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Strom aus Portugal und Spanien: Der Ersatz für russische Energieträger?

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Von euronews
Windkraftanlage in Portugal
Windkraftanlage in Portugal   -   Copyright  AP Photo/Armando Franca

Für Spanien und Portugal könnte sich das Vorhaben der Europäischen Union, die Abhängigkeit von russischen Energieträgern zu verringern, als eine Entscheidung von bedeutender Tragweite herausstellen.

Die Iberische Halbinsel ist bei der Erzeugung von Strom mit Hilfe von Sonne, Wasser und Wind führend, aber es mangelt an Übertragungswegen ins übrige Europa.

Pierre Tardieu von Wind Europe, einer Windkraft-Interessenvereinigung, sagt: „Spanien und Portugal haben seit Langem eine größere und bessere Stromverbindung eingefordert, vor allem mit dem Rest Europas. Das hat sie in einem gewissen Maße ernüchtert, weil sie nicht die Antwort erhielten, auf die sie gehofft haben.“

Um an die europäischen Märkte angeschlossen zu werden, brauchen die beiden Länder durch Frankreich führende Leitungen.

Einigung im Jahr 2015, aber Unzufriedenheit über den Fortschritt

2015 haben sich Spanien, Portugal und Frankreich im Rahmen einer Tagung geeinigt, die Infrastruktur zu schaffen, um die Iberische Halbinsel diesbezüglich besser in die Energieunion einzubinden.

2018 trafen die drei Länder die Entscheidung, eine Verbindungskapazität von 15 Prozent zu erreichen.

Die Europäische Kommission hat 578 Millionen Euro für ein Unterwasserkabel bewilligt, das durch den Golf von Biskaya von Spanien nach Frankreich verlaufen soll.

„Portugal und Spanien sind bei der Stromerzeugung Schwergewichte. Vor allem die Elektrifizierung wird für die Verringerung von Kohlenstoffen sorgen. Je besser die europäischen Märkte miteinander verknüpft sind, desto widerstandsfähiger wird das Energiesystem sein“, so Tardieu.

Zieljahr auf 2027 verschoben

Zunächst war das Vorhaben für 2025 angesetzt worden, es gab aus unterschiedlichen Gründen Verzögerungen, jetzt wird 2027 angepeilt.

Die spanischen Behörden halten mit ihrer Enttäuschung bei der Zusammenarbeit mit Frankreich nicht hinter dem Berg.

Im März räumte Teresa Ribera, die spanische Ministerin für den Energiewandel, ein, dass es in der Zusammenarbeit mit Frankreich schwer sei, Fortschritte bei der Verknüpfung der Stromnetze zu erzielen.

Auch Portugal setzt Frankreich unter Druck, weil das Ziel 15 Prozent im Zuge des jetzigen Vorhabens nicht umgesetzt ist. Der Vorsitzende der portugiesischen Vereinigung für erneuerbare Energien, Pedro Amaral Jorge, sagte gegenüber euronews: „Wenn alle derzeitigen Projekte umgesetzt worden sind, sollte die Stromverbindung zwischen Spanien und Frankreich 8 GW erreichen, was unter dem 15-Prozent-Ziel liegt." Er spricht sich für einen dringend zu verbessernden Stromtransfer zwischen der Iberischen Halbinsel und Frankreich aus.

Das Vorhaben der EU, die Abhängigkeit von russischen Energieträgern abzubauen, ließ den Ruf laut werden, unverzüglich die Bemühungen zu verstärken, die angestrebte Stromverknüpfung zwischen Spanien und Frankreich herzustellen.

Laut Brüssel soll Strom aus Wind und Sonne beim Wandel der Energielandschaft eine größere Rolle einnehmen. Spanien und Portugal nehmen für sich in Anspruch, in diesen Bereichen Vorreiter zu sein.

Portugals Ziel: 80% erneuerbare Energie bis 2026

Portugal gab bekannt, seinen Strombedarf bis 2026 zu 80 Prozent aus erneuerbaren Energieformen bestreiten zu wollen. Spanien hat Leitlinien aufgestellt, um bei der Windkraft zu den führenden Kräften zu zählen.

Um auf die Einfuhr russischer Energieträger verzichten zu können, wird hochgerechnet, dass 29 Milliarden Euro in die Übertragungsnetze gesteckt werden müssen.

Tardieu erläutert: „Das bedeutet, dass die Übertragungsnetze das Rückgrat des Stromsystems sein werden. In einem Europa, das besser vernetzt ist, mit einer Iberischen Halbinsel, die besser an Frankreich angebunden ist und Südosteuropa, das besser mit dem übrigen Europa verbunden ist, werden die Menschen in der Lage sein, die großen Quellen der Nordsee-Windkraft, die Landwindkraft der Iberischen Insel und die Sonnenenergie in Südosteuropa zu nutzen.“

Da in Frankreich gerade eine neue Ministerpräsidentin ernannt wurde, könnte dies ein entscheidender Augenblick sein, um die EU-Energievorhaben anzuschieben. Denn zu den Aufgabenbereichen der neuen Ministerpräsidentin Elisabeth Borne gehören auch unmittelbar Energie- und Umweltpolitik.