Innenminister Alexander Dobrindt will nach der Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig mit Drohnenabwehr beauftragte Einheit der Bundespolizei aufstocken.
Deutschland verstärkt seine Anti-Drohnen-Einheit der Bundespolizei. Wenige Tage nachdem eine mit Sprengstoff bestückte Drohne am Flughafen Leipzig/Halle gefunden worden war, kündigte die Bundesregierung in Berlin Konsequenzen an. Sie will die Drohnenabwehr verbessern.
Innenminister Alexander Dobrindt sprach in Leipzig von einem "hybriden Angriffsszenario", in das möglicherweise "fremde Mächte" verwickelt seien. Er plant nun, die Zahl der Beschäftigten in der Anti-Drohnen-Einheit der Bundespolizei auf 300 zu verdoppeln. Die spezielle Einheit, die Drohnen aufspüren, abwehren und abfangen soll, hatte Dobrindt im vergangenen Dezember ins Leben gerufen.
Die Zahl der Einsatzstützpunkte der Einheit soll nach Angaben einer Ministeriumssprecherin von vier auf acht steigen. Das sagte sie bei einer Pressekonferenz. Eingesetzt werden sollten KI-gestützte Störsysteme und automatische Abfangdrohnen.
Neues Drohnen-Forschungszentrum in Sachsen-Anhalt
Die Sprecherin kündigte zudem an, dass Dobrindt in der kommenden Woche offiziell ein neues Forschungszentrum für Drohnentechnologie eröffnen werde, das an das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt angebunden ist.
Geforscht werden soll am Testflughafen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Cochstedt nordwestlich von Halle in Sachsen-Anhalt. "Gemeinsam mit dem DLR errichten wir mit dem neuen Technologiezentrum eine bundesweit einzigartige Einrichtung", sagte der CSU-Politiker.
Bund und Länder haben ein Gemeinsames Drohnenabwehrzentrum (GDAZ) in Berlin eingerichtet und die Drohnenabwehr in mehreren Gesetzesänderungen geregelt. Bayern setzt auch auf ein Drohnenkompetenz- und -abwehrzentrum (DKAZ) am Flughafen München.
Nach Informationen der Wochenzeitung "Die Zeit" prallte die Drohne am Flughafen Leipzig gegen einen Flügel eines Antonow-Flugzeugs, Stunden bevor ein Busfahrer sie kurz vor Mitternacht entdeckte.
Warum der Sprengsatz nicht detonierte, ist offenbar noch unklar.
Der Flughafen Leipzig spielt eine zentrale Rolle beim Transport von Militärgütern durch die Bundeswehr und NATO-Verbündete. Zudem dient er als Basis der ukrainischen Frachtfluggesellschaft Antonov Airlines.
Reihe von Drohnensichtungen
Deutschland und andere europäische Staaten melden immer wieder Drohnen, die über sensiblen Einrichtungen wie Flughäfen, Militärstützpunkten und Industrieanlagen auftauchen.
Behörden in Deutschland, einem der wichtigsten militärischen Unterstützer der Ukraine, gehen davon aus, dass Russland viele dieser Vorfälle steuert – als Teil einer Kampagne aus Sabotage, Spionage und Desinformation.
Russland weist zurück, hinter solchen Vorfällen zu stecken.
Die russische Botschaft in Berlin sprach von einer "eilig konstruierte Provokation“, die „nur den Interessen Kyjiws und des militaristischen Flügels des europäischen politischen Establishments“ diene.
Nach dem Drohnen-Fund in Leipzig nannte die Bundesregierung Moskau allerdings nicht als möglichen Verantwortlichen.