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Wohin mit dem vielen Kokain? Warum Belgien mit dem Vernichten nicht nachkommt

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Von Aleksandar Brezar
Ein Drogenspürhund erschnüffelt Obstkisten während einer Zollkontrolle auf Drogen in der Halle eines Obstunternehmens im Antwerpener Hafen, Antwerpen, am 20. Mai 2022.
Ein Drogenspürhund erschnüffelt Obstkisten während einer Zollkontrolle auf Drogen in der Halle eines Obstunternehmens im Antwerpener Hafen, Antwerpen, am 20. Mai 2022.   -   Copyright  VALERIA MONGELLI/AFP

In Belgien warten zahlreiche Tonnen Kokain darauf verbrannt zu werden. Weil die belgischen Behörden in diesem Jahr in Antwerpen Rekordmengen beschlagnahmt haben, ist es zu einem erheblichen Rückstau bei der Entsorgung gekommen - der wiederum zu Sicherheitsbedenken führt.

Bei einer einzigen Razzia Mitte Oktober wurden in dem belgischen Hafen mehr als sechs Tonnen Kokain beschlagnahmt, die in zwei aus Surinam kommenden Schiffscontainern gefunden wurden, wie der belgische Zoll mitteilte.

Was der Antwerpener Staatsanwalt Franky De Keyser Anfang Oktober als "Kokainberg" bezeichnete, wurde lagert derzeit an ungenannten Orten.

Das Hauptproblem für den Zoll ist es, das Kokain so schnell wie möglich zu vernichten.

Mehrere große Beschlagnahmungen in den letzten Wochen und die Begrenzung der Tonnage, die die Verbrennungsanlagen auf einmal verarbeiten können, führten zu dem Rückstau, wie der Sprecher des FÖD Finanzen, Francis Adyns, gegenüber Euronews sagte.

"Das Hauptproblem für den Zoll ist es, das Kokain so schnell wie möglich zu vernichten", sagte er.

"Wenn wir eine große Drogenrazzia haben, im Sinne von 5 bis 8 Tonnen, kann nicht alles sofort vernichtet werden, wegen der Kapazität der Verbrennungsanlagen und wegen der Umweltbeschränkungen bei der Vernichtung großer Mengen von Drogen", erklärte Adyns.

"Wir haben mit den Verbrennungsanlagen Vereinbarungen getroffen, damit uns mehr Kapazität für die Verbrennung zur Verfügung gestellt wird".

Einzelheiten zu den Plänen für die Vernichtung und der Zeitplan für die Verbrennung werden geheim gehalten. Es wird befürchtet, dass kriminelle Organisationen sonst zuschlagen könnten, um einen Teil der beschlagnahmten Rauschmittel wiederzuerlangen.

"Wir haben es mit einer Menge Geld zu tun, gemessen an seinem Straßenwert", sagte Adyns.

"Der Straßenpreis für ein Gramm Kokain liegt bei etwa 50 Euro. Man kann sich also vorstellen, wenn wir einige Tonnen beschlagnahmt haben, welchen Betrag das ausmacht."

"Angesichts dieser Organisationen, die auch vor Gewalt nicht zurückschrecken, wie wir in den Niederlanden gesehen haben, und der großen Geldsummen, die auf dem Spiel stehen, kann man sich vorstellen, dass die Sicherheit der Operation und unserer Agenten ein enormes Problem darstellt", erklärte er.

Kokain-Beschlagnahmungen erreichen neuen Höchststand

Die Menge der im Antwerpener Frachthafen beschlagnahmten Drogen hat in den letzten fünf Jahren immer mehr zugenommen.

Dies hat die Zollbehörden dazu veranlasst, ihre Tätigkeit weiter auszubauen: 100 neue Beamten wurden eingestellt, in den Hafenterminals wurden Scanner installiert, mit denen verdächtige Container vor Ort überprüft werden können.

Die Organisierte Kriminalität reagiert auf die Zunahme der abgefangenen Drogenlieferungen mit Gewalt und nimmt die höchsten Beamten des Landes ins Visier.

Im Oktober wurde die Entführung des belgischen Justizministers Vincent Van Quickenborne vereitelt. Der Plan soll von einer niederländischen kriminellen Gruppe in die Wege geleitet worden sein.

Van Quickenborne, der unter verstärkten Polizeischutz gestellt wurde, bezeichnete dies als "Narkoterrorismus".

Im Jahr 2021 beschlagnahmte Belgien in Antwerpen insgesamt 89,5 Tonnen Kokain, was einen Anstieg von 36 % gegenüber dem Vorjahr und einen neuen Höchststand darstellt.

Die Razzia im Oktober, bei der eine mit Kokain versetzte Lieferung aus Surinam sichergestellt wurde, war eine von mehr als 100 Großrazzien, die seit Jahresbeginn im Hafen durchgeführt wurden; seit Januar wurden insgesamt 71 Tonnen beschlagnahmt.

Nach weiteren Beschlagnahmen in den letzten Wochen gehen die Behörden davon aus, dass die 100-Tonnen-Marke bis Ende 2022 überschritten werden wird, wie lokale Medien berichteten.

Aufgrund seiner Größe und des hohen Verkehrsaufkommens wird Antwerpen als Haupteinfallstor für Kokain nach Europa genutzt.

Schmuggler haben sich die Tatsache zunutze gemacht, dass Früchte aus Südamerika und der Karibik - von Bananen bis hin zu Ananas - über den zweitgrößten Hafen des Landes auf den Kontinent verschifft werden. Bei diesen Produkten wird gerne Kokain in der Ladung versteckt.