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Klimawandel macht Froschmännchen für Weibchen offenbar attraktiver

Nahaufnahme eines männlichen Sierran-Baumfrosches.
Nahaufnahme eines männlichen Sierran-Baumfrosches. Copyright  Brian Todd/ UC Davis
Copyright Brian Todd/ UC Davis
Von Liam Gilliver
Zuerst veröffentlicht am
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Steigende Temperaturen verändern die Liebesrufe der männlichen Frösche deutlich – und die Weibchen reagieren sensibel auf jeden Ton.

Der Klimawandel wirkt inzwischen wie ein heimlicher Helfer männlicher Frösche: Fachleute beobachten deutlich veränderte Paarungsrufe.

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Rund einundvierzig Prozent aller Amphibienarten sind vom Aussterben bedroht. Damit gelten sie als die am stärksten gefährdete Wirbeltiergruppe. Umso wichtiger ist es, ihr Fortpflanzungsverhalten zu verstehen – zumal die fortschreitende Abholzung ihre Lebensräume zerstört.

Forschende der University of California, Davis, haben nun beobachtet, wie die Erderwärmung Klang und Qualität der Frosch-„Liebeslieder“ verändert, mit denen Männchen ein Weibchen anlocken. Diese melodischen Quaken signalisieren den Weibchen außerdem, dass die Umweltbedingungen für die Fortpflanzung stimmen – sonst würden ihre Eier nicht überleben.

Was der Klimawandel mit Frosch-Liebesliedern macht

Hauptautorin Julianne Pekny, heute Direktorin für Naturschutzforschung bei der Amphibian and Reptile Conservancy in North Carolina, ging an die Ufer des Quail Ridge Ecological Reserve und der Lassen Field Station in Kalifornien, um die Rufe des Sierran-Laubfroschs aufzunehmen.

„Der Gesang der Frösche hängt stark von der Umgebungstemperatur ab“, sagt sie. „Wenn sich die Tümpel aufwärmen, klingen die Männchen erst langsam und träge, dann immer schneller und fast verzweifelt. Ich kann das mit meinen Ohren deutlich hören – und die Weibchen hören es auch.“

Weibliche Frösche bevorzugen meist schnellere Liebeslieder, die die Männchen vor allem bei wärmeren Temperaturen anstimmen.

„Spannend ist für mich, dass Weibchen so möglicherweise verfolgen, wie sich die Jahreszeiten im Laufe der Zeit verschieben“, sagt Pekny. „Je wärmer der Tümpel, desto früher ertönen auch die besonders attraktiven Rufe der Männchen.“

Fortpflanzung verschiebt sich

Wenn die Paarungszeit näher rückt, versammeln sich männliche Frösche in großen Gruppen an Teichen und anderen Gewässern. Sie treffen früher ein als die Weibchen, um ihre „Stimmen“ aufzuwärmen.

„Für die Männchen ist es am besten, so früh wie möglich am Teich zu sein, noch vor den anderen“, sagt Mitautor und Herpetologe Brian Todd. „Für die Weibchen ist es dagegen sinnvoll, erst dann zu kommen, wenn es wirklich Zeit ist, die Eier abzulegen.“

UC‑Davis-Professor Eric Post ist überzeugt, dass die Ergebnisse die Erforschung jahreszeitlicher Reaktionen auf den Klimawandel möglicherweise grundlegend verändern könnten.

„Männchen senden womöglich unbewusst feine Signale darüber, wie gut die Umweltbedingungen für die Fortpflanzung sind – und die Weibchen lesen aus diesen Signalen mehr heraus, als die Männchen eigentlich beabsichtigen“, ergänzt er.

Die Studie, veröffentlicht im Fachjournal Frontiers in Ecology and the Environment, könnte auch für Insekten relevant sein, die Balzrufe erzeugen. Um diese Vermutung zu bestätigen, sind jedoch weitere Untersuchungen nötig.

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