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"Wir sind die Opfer hier": US-Schauspieler*innen treten in den Streik

Präsidentin der SAG-AFTRA-Gewerkschaft, Fran Drescher, bekannt aus "the Nanny", bei einer Pressekonferenz in Los Angeles
Präsidentin der SAG-AFTRA-Gewerkschaft, Fran Drescher, bekannt aus "the Nanny", bei einer Pressekonferenz in Los Angeles Copyright Chris Pizzello/Chris Pizzello/Invision/AP
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Von Euronews mit dpa, AP
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Ab Freitag werden US-Schauspieler*innen die Arbeit legen. Die Drehbuchautoren streiken bereits seit Mai. Es ist der größte Doppelstreik in der Branche seit 6 Jahrzehnten.

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Doppelstreik in Hollywood: Nach den Drehbuchautoren legen nun auch die Schauspielerinnen und Schauspieler in den USA ihre Arbeit nieder. Nachdem bei Verhandlungen mit dem Verband der TV- und Filmstudios AMPTP keine Einigung erzielt werden konnte, werde ab Freitag die Arbeit niedergelegt, teilte die Schauspielergewerkschaft SAG-AFTRA am Donnerstag in Los Angeles mit. Damit können in den USA nach Medieneinschätzungen vorerst kaum noch Filme und Serien gedreht werden.

Es ist das erste Mal seit 1960, dass zwei große Hollywood-Gewerkschaften gleichzeitig streiken. Damals war Ronald Reagan, der spätere US-Präsident wurde, Präsident der Schauspielergilde.

Die Darsteller fordern unter anderem bessere Vergütung und die Regelung des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz in der Branche. "Wir hatten keine Wahl", sagte die Gewerkschaftsvorsitzende Fran Drescher ("Die Nanny") bei einer Pressekonferenz. "Wir sind die Opfer hier. Wir werden von einer sehr gierigen Einheit zu Opfern gemacht." Die Mitglieder ihrer Gewerkschaft dürften nicht mehr länger "an den Rand gedrängt sowie respektlos und ehrlos behandelt werden".

"Sie sollten sich schämen"

"Die Arbeitgeber stellen die Wall Street und die Gier in den Vordergrund und vergessen dabei die wichtigen Mitarbeiter, die die Maschine am Laufen halten", fügte Drescher hinzu. "Das ist ekelhaft. Sie sollten sich schämen. Sie stehen auf der falschen Seite der Geschichte."

Zuvor hatten beide Seiten noch einen Schlichter hinzugezogen. Trotzdem konnte bis zu einer von der Schauspielgewerkschaft gesetzten Deadline keine Einigung gefunden werden. "Ich kann ehrlich gesagt nicht glauben, wie weit wir bei so vielen Dingen auseinander sind", sagte Drescher.

Der Verband der TV- und Filmstudios AMPTP - der unter anderem Netflix, Amazon, Apple und Disney vertritt - verteidigte sich. Man habe versucht, eine Einigung zu finden, hieß es in einer Mitteilung. Die Gewerkschaft habe nun aber "leider einen Weg gesucht, der zu finanziellen Problemen für die unzähligen Tausend Menschen führen wird, die auf die Branche angewiesen sind".

Zahlreiche Schauspielerinnen und Schauspieler machten nach der Bekanntgabe ihre Unterstützung für den Streik öffentlich. "Wir werden das gewinnen", schrieb "Sex and the City"-Star Cynthia Nixon bei Twitter. 

Auch Darsteller wie Josh Gad, Jamie Lee Curtis und Issa Rae signalisierten über die sozialen Medien ihre Unterstützung. Die Schauspieler des Films "Oppenheimer", darunter Matt Damon und Emily Blunt, verließen am Donnerstag nach einem Auftritt auf dem roten Teppich aus Solidarität mit dem Streik eine Premiere in London.

Der Streik ist ein weiterer harter Schlag für die Unterhaltungsindustrie in den USA, denn seit dem 2. Mai haben bereits die Drehbuchautoren ihre Arbeit niedergelegt. Deren Streik hat schon jetzt Auswirkungen für Zuschauer. So können beispielsweise viele Late-Night-Shows nicht mehr wie sonst ausgestrahlt werden.

Disney-Chef Bob Iger warnte davor, dass der Streik einen "sehr schädlichen Effekt auf die gesamte Branche" haben würde. "Dies ist der schlechteste Zeitpunkt auf der Welt, um diese Störung zu verstärken", sagte Iger auf CNBC. "Es gibt eine Erwartungshaltung, die einfach nicht realistisch ist."

Sinkende Budgets

Beide Kreativbranchen leiden darunter, dass zwar mehr Filme und Serien produziert werden, aber die Budgets sinken und bei Serien oft weniger Folgen pro Staffel gedreht werden. Außerdem bringen Wiederholungen bei Streaminganbietern für die Kreativen anders als im Fernsehen geringere und von der Zuschauerzahl unabhängige Tantiemen.

Die Gewerkschaft SAG-AFTRA hat mehr als 160 000 Mitglieder, darunter Schauspieler für Film und Fernsehen, Stuntleute, TV-Journalistinnen und Moderatoren. Der Streik betrifft aber nur Schauspieler und Schauspielerinnen für Serien und Filme. Er ist für sie alle bindend, sie dürfen nun bis auf weiteres nicht mehr vor der Kamera arbeiten. An einer Urabstimmung am 7. Juni hatten rund 65 000 Mitglieder der Gewerkschaft teilgenommen, 97,9 Prozent hatten sich für einen Streik ausgesprochen.

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