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Vergewaltigung als Kriegswaffe: Frauen im Südsudan

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Vergewaltigung als Kriegswaffe: Frauen im Südsudan

Vergewaltigung als Kriegswaffe: Frauen im Südsudan
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Monica Pinna
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Der Bürgerkrieg im Südsudan geht ins fünfte Jahr. Das jüngste Land der Welt wurde erst 2011 unabhängig. Seit dem Ausbruch des Konflikts 2013 sind rund zweieinhalb Millionen Menschen aus dem Südsudan in Nachbarländer geflohen, im Land selbst gibt es zwei Millionen Vertriebene. Sieben Millionen Menschen, fast zwei Drittel der südsudanesischen Bevölkerung, sind von akuter Nahrungsmittelknappheit bedroht.

Bentiu, Hauptstadt des Bundesstaates Unity ist von den Kämpfen seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs am schwersten betroffen. Immer wieder kommt es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, die viele Menschen in die Flucht treiben. Sie finden in Lagern, die zum Schutz der Zivilbevölkerung errichtet wurden, Unterschlupf. In diesem hier wohnen rund 120.000 Menschen. Der Großteil der Frauen, die hier ankommen, sind schon mit sexueller Gewalt konfrontiert gewesen.

Diese Frau erzählt: "Wir waren in einer großen Gruppe Frauen unterwegs, am Fluss, Kriminelle kamen und suchten sieben von uns aus. Wir wurden in den Wald gebracht. Wir alle wussten, dass wir vergewaltigt würden. Wir haben uns gegenseitig getröstet, indem wir uns sagten, dass so etwas in jedem Krieg passiert. Wir wussten, wenn es nicht heute passiert, dann morgen."

65 Prozent der Frauen im Südsudan kennen Gewalt

65 Prozent der Frauen im Südsudan haben Gewalt in irgendeiner Form erdulden müssen - eine Zahl, die doppelt so hoch ist wie der weltweite Durchschnitt. UNICEF ist alarmiert. Die Organisation spielt eine führende Rolle, um geschlechtsspezifischen Gewalttaten vorzubeugen und Unterstützung zu leisten.

Mustapha Ben Messaoud leitet die Unicef-Operationen in Bentiu, er erzählt: "Die Zahl sexueller Gewalttaten gegenüber Frauen ist seit 2013 stetig gestiegen. Jetzt ist die Situation schon fast epidemisch - Frauen sind ständig Aggressionen ausgesetzt. Das wird von Tag zu Tag schlimmer."

Wie können die Opfer unterstützt werden? Und welche vorbeugenden Maßnahmen gibt es? Das Internationale Rettungskommitee IRC, das vom Europäischen Amt für humanitäre Hilfe unterstützt wird, unterhält vier Frauenzentren in dem Lager und zwei zusätzliche außerhalb. Hier finden die Frauen Schutz und Unterstützung. Programm-Managerin Rache Nyanquoi Jackson über die Lage vor Ort:

"Von allen Frauen hier im Lager sind mehr als 50 Prozent schon einmal vergewaltigt worden. Entweder im Camp oder auf dem Weg zum Camp. Wir bieten ihnen psychosoziale Betreuung und Informationen über die Folgen der Gewalt, im Besonderen bei sexuellen Übergriffen, und überzeugen sie von der Notwendigkeit medizinischer Versorgung."

Das Leben im Camp beendet nicht notwendigerweise sexuelle Übergriffe. Jedes Hilfezentrum meldet rund 20 Vergewaltigungen und ein Dutzend körperliche Übergriffe pro Woche.

AID ZONE | RAPE AS A WEAPON OF WAR - SOUTH SUDAN

Feuerholzsuche wird zur Gefahr

Täglich anfallende Arbeiten, wie die Suche nach Feuerholz, gehören zu den gefährlichsten Aufgaben für die Frauen. Die Hilfsorganisation "Nonviolent Peaceforce" patroulliert seit 3 Jahren täglich vor den Toren des Lagers. Eine ihrer Mitarbeiterinnen sagt:"Wir überwachen die Situation, indem wir einfache Gespräche mit den Frauen führen, die von der Feuerholzssuche zurückkommen. Von ihnen erfahren wir mehr über die Sicherheit. Wir geben auch die Informationen weiter, die uns andere Frauen gegeben haben. So erfahren wir auch, wie sie besser geschützt werden können."

Die Organisation, die von UNICEF und der EU unterstützt wird, schickt Opfer von Gewalt in Krankenhäuser und Frauenzentren im Lager. Aber die Verhinderung von Gewalttaten ist schwierig. Die Vergewaltigung der 8-fachen Mutter gehört zum traurigen Alltag:

"Einige Männer kamen. Alle anderen Frauen waren weg, aber es war zu spät für mich zu fliehen. Sie haben mich erwischt. Jedes Mal, wenn ich jetzt Holz suche, habe ich Panik. Es kann wieder passieren, aber ich habe keine Wahl - ich muss es für meine Kinder machen."

Europäisches Amt für humanitäre Hilfe: Unterstützung gegen Gewalt

Geldgeber wie das Europäische Amt für humanitäre Hilfe versuchen, wirksamere Methoden zu finden, um Gewalt in Konflikten wie diesem vorzubeugen. Daher unterstützt die EU die Maßnahmen bei geschlechtsspezifscher Gewalt in Notsituationen.

"Es handelt sich um eine weltweite Initiative mit über 70 Ländern unter der Führung der Europäischen Union. Wir rufen zu einem umfassenderen Engagement in der humanitären Hilfe auf. Wir stellen sicher, dass die humanitäre Gemeinschaft sich verantwortlich fühlt und Schritte einleitet", sagt Bart Witteveen vom Europäische Amt für humanitäre Hilfe.

Gegenüber ganzen Gemeinschaften wird im Südsudan Rache in Form von sexueller Gewalt ausgeübt, in ungeahntem Ausmaß. Die humanitären Helfer arbeiten vor allem für die Reintegration von Opfern in ihre Familien und die Gesellschaft.