"Radikal anders": Wie gefährlich sind die neuen Covid-Varianten?

Forschungsassistenten beobachten die Sequenziermaschinen, die das genetische Material von COVID-19-Fällen in England analysieren.
Forschungsassistenten beobachten die Sequenziermaschinen, die das genetische Material von COVID-19-Fällen in England analysieren. Copyright Frank Augstein/AP Photo
Von Euronews mit Reuters
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In letzter Zeit hat sich die Aufmerksamkeit auf die Omicron-Subvariante "Eris" konzentriert. Doch die neueste COVID-Variante BA.2.86 wird als "radikal anders" beschrieben. Besteht Grund zur Beunruhigung?

Die Gesundheitsbehörden verfolgen eine weitere neue Variante von COVID-19, die eine große Anzahl von Mutationen aufweist.

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Die neue Linie mit der Bezeichnung BA.2.86 wurde in der vergangenen Woche von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als "Variante unter Beobachtung" eingestuft.

Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass sie sich schneller ausbreitet oder schwerere Erkrankungen verursacht, aber Wissenschaftler behalten die Variante, die in Dänemark, dem Vereinigten Königreich, den USA und Israel gefunden wurde, im Auge.

Welche Varianten stehen unter Beobachtung?

COVID-Infektionen und Krankenhausaufenthalte haben in den USA, Europa und Asien bereits zugenommen, wobei viele Fälle in diesem Sommer der Subvariante EG.5 "Eris" zugeschrieben werden, einem Abkömmling der Omicron-Linie.

Die Gesundheitsbehörden verfolgen nun eine weitere Variante, BA.2.86, aufgrund ihrer mehr als 30 Mutationen.

BA.2.86 stammt aus einem "früheren Zweig" des Coronavirus und unterscheidet sich daher von der Variante, gegen die die derzeitigen Impfstoffe wirken, sagte Dr. S. Wesley Long, medizinischer Leiter der diagnostischen Mikrobiologie am Houston Methodist Hospital.

Er sagte, es bleibe abzuwarten, ob BA.2.86 in der Lage sei, andere Stämme des Virus zu verdrängen oder Immunreaktionen aus früheren Infektionen oder Impfungen zu entgehen.

Einer der Gründe dafür, dass EG.5 von der WHO zu einer "Variante von Interesse" erklärt wurde, ist die Tatsache, dass die Prävalenz des Virus im Vergleich zu anderen Varianten gestiegen ist.

Radikal andere Struktur

In vielen Ländern werden Fälle von COVID-19 seltener untersucht als zu Hochzeiten der Pandemie. Die Wahrscheinlichkeit, neue Varianten zu entdecken, ist damit gesunken. 

In dieser Situation sieht die Entwicklung von BA.2.86 "im Moment nicht gut aus", wenn man bedenkt, wie schnell neue Fälle dennoch identifiziert werden, sagte Dr. Eric Topol, ein Genomik-Experte und Direktor des Scripps Research Translational Institute in La Jolla in Kalifornien.

Die vielen Mutationen machen BA.2.86 "radikal anders in seiner Struktur" im Vergleich zu früheren Varianten, sagte Topol.

Die wichtigste Frage sei, ob sich BA.2.86 als hochgradig übertragbar erweisen werde, fügte er hinzu.

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Die WHO hat die Länder aufgefordert, die Überwachung und Sequenzierung von COVID-19-Fällen fortzusetzen, erklärte jedoch, dass derzeit nur sehr wenige Informationen über BA.2.86 verfügbar seien.

Werden Menschen mit diesen Varianten schwerer erkranken?

Eine weitere Verbreitung von BA.2.86 würde in gefährdeten Bevölkerungsgruppen wahrscheinlich zu mehr Erkrankungen und Todesfällen führen, so Topol.

Es ist jedoch noch zu früh, um zu wissen, ob BA.2.86 zu schwereren Krankheitsverläufen führen wird.

"Auf der Grundlage der vorliegenden Erkenntnisse wissen wir noch nicht, ob und welche Risiken (BA.2.86) für die Gesundheit der Bevölkerung bestehen, die über das hinausgehen, was bei anderen derzeit zirkulierenden Linien beobachtet wurde", sagte ein Sprecher des US Centers for Disease Control and Prevention (CDC).

Rowland Kao von der Universität Edinburgh sagte in der vergangenen Woche gegenüber Euronews Next, dass die Zahl der Krankenhausaufenthalte in Kombination mit anderen Viren zu Problemen für die Gesundheitssysteme führen könnte, wenn eine neue Variante zu einem Anstieg der COVID-19-Fälle führen würde.

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Werden Impfstoffe gegen neue Varianten wirksam sein?

"Der Impfstoff bietet nach wie vor einen guten Schutz vor Krankheit und Tod", so Long.

Die COVID-Auffrischungsdosen, die jetzt entwickelt werden, wurden für die XBB-Untervariante von Omicron entwickelt.

Moderna gab kürzlich bekannt, dass der aktualisierte COVID-Auffrischungsimpfstoff eine Immunantwort gegen die Varianten EG.5 und FL.1.5.1 gezeigt habe. Der Impfstoff erwies sich auch als wirksam gegen die zirkulierenden XBB-Stämme von Omicron.

Pfizer teilte außerdem mit, dass sein aktualisierter COVID-19-Impfstoff in einer an Mäusen durchgeführten Studie eine neutralisierende Wirkung gegen die Eris-Subvariante zeigte.

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