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Flüchtlinge auf Nauru: auch Kinder selbstmordgefährdet

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Flüchtlinge auf Nauru: auch Kinder selbstmordgefährdet

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Flüchtlingslager, in denen die Zustände so schlecht sind, dass sogar Kinder an Selbstmord denken: Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" hat die Lebensbedingungen von Asylsuchenden auf der Pazifikinsel Nauru stark kritisiert. "Ärzte ohne Grenzen" hat laut eigenen Angaben 78 Flüchtlinge behandelt, die versucht haben, Selbstmord zu begehen, darüber nachdenken oder sich selbst verletzen. Darunter seien auch Kinder gewesen. Diese seien teilweise in so einem schlechten Zustand, dass sie nicht mehr essen, trinken oder auf die Toilette gehen könnten, so die Organisation. "Sie sprechen nicht mal mehr mit ihren Familien. Die Eltern müssen die Kinder manchmal ins Krankenhaus bringen, damit sie über Nadeln künstlich ernährt werden", sagte Natalia Hverta Perez, Psychiaterin bei "Ärzte ohne Grenzen".

Die Organisation hatte Migrantinnen und Migranten, die von Australien in nach Nauru geschickt werden, seit fast einem Jahr versorgt. Die Regierung des Inselstaates kündigte "Ärzte ohne Grenzen" den Vertrag jedoch am Freitag überraschend.

Nauru nimmt im Auftrag von Canberra seit 2013 Menschen auf, die eigentlich per Boot nach Australien fliehen wollen. Australien schickt Flüchtlinge außerdem auf die zu Papua Neuguinea gehörende Insel Manus. Auf Nauru leben derzeit etwa 900 Asylsuchende, darunter 120 Kinder.

Einige der Menschen verharren laut "Ärzte ohne Grenzen" seit fünf Jahren in den Lagern. Die Migrantinnen und Migranten seien durch die jahrelange andauernde unbestimmte "Haftdauer" traumatisiert, so die Psychologin Christine Rufener. Von dieser psychischen Belastung könnten sie sich nur erholen, wenn sie umgehend in eine stabile und sichere Umgebung gebracht würden. Dort müssten sie eine gute psychologische Betreuung erhalten und die Grundrechte genießen können, die allen Menschen zuständen.

Australien verfolgt seit Jahren einen harten Kurs in der Migrationspolitik. Die Regierung will auch die legale Einwanderung stärker steuern. Städteminister Alan Tudge kündigte an, dass Menschen, die neu einwandern, gezwungen werden sollen, sich in Kleinstädten und auf dem Land anzusiedeln. Ziel sei es, die Städte zu entlasten und die durch das starke Wachstum entstehenden Kosten zu senken, so Tudge am Dienstag in Melbourne. Die Regierung wolle das Ungleichgewicht mit geografischen Einschränkungen bei Aufenthaltsvisa und durch Anreize ausgleichen.

Australiens Bevölkerung - derzeit 24,1 Millionen - wächst jedes Jahr um 400 000 Menschen. Drei Viertel des Zuwachses entsteht durch Einwanderung. Den Großteil der Neuankömmlinge zieht es in die Städte an den Küsten wie Melbourne, Sydney oder Brisbane. Die Beschränkung soll Tudge zufolge für bis zu fünf Jahre gelten. Theoretisch könnten diese Regeln für etwa 45 Prozent der Einwanderinnen und Einwanderer gelten, da der Rest entweder im Rahmen der Familienzusammenführung oder mit einer konkreten Jobzusage oder einem Studienplatz ins Land kommt. Wie die Vorgaben der Regierung kontrolliert werden sollten, dazu machte Tudge keine Angaben.