Es hagelt Kritik gegen die Entscheidung der Bildungsbehörde in Berlin, die Geschichte der DDR in der Sekundarstufe 2 der Gymnasien nur noch als freiwilliges Thema anzubieten.
In der ZDF-Serie "Kudamm 77" besucht eine Tochter, die in West-Berlin lebt, alle zwei Wochen ihren Vater in Ost-Berlin. Eines Tages ist sein Hund Leyka in der Wohnung verdurstet, der Mann sitzt in Bautzen im Gefängnis, später wird er freigekauft und kommt in den Westen.
Werden Schüler und Schülerinnen in Berlin die Geschichte der DDR bald nur noch in Fernsehfilmen, im Kino oder im Internet kennenlernen?
In einem offenen Brief an die Berliner Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch von der CDU fordern der Verband der Geschichtslehrerinnen und -lehrer Deutschlands und die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, dass die Geschichte der DDR weiterhin Pflichtthema in der gymnasialen Oberstufe sein soll. Für alle jüngere Schülerinnen und Schüler stehen weiterhin DDR-Geschichte und Wiedervereinigung auf dem obligatorischen Lehrplan.
Bildungssenatorin zum Einlenken bereit?
Der RBB zitiert den Pressesprecher der Berliner Bildungssenatorin, die die Petition der Lehrerinnen und Lehrer erhalten habe, sie werde "den betreffenden Sachverhalt nochmals in den Blick zu nehmen".
In Deutschland sind die 15 Bundesländer für die Bildungspolitik verantwortlich. Dass ausgerechnet in der Hauptstadt Berlin die Geschichte der DDR und der Wiedervereinigung im Lehrplan der Oberstufe nur noch freiwillig belegt werden soll, stößt vielerorts auf Kritik.
Die Frankfurter Allgemeine, die zuerst über den neuen Lehrplan in Berlin berichtet hatte, schreibt, dass "kaum eine andere Stadt in Deutschland so mit den beiden Diktaturen des 20. Jahrhunderts verbunden" sei. Der Nationalsozialismus soll in der Berliner Oberstufe Pflichtthema bleiben, die Geschichte der DDR nicht.
Gerät die DDR in Vergessenheit?
Für Interessierte gibt es die "Gemeinsame deutsche Nachkriegsgeschichte 1945–1990" in einem Heft der Bundeszentrale für politische Bildung zum Nachlesen. Die 76 Seiten umfassende Zeitschrift kann - auch für Schulklassen - kostenlos bestellt oder als PDF downgeloaded werden.
Inzwischen gehört auch die ehemalige Kanzlerin Angela Merkel, die in der DDR aufgewachsen ist, zur Geschichte. Nur noch die Älteren in Deutschland erinnern sich selbst an das Leben in Ostdeutschland oder daran, wie beklemmend es war, von West nach Ost zu reisen.
Und dass die Menschen aus der DDR und die Errungenschaften des Lebens in Ostdeutschland nach der Wiedervereinigung nicht genügend gewürdigt wurden, gilt als einer der Gründe für die politische Spaltung Deutschlands.