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Spannendes Wahlfinale in Brasilien

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Spannendes Wahlfinale in Brasilien

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Wenige Tage vor der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Brasilien hat der rechtsgerichtete Kandidat Jair Bolsonaro seinen Vorsprung in Umfragen ausgebaut. Insgesamt bewerben sich 13 Kandidaten. Der Rechtspopulist kommt der neuesten Ibope-Erhebung zufolge auf 31 Prozent und liegt damit zehn Punkte vor dem früheren Bürgermeister von Sao Paulo, Fernando Haddad, mit 21 Prozent.

JAIR BOLSONARO

Bolsonaro, der sich noch von einem Messerangriff auf einer Wahlkampfveranstaltung vor wenigen Wochen erholt, tritt für die Sozialliberalen (PSL) an und polarisiert mit provozierenden Aussagen zu Homosexuellen, Schwarzen oder ethnischen Minderheiten. Der Ex-Soldat verherrlicht auch regelmäßig die Zeit der Militärdiktatur (1964-1985).

"ELE NAÕ"

In allen großen Städten Brasiliens hatten hunderttausende Menschen gegen Bolsonaro demonstriert. Die größten Kundgebungen gab es in den Metropolen Rio de Janeiro und São Paulo, wo die Organisatoren von mehr als 200.000 Teilnehmern sprachen. Unter dem Motto "Ele Não - Er nicht" hatten Frauengruppen in den sozialen Netzwerken zum Protest aufgerufen.

ZERREISSPROBE STAATSFINANZEN

Brasilien steht vor einer Zerreißprobe, die Finanzmärkte sind argwöhnisch: Lange haben es die brasilianischen Politiker versäumt, Maßnahmen zur Kontrolle der steigenden Rentenausgaben zu beschließen. Vor allem aus diesem Grund lag das Haushaltsdefizit in den vergangenen vier Jahren bei über sieben Prozent des Bruttoinlandsproduktes BIP.

Die Sozialversicherungsausgaben insgesamt verschlingen fast 45 Prozent der Staatsausgaben.

FERNANDO HADDAD

Fernando Haddad tritt für die Arbeiter-Partei (PT) an. Der inhaftierte frühere Präsident Luiz Inacio Lula da Silva darf wegen einer Gefängnisstrafe nicht wieder kandidieren. Haddad konnte in den vergangenen Wochen deutlich zulegen.

Andere Präsidentschafts-Kandidaten wie der Mitte-Links-Politiker Ciro Gomes oder Geraldo Alckmin von der Partei der Brasilianischen Sozialen Demokratie, der für einen wirtschaftsliberalen Kurs steht, haben laut der Umfrage mit elf und acht Prozent wohl kaum Chancen.

STICHWAHL

Sollte kein Kandidat bei der ersten Runde am Sonntag die absolute Mehrheit erreichen, kommt es am 28. Oktober zu einer Stichwahl. Auch hier holt Bolsonaro auf. Der jüngsten Umfrage zufolge kommt es zu einem Patt zwischen den beiden mit jeweils 42 Prozent. Vor einer Woche lag Haddad hier noch mit 42 Prozent vorn. Bolsonaro kam auf 38 Prozent.

Sigrid Ulrich mit dpa