Sind Jungfräulichkeits-Tests un-europäisch?

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Von Ana LAZARO
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Frankreich will sie verbieten, und auch auf EU-Ebene wird darüber nachgedacht: Jungfräulichkeits-Test, wie sie vor allem im Islam vorkommen. Viele halten sie für einen Verstoss gegen die Menschenrechte - und die Würde der Frau

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Für zu viele Frauen kann die Idee von der Traumhochzeit zu einem Alptraum werden.

Der Mythos der Jungfräulichkeit ist in vielen Kulturen nach wie vor präsent, vor allem im Islam.

In Frankreich erwägt die Regierung nun ein Verbot sogenannter Jungfräulichkeits-Zertifikate.

Ärzte, die dieses ausstellen, sollen sich demnach strafbar machen.

Doch ist dies die beste Lösung?

Für die Hebamme Hanan Ben Abdeslam kommt es vor allem auf Aufklärung an. Die Jungfräulichkeit müsse demystifiziert werden.

Wichtig sei, darüber zu sprechen, denn das Schweigen töte. Bei einigen Familien in einigen Kulturen gehe Loyalität über alles. Unglücklicherweise gehe diese Loyalität über das Jungfernhäutchen der Frau. Ein Mädchen habe die Regeln zu respektieren und werde aus der Familie ausgestoßen, wenn sie es nicht tue.

Die Ehre der Familie hängt also an einem empfindlichen Membran, dem Hymen. Rein medizinisch sagt die Existenz eines solchen Häutchens allerdings nichts aus.

Einige Frauen werden ohne es geboren, bei anderen reisst es durch sportliches Training.

Dr. Johan van Wiemeersch gehört zu den Gynäkologen, die einen chirurgischen Eingriff zur Wiederherstellung des Hymens durchführen.

Ihm ist klar, dass das Thema die Ärzteschaft spaltet.

Es gebe zwei Meinungen. Einige Kollegen lehnten den Eingriff als Verstoß gegen Menschenrechte und als Heuchelei ab.

Andere Kollegen akzepzierten so wie wie er diese Operation. Er sehe dies als Hilfe für junge Frauen, die von ihrer Religion dazu verpflichtet würden.

Doch ist das Ganze auch ein politisches Reizthema. Hat eine Frau das Recht auf ihren eigenen Körper? Gibt es hier eine Geschlechtergleichheit?

Eine Gruppe von EU-Abgeordneten hat die Kommission aufgefordert, Jungfräulichkeitstests auf europäischer Ebene zu verbieten.

Diese Tests seien ein Anschlag auf die Würde der Frau, so die französische Abgeordnete Virginie Joron.

Was solle ein solcher Test? Es sei eine Untersuchung, ob eine Frau sexuellen Verkehr gehabt habe. Wie lebten aber im Europa des 21. Jahrhunderts. Deratige Praktiken hätten im euroüäischen Wertesystem keinen Platz.

Das Problem, wie schon bei der Abtreibung: Frauen könnten bei einem Verbot in die Illegalität und zu gefahrvollen Praktiken gezwungen werden.

Journalist • Stefan Grobe

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