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Missbrauch: 3.677 Fälle sind nur "die Spitze des Eisbergs"

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Missbrauch: 3.677 Fälle sind nur "die Spitze des Eisbergs"

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Die katholische Kirche in Deutschland hat eine Studie vorgelegt, die 3.677 Fälle von sexuellem Missbrauch durch Kirchenvertreter dokumentiert. In Fulda sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Reinhard Marx: "Wir haben zu lang weggeschaut."

Doch bisher hat die Kirche keineswegs alle Akten freigegeben, wie Matthias Katsch von der Opfervereinigung "Eckiger Tisch" erklärt, fehlen auch in der neuen Studie viele Fälle.

Matthias Katsch sagt im Gespräch mit euronews: "Es sind überhaupt nicht die Fälle in Regensburg oder in Berlin beim Canisius-Kolleg oder im Kloster Ettal in Bayern. Diese Schule und Einrichtungen sind überhaupt nicht berücksichtigt worden. Ich glaube wir haben allenfalls die Spitze des Eisberges jetzt gesehen - und deswegen wäre es so wichtig, dass wir Ermittler in die Archive schicken."

Im Vatikan gibt es noch viel aufzuklären. Matthias Katsch sagt: "Wir sehen ja jetzt in der Zwischenzeit durch die vielen Meldungen auch aus anderen Ländern, dass das ein systematisches Vorgehen ist. wo auch der Vatikan dran beteiligt ist. Dort lagern tausende von Akten aus aller Welt über Missbrauchsfälle. Etwa 5.000 Täter sind dort bekannt, allerdings nur den Verantwortlichen des Vatikans - nicht den Ermittlungsbehörden in den betroffenen Ländern. Es ist wichtig, dass dieses System jetzt insgesamt ausgehebelt - und damit muss man auch im Vatikan anfangen. Auch dort müssen die Akten freigegeben werden."

Der Vertreter der Opfervereinigung möchte auch, dass die deutsche katholische Kirche Druck auf den Vatikan ausübt. Zudem sollte die reiche Kirche in Deutschland die Opfer entschädigen. Nach dem Missbrauch seien viele beeinträchtigt gewesen, hätten nicht das Leben leben können, das sie sich erhofft hatten.

Matthias Katsch, der im *Eckigen Tisch" 250 Opfer sexueller Gewalt vertritt, erklärt: "Ich erwarte aber nach diesen Enthüllungen, die ja - wie gesagt - nur eine Spitze darstellen, dass die Politik den Druck auf die Kirche erhöht. Erstens damit eine unabhängige Untersuchung stattfindet und zweitens in Hinblick auf eine Entschädigung der Opfer. Die Kirche braucht den Staat als Partner, um verlorenes Vertrauen wieder herzustellen."