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Untersuchungshaft für Fico-Attentäter

Der Polizeikonvoi mit dem Attentäter des slowakischen Premierminister Robert Fico fährt vor dem Gericht in Pezinok vor. 18. Mai 2024.
Der Polizeikonvoi mit dem Attentäter des slowakischen Premierminister Robert Fico fährt vor dem Gericht in Pezinok vor. 18. Mai 2024. Copyright Tomas Benedikovic/Copyright 2024 The AP. All rights reserved.
Copyright Tomas Benedikovic/Copyright 2024 The AP. All rights reserved.
Von Christoph DebetsAP
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Gegen den Mann, der des Attentats auf den slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico beschuldigt wird, wurde am Samstag Untersuchungshaft angeordnet. Der Zustand des Ministerpräsidenten ist weiterhin ernsten, aber stabilen.

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Das Sonderstrafgericht der Slowakei hat über den Mann, der beschuldigt wird, auf den slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico geschossen zu haben, Haftbefehl verhängt.

Die Staatsanwaltschaft hatte Fluchtgefahr als Haftgrund vorgebracht. Außerdem befürchte man, er könnte andere Verbrechen begehen, wenn er freigelassen würde, erklärte ein Gerichtssprecher. Der Beschuldigte kann gegen die Entscheidung Berufung beim Obersten Gerichtshof einlegen.

Nach Angaben der Ermittler wurde dem 59-jährigen Fico in den Bauch geschossen, als er nach einer Kabinettssitzung am Mittwoch in der ehemaligen Kohlebergbaustadt Handlova Anhänger begrüßte. Der Verdächtige feuerte fünf Schüsse ab, bevor er zu Boden gerissen und festgenommen wurde.

Die Staatsanwaltschaft hat die Polizei aufgefordert, den Mann nicht öffentlich zu identifizieren oder weitere Details zu dem Fall preiszugeben. Unbestätigten Medienberichten zufolge handelte es sich jedoch um einen 71-jährigen Rentner, der als Amateurdichter bekannt war und möglicherweise einst als Sicherheitsbeamter in einem Einkaufszentrum im Südwesten des Landes gearbeitet hatte.

Inoffizielle Angaben aus Ermittlerkreisen entsprechen dieser Beschreibung. Demzufolge gehört der Verdächtige keiner politischen Gruppe an, obschon der Angriff selbst politisch motiviert sei.

Das Gerichtsgebäude in Pezinok, einer kleinen Stadt außerhalb der Hauptstadt Bratislava, wurde von schwer bewaffneten Polizisten bewacht. Der Gerichtstermin war nicht öffentlich.

Der Gesundheitszustand von Ministerpräsident Ficos ist nach wie vor ernst. Allerdings sind die Aussichten nach der zweistündigen Operation am Freitag, bei der abgestorbenes Gewebe aus mehreren Schusswunden entfernt wurde, vielversprechend. Trotzdem ist Fico immer noch nicht gesund genug, um in ein Krankenhaus in der Hauptstadt Bratislava verlegt zu werden.

„In den letzten Tagen sind mehrere Wunder geschehen, die von den Händen der Ärzte, Krankenschwestern und des gesamten medizinischen Personals ausgehen“, sagte Verteidigungsminister Rober Kalinak vor dem Universitätskrankenhaus F. D. Roosevelt in Banská Bystrica, wo Fico behandelt wird. „Ich finde keine Worte der Dankbarkeit dafür, dass wir uns dieser positiven Prognose stetig nähern.“

Wie der slowakischer Fernsehsender Markiza berichtete, durchsuchte die Polizei das Haus des Verdächtigen in Levice und beschlagnahmte einen Computer und einige Dokumente. Die Polizei äußerte sich nicht.

Da die Polizei weitgehend Stillschweigen bewahrt, ist unklar, wie der Attentäter in den Besitz einer Schusswaffe kam.

In der Slowakei gelten strenge Regeln für den Besitz von Schusswaffen. Waffenbesitzer müssen einen triftigen Grund für den Besitz einer Schusswaffe nachweisen und eine Prüfung bestehen.

Infolgedessen hat die Slowakei eine der niedrigsten Waffenbesitzquoten in Europa. Nach Angaben der Association of Accredited Public Policy Advocates to the EU beträgt die Waffenbesitzquote 6,5 pro 100 Einwohner. Damit liegt die Slowakei auf Platz 23 der EU-27.

Bislang wurde kein geschäftsführender Ministerpräsident ernannt. Die Regierung handle wie geplant und treibe Ficos Agenda voran, sagte Verteidigungsminister Kalinak.

Die Kommunikation mit Fico sei angesichts seines Zustands eingeschränkt gewesen, sagte Kalinak.

Die nächste Kabinettssitzung ist für Mittwoch anberaumt. Verteidigungsminister Kalinak werde die Leitung übernehmen, teilte die slowakische Regierung mit.

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