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Worum es beim Erdogan-Besuch in Berlin geht

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Worum es beim Erdogan-Besuch in Berlin geht

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In Deutschland leben knapp drei Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln. Diese Gemeinschaft ist einer der Gründe dafür, dass die beiden Länder eine traditionell starke Bindung haben. Eine Bindung, die in den letzten Jahren in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Immer wieder kritisierte die deutsche Regierung die autoritäre Politik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Und trotzdem kommt Erdoğan am 28. September nach Berlin zu einem Gespräch mit Kanzlerin Angela Merkel.

Merkel will "an deutsch-türkischen Beziehungen festhalten"

Wir haben bei Kristian Brakel, dem Leiter der Heinrich-Böll-Stiftung in der Türkei, nachgefragt, ob sich die bilateralen Beziehungen verbessert haben:

"Es gibt einen Unterschied, glaube ich, zwischen dem wie beliebt er (Erdogan) ist und dem wie wichtig die deutsch-türkischen Beziehungen auch für die Bundesregierung sind. Und das sind Beziehungen, natürlich, an denen man festhalten möchte, unabhängig von der Person Erdogan", so Brakel.

Beim Treffen wird Merkel wohl darauf bestehen, dass die Türkei weitere inhaftierte deutsche Journalisten und Aktivisten freilässt. Auch das Flüchtlingsabkommen ist für die Kanzlerin von großer Bedeutung.

Deutsche Anerkennung durch staatliche Ehren "wichtig für Erdogan"

Aber was will Erdogan?

Dazu Brakel: "Er (Erdogan) kriegt vor allen Dingen Anerkennung. Also, das sieht man ja, glaube ich, auch daran, dass die großen Fanfaren ausgerollt werden. Man hätte ihn ja nicht so empfangen müssen, mit diesen staatlichen Ehren. Das wäre auch eine Stufe darunter gegangen, protokollarisch. Dese Anerkennung ist natürlich etwas, das für ihn sehr wichtig ist, das für ihn zuhause sehr wichtig ist."

Ebenfalls wichtig für Erdogan sind die Wirtschaftbeziehungen. Denn: Die jüngsten US-Sanktionen haben die türkische Lira stark getroffen, so Brakel: "Dann geht es vor allen Dingen um wirtschaftliche Fragen, also jetzt, wo man sich mit den Amerikanern so stark überworfen hat, braucht man die Europäer wieder an seiner Seite, und da eben - als zentrales Land - vor allem Deutschland."

Kurdenverein: Erdogan die "rote Karte zeigen"

In Deutschland ist Erdogans Besuch umstritten. Viele Oppositionspolitiker und Mitglieder der kurdischen Gemeinschaft sind der Meinung, Deutschland sollte nicht für Erdogan den roten Teppich ausrollen.

Ali Ertan Toprak, Leiter der Kurdischen Organisation Deutschlands, meinte etwa: "Was momentan die EU und vor allem Deutschland mit diesem Staatsbesuch machen, ist, dass Erdogan - ein Autokrat - hofiert wird und dadurch auch seine antidemokratische Politik von uns letztendlich gestützt wird. Und da müssen natürlich alle Demokraten die rote Karte zeigen."

Erdogan-Besuch sorgt für Spannungen

Euronews-Korrespondent Jona Källgren hat den bevorstehenden Erdogan-Besuch zusammengefasst:

"Der Besuch des türkischen Präsidenten dürfte für einige Spannungen sorgen. Und zwar: innerhalb der türkischen Gemeinschaft, zwischen der türkischen und der kurdischen Gemeinschaft und zwischen jenen, die die Zusammenarbeit mit der Türkei befürworten, und jenen, die eine härtere Linie gegen Erdogan anstreben. Aber das ist ein Risiko, das Angela Merkel eindeutig eingehen will. Sie will für eine gewisse Normalität im deutsch-türkischen Verhältnis sorgen."