James Hewitt hatte.

"Er war ein großartiger Freund von mir in einer sehr schwierigen Zeit, einer weiteren schwierigen Zeit, und er war immer da, um mich zu unterstützen", sagte Diana. Auf die Frage, ob die Beziehung über eine enge Freundschaft hinausgegangen sei, antwortete die Prinzessin: "Ja, das ist sie, ja."

Hewitt behauptete, ihre Romanze habe 1986 begonnen, und als diese Enthüllungen ans Licht kamen, konzentrierten sich viele auf Hewitts rotes Haar, was zu unaufhörlichen Gerüchten führte, Hewitt sei Prinz Harrys biologischer Vater.

Nach der Scheidung von Charles begann Diana offenbar eine Beziehung mit dem ägyptischen Filmproduzenten Dodi Al Fayed, dem Sohn des milliardenschweren Geschäftsmanns und Harrods-Inhaber Mohamed Al Fayed. Beide kamen am 31. August 1997 bei einem Autounfall in Paris ums Leben.

Prinz William und Kate Middleton

Chris Jackson / Getty Images
Der Prinz und die Prinzessin von WalesChris Jackson / Getty Images

Manche sagen, sie hätten sich an der Universität St. Andrews ineinander verliebt, nachdem William Kate bei einer Modenschau gesehen hatte. Viele haben jedoch spekuliert, dass Kate bewusst nach St. Andrews ging, um sich praktisch für die Rolle der königlichen Freundin und zukünftigen Ehefrau zu bewerben. In der Boulevardpresse wurde sie wiederholt als "Waity Katy" bezeichnet, weil sie den Eindruck erweckte, sie wolle sich an den Prinzen binden, aber die Zeit abwarten, bis die Romanze offiziell wird.

Im Laufe der Jahre kursierten mehrere Gerüchte über Williams Untreue, vor allem mit Rose Hanbury, einer Freundin von Middleton. Angeblich soll er den Valentinstag 2023 mit seiner Geliebten verbracht haben. Allerdings wird die Gerüchteküche in der britischen Boulevardpresse immer wieder gerne angeheizt, ohne dass es irgendwelche Beweise gibt.

Viele haben behauptet, dass Williams außereheliche Affären eine bekannte Tatsache sind, und die Dinge eskalierten, als ein Artikel auf der Tratschwebsite DeuxMoi enthüllte, dass die Affären in London ein offenes Geheimnis sind und dass Kate angeblich nichts dagegen habe, dass ihr Mann fremdgeht, "solange es nicht emotional wird".

Zusammengenommen mit den anhaltenden Gerüchten, dass William eine Vorliebe für Pegging habe (fragt eure Eltern) - was zu dem Hashtag #PrinceOfPegging führte - scheint es so, als wäre die Ehe zwischen dem Paar alles andere als glücklich.

Es gab weitere Spekulationen, dass der Grund für das Zerwürfnis zwischen den Prinzen Harry und William in der Missbilligung der Affären des älteren durch den jüngeren Bruder liege, da sie ihn an die Liaisons seines Vaters erinnerten. Ein Satz in der Netflix-Dokumentation Harry & Meghan goss Öl ins Feuer, als Harry erklärte: "Wir haben gerne gelogen, um meinen Bruder zu schützen" - ein Satz, den viele als eine Art Beweisstück interpretierten.

In vielerlei Hinsicht scheinen Harry und Megan dem Trend zu unglücklichen Ehen in der königlichen Familie zu widersprechen, denn sie scheinen tatsächlich aus Liebe geheiratet zu haben. Und wenn ihr etwas zum Lachen sucht (auch wenn die Serie insgesamt nicht so toll ist), in der HBO-Max-Zeichentrickserie The Prince kann sich das Paar William und Kate mit komischem Effekt nicht ausstehen.

Bestätigt oder gerüchteweise, Wahrheit oder Hörensagen - vielen scheint es egal zu sein, solange es um königliche Liebschaften geht.

Oft wird jede Art von Fehlinformation von Hofberichterstatter:innen und Boulevardzeitungen übernommen, um mehr Zeitungen zu verkaufen und Klicks zu erhalten. Sicher scheint jedoch trotzdem, dass Ehen im britischen Königshaus nur selten mit Eheglück gesegnet sind.

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