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Nach Lichterfest: Neu-Delhi erstickt im Smog

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Nach Lichterfest: Neu-Delhi erstickt im Smog

Nach Lichterfest: Neu-Delhi erstickt im Smog
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Reuters
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Eine dicke Smog-Wolke umhüllt Indiens Hauptstadt Neu-Delhi. Um diese Jahreszeit erreicht die Luftverschmutzung ihren Höhepunkt.

Lichterfest und brennende Felder

Die Ursachen für den Giftcocktail sind vielfältig: Bauern brennen ihre abgeernteten Felder ab, um sie für die nächste Aussaat vorzubereiten.

Beim Lichterfest wurden gerade überall Kerzen, Feuerwerkskörper und Öllampen angezündet. Dichter Verkehr und Industrie tun ihr Übriges. Viele Menschen haben es satt.

"Ich werde wegen der Luftverschmutzung ständig krank. Meine Augen fangen zu brennen an. Auch Medikamente helfen da nicht. Es wird nur besser, wenn ich Indien verlasse. Vielleicht gehe ich nach Amerika, dort ist die Luft viel besser", sagt Asees Kandhari. Die 14-jährige Schülerin hat sich mit ein paar Dutzend anderen Menschen zu einer Demonstration versammelt.

Mit Atemschutzmaske zum Spielen in den Park

Auch Rishabh Jain ist 14 Jahre alt und Schüler. Die Atemschutzmaske gehört für ihn zum Alltag. "Wir können abends nicht lange in den Park zum Spielen gehen. Wenn wir um 17.00 Uhr losgehen, müssen wir um spätestens um 18.00 Uhr wieder zurückkommen. Dann ist die Luft voller Dunst und ganz grau", sagt Rishabh Jain.

Jahrzehntelang vergiftete die aufstrebende Wirtschaftsmacht systematisch Luft und Gewässer. Nun zieht Indien die Notbremse – etwa mit Fahrverboten und künstlichem Regen.

"Wir haben keine Zeit zu verlieren"

Doch der Notfallplan werde viel zu langsam umgesetzt, beklagt Navdha Malhotra von der Initiative "Help Delhi Breathe": "Die neuen Richtlinien sind brillant – zumindest auf dem Papier. Leider werden sie nicht konsequent in die Tat umgesetzt. Die Regierung ist zu träge. Wir befinden uns in einer ernsten Notlage. Wir haben keine Zeit zu verlieren. Die Politiker müssen dringend handeln."

Umweltschutz kommt im Wahlkampf nicht an

Doch nächstes Jahr stehen Wahlen an. Und Premierminister Narendra Modi setzt mehr auf den Kampf gegen Armut, Arbeitslosigkeit und hohe Spritpreise als auf saubere Luft.

Denn damit kann er bei der oft sehr armen Bevölkerung Neu-Delhis und anderer Großstädte nicht punkten. Viele Familien haben nicht genug zu essen. Die Luftverschmutzung erscheint ihnen als kleinste Sorge.

Ein gefährlicher Trend, warnt die Weltgesundheitsorganisation. Bereits jetzt sterben in Indien täglich mehr als 3000 Menschen an den Folgen schlechter Luft.