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Rohingya-Flüchtlinge in Bangladesch: 1 Jahr später

Rohingya-Flüchtlinge in Bangladesch: 1 Jahr später
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Unchiprang ist ein provisiorisches Flüchtlingslager im Süden von Bangladesch. Seit einem Jahr existiert es, dort leben inzwischen mehr als 23.000 Rohingyas. Auch an anderen Orten gibt es ähnliche Camps, insgesamt sind rund 1 Millionen Menschen geflüchtet.

"Ein Jahr ist vergangen, seitdem das militärische Vorgehen in Myanmar 720.000 Rohingyas zwang, nach Bangladesch zu fliehen. Wir sind dorthin zurückgekehrt und sehen uns die Lebensbedingungen in einem der ärmsten Länder der Welt an", so Euronews-Reporterin Monica Pinna, die Unchiprang besucht hat.

Myanmars Behörden lassen keine Ermittlungen zu

Der Exodus des letzten Jahres war nicht der erste für die muslimische Minderheit Myanmars, aber er war bei weitem der größte. Sie flohen vor Gewalttaten von Myanmars Armee, die die Vereinten Nationen kürzlich als "Völkermord" bezeichnet haben. Niemand weiß wirklich, wie viele Menschen getötet wurden. Der jüngste unabhängige Bericht internationaler Forscher berichtet von über 24.000 Getöteten. Aber wenn es um Ermittlungen geht, stellen sich die Behörden Myanmars quer. Selbst eine Mission der Vereinten Nationen bekam keine Genehmigung. Die Flüchtlinge haben ihre eigenen Geschichten zu erzählen.

"Ich komme aus Tula Toli. Ich habe gesehen, wie die Soldaten Menschen getötet und sie in einen Teich geworfen haben, und Frauen vergewaltigt. Deswegen bin ich geflohen", sagt dieser Geflüchtete.

Am schnellsten wachsende Flüchtlingskrise

Das Dorf dieses Mannes erlangte traurige Bekanntheit unter den Rohingyas, weil dort ein großes Massaker stattgefunden hat. Die Flüchtlinge haben zwar in Bangladesch grundlegende Unterstützung gefunden. Doch sie leben in überfüllten Lagern, die in aller Eile errichtet wurden, um diese - am schnellsten wachsende - Flüchtlingskrise der Welt zu bewältigen. Die EU, die hier zu den wichtigsten Geldgebern gehört, mahnt an, dass Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft hoch bleiben muss:

Daniela D'Urso, arbeitet für die EU, sie erklärt: "Die Flüchtlinge haben Zugang zu Wasser, ein Dach über dem Kopf und zu essen. Aber sie brauchen auch Ausbildung, Schutz, sie müssen für ihren Lebensunterhalt sorgen können. Doch sie bleiben staatenlos und haben keinen rechtlichen Status in diesem Land. Das bedeutet, dass sie sich nicht frei bewegen können, nicht arbeiten können und keinen Anspruch auf eine angemessene Ausbildung haben."

Mittelfristig Infrastruktur schaffen

Ein Spaziergang durch das Lager zeigt, wie viel schon getan wurde. Aber es ist offensichtlich, wie schwer es ist, mit einer dauerhaften Krise umzugehen. Wasser und Abwasser gehören zu den größten Herausforderungen. Die französische Hilfsorganisation "Solidarités International" versucht, sie zu lösen:

"Es gibt keinen Ausbruch von Krankheiten. Die Dinge sind unter Kontrolle und so können wir zu einem besseren, öffentlichen Gesundheitsumfeld beitragen. Jetzt arbeiten wir an der Infrastruktur - sie mittelfristig nachhaltig zu gestalten. Und dann daran, den dauerhaften Aufenthalt der Flüchtlinge in der Region zu bewältigen", erläutert Mitarbeiter Reda Bendahmane.

Bangladesch hat die Weltgemeinschaft dazu aufgefordert, den Druck auf Myanmar zu erhöhen, damit die Rohingyas zurückkehren können. Die Muslime aus Myanmar fordern Garantien:

"Wir wollen Gerechtigkeit für den Genozid, den wir erlitten haben. Wir wollen, dass Myanmars Regierung uns als Bürger anerkennt, oder wir kehren nicht zurück. Wir wollen nicht für immer in diesen Zeltstätten leben, aber wir wollen Anerkennung."

"Während Bangladesh und die Weltgemeinschaft den Rohingyas Hilfe zukommen lässt, kann es eine langfristige Lösung nur aus Myanmar geben, und sie muss politischer Art sein", fügt Euronews-Reporterin Monica Pinna hinzu.