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Propaganda-Leute des Prinzen: Wer wurde nach Khashoggi-Mord entlassen?

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Propaganda-Leute des Prinzen: Wer wurde nach Khashoggi-Mord entlassen?

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REUTERS/Leah Millis/Pool
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Die Nachricht, dass Saudi-Arabien doch zugibt, hinter der Tötung von Jamal Khashoggi zu stehen, kam in der Nacht zum Samstag - zwischen den beiden islamischen Feiertagen. Kurz darauf wurden 18 saudische Staatsbürger für die Gewalt in der saudi-arabischen Botschaft in Istanbul verantwortlich gemacht. Die offiziellen Stellen in Riad bestätigten auch, was die türkischen Ermittler schon seit Tagen erklärt hatten, nämlich, dass Geheimdienstmitarbeiter aus Riad nach Istanbul gereist waren. Türkische Medien hatten von einem "Killer-Kommando" gesprochen;

Unter den namentlich bekannten Männern, die für den Tod Khashoggis verantwortlich gemacht werden, handelt es sich um Geheimdienstleute und um enge Vertraute von Kronprinz Mohammed bin Salman (33), die auch für seine Kommunikationsstrategie zuständig waren.

Ob die 18 Verdächtigten in Saudi-Arabien festgenommen wurden, war zunächst nicht klar, weil einer von ihnen noch am Samstag Morgen Nachrichten auf Twitter veröffentlichte.

Mr. Hashtag oder der Bannon Saudi-Arabiens

Saud ben Abdullah al-Kahtani - (auch Qahtani oder Kahtani), wurde vom König entlassen. Er war auch für die Medienstrategie des Kronprinzen zuständig, wegen seiner Scharfmacherei wird al-Kahtani in arabisch- und englischsprachigen Medien als der "saudische Steve Bannon" bezeichnet, sein Spitzname ist "Mr. Hashtag". Zu den Methoden al-Kahtanis gehörten laut Berichten in den vergangenen Monaten schwarze Listen mit Namen von Gegnern des Königshauses und im Internet verbreitete Fake-News.

General Ahmed al-Asiri - der Sprecher des Kriegs im Jemen

Laut Riad hauptverantwortlich für den Tod Khashoggis ist der Vizechef des Geheimdienstes General Ahmed al-Asiri, ein enger Mitarbeiter des Kronprinzen. Der General war zuvor das Gesicht des Kriegs der von Saudi-Arabien - zunächst unter Verteidigungsminister Mohammed bin Salman - angeführen Miltiärallianz gegen das Nachbarland Jemen.

In dieser Rolle verkündete Asiri seit 2015 vor allem militärische Erfolge. Doch der Krieg, in dem laut UN-Angaben mindestens 10.000 Menschen getötet wurden, dauert weiter an.

Als Mohammed bin Salman (auch MBS) 2017 Kronprinz wurde, machte er Asiri zu seinem Sicherheitsberater und Vizechef des Geheimdienstes.

Dass der General ohne Wissen des Kronprinzen die Ermordung beschlossen und durchgeführt haben soll, halten Experten für wenig wahrscheinlich. Laut türkischen Medien, die 15 Personen zum sogenannten "Killer-Kommando" zählen, war der Vize-Geheimdienstchef nicht persönlich in Istanbul.

Asiri spricht gut Englsch und Französisch und gilt wie Kahtani als einer der Kommunikationsstrategen von MBS.

Eine Euronews-Korrespondentin hatte al-Asiri im Frühjahr in Paris getroffen. Dort gab er sich diplomatisch und erklärte, man suche nach einer politischen Lösung für den Krieg in Jemen.

Sind die 18 verhafteten Verdächtigen nur Sündenböcke?

Schon Tage vor der Bekanntgabe der 18 jetzt Verhafteten, die hinter der Ermordung des Journalisten stecken sollen, waren in Riad mehrere Namen kursiert - darunter der von General Ahmad Asiri. Er habe dem Kronprinzen vorgeschlagen, gegen Khashoggi vorzugehen.

Doch viele Experten vermuten, hochrangige Mitarbeiter wie General Asiri würden entlassen, um den Kronprinzen zu schützen.

Schon in der Vergangenheit hatte Mohammed bin Salman mehrere "Säuberungsaktionen" mit harter Hand durchgeführt.

In der New York Times zeigt sich ein Journalist, der Jamal Khashoggi gut kannte, geschockt von den jetzt verbreiteten "Lügen".

Kronprinz hat sich verschätzt - König Salman (82) greift ein

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters hat König Salman (82) persönlich mit Recep Tayyip Erdogan telefoniert, als der Fall Khashoggi begann, aus dem Ruder zu laufen. Experten sagen, dass der Kronprinz und seine Mitarbeiter davon ausgingen, die Geschehnisse im Konsulat in Istanbul würden kaum Aufsehen erregen. Aber der 33-jährige Lieblingssohn des Monarchen habe sich verschätzt.

Schon am 11. Oktober hatte offenbar der König selbst Prinz Khaled al-Faisal (78) zu Gesprächen in die Türkei geschickt, um die Wogen zu glätten.

Doch auch wenn US-Präsident Donald Trump nach dem Statement aus Riad von "guten ersten Schritten" spricht, hat nicht nur der republikanische US-Senator Lindsay Graham erhebliche Zweifel an der Darstellung Saudi-Arabiens zum Tod des Journalisten Jamal Khashoggi. "Es wäre eine Untertreibung zu sagen, dass ich der neuen saudischen Schilderung zum Tod Herrn Khashoggis skeptisch gegenüberstehe", schrieb Graham auf Twitter.

"Erst haben wir erzählt bekommen, dass Herr Khashoggi das Konsulat angeblich verlassen hat, und es gab ein pauschales Dementi jeglicher saudischer Verstrickung", meint Graham. "Jetzt bricht ein Streit aus und er wird im Konsulat getötet, alles ohne Wissen des Kronprinzen."