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100 Jahre Waffenstillstand: Der 1. Weltkrieg in Zahlen

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100 Jahre Waffenstillstand: Der 1. Weltkrieg in Zahlen

100 Jahre Waffenstillstand: Der 1. Weltkrieg in Zahlen
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Das Ende des 1. Weltkriegs sorgte für Erleichterung, aber es legte auch den Grundstein für den einen weiteren Weltkrieg und provozierte territoriale Konflikte in Europa, die bis heute andauern.

Der 1. Weltkrieg markiert auch den Beginn der Emanzipation der Frauen und steht für das erste Blutvergießen des Industriezeitalters, mit unvorstellbaren Opferzahlen.

Das Treffen im Zug

Am 11. November 1918, um 5:15 Uhr morgens wird der Waffenstillstand in einem Eisenbahn-Salonwagen, der sich in einem Waldstück der Gemeinde Compiègne unweit des kleinen Ortes Rethondes in Nordfrakreich befand, vom französischen Marschall Ferdinand Foch, Oberbefehlshaber der Alliierten, unterzeichnet.

Der isolierte Ort wurde bewusst gewählt, um die heiklen Verhandlungen zum Abschluss zu bringen. Das vollständige Dokument kann auf der Website des historischen Dienstes des französischen Verteidigungsministeriums eingesehen werden.

Einziges Foto vor dem Eisenbahnwaggon

Neben Marschall Foch unterzeichneten der deutsche Staatsminister Mathias Erzberger, Graf Alfred von Oberndorff, Vertreter der deutschen Diplomatie, der Kapitän der Deutschen Marine Ernst Vanselow, General Detlof von Winterfeldt und der britische Admiral Rosslyn Wemyss.

Die alliierten und deutschen Vertreter beschlossen einen Waffenstillstand, der bis 11 Uhr am kommenden Morgen andauern sollte. Doch in den letzten Stunden des Krieges starben weitere Soldaten, oftmals durch Offiziere, die bereits wussten, dass der Waffenstillstand unterzeichnet worden war.

Besonders tragisch ist der Fall von Augustin Trébuchon, der um 10:50 Uhr durch einen Kopfschuss getötet wurde. Er gilt als der letzte französische Soldat, der im Krieg getötet wurde. Der US-Amerikaner Henry Gunther gilt als der letzte offizielle Tote.

Schätzungsweise 2.500 Soldaten wurden zwischen der Unterzeichnung und dem Inkrafttreten des Waffenstillstands getötet. Ein zerbrechlicher Frieden zwischen den Kriegen kam erst mit der Unterzeichnung des Vertrages von Versailles im Juni 1919 zustande.

Die Neugestaltung Europas

Der Waffenstillstand von Compiègne und der Vertrag von Versailles zerstückelten das Deutsche Reich. Das Ende des 1. Weltkriegs leutete auch das Ende von Österreich-Ungarn und des Osmanischen Reichs ein.

Die durch den Krieg und die Oktoberrevolution herbeigeführten Veränderungen führten 1924 zur Schaffung moderner Staaten, die Schwierigkeiten blieben nicht aus.

Einige von ihnen, wie beispielsweise Jugoslawien, zerfielen Jahre später wieder. Mit dem deutschen Rückzug sagten sich die baltischen Republiken von der Sowjetunion los.

Auch Finnland erklärte seine Unabhängigkeit von der Sowjetunion, Polen erlangte mit dem Fall Deutschlands seine Unabhängigkeit, die Tschechoslowakei wurde aus der Taufe gehoben (und 1993 wieder aufgelöst...).

Die Großmächte teilten sich das Deutsche Kolonialreich in Afrika und Ozeanien am Reißbrett und schafften so territoriale Konflikte, die bis in unsere Zeit andauern. Das Osmanische Reich zerreißt im Osten.

Mit der Annexion von Elsass und Lothringen vervollständigt Frankreich die rechte obere Ecke seines Sechsecks.

Das große Blutvergießen

Die am Krieg Beteiligten verwendeten einige Anstrengungen darauf, die Kriegsmaschinerie zu verbessern, hatte es doch bis zum 1. Weltkrieg hatte kaum wirksame Technologien gegeben, um Menschen im großen Maßstab niederzumetzeln. Doch die Industrielle Revolution war in vollem Gange - der Krieg war ein Versuchsfeld, solche Technologien zu erproben. Soldaten, die in den Schützengräben Nordfrankreichs und Belgiens ausharrten, wurden als Versuchskaninchen benutzt, um immer ausgefeiltere Waffen zu testen.

In vier Jahren wurden 1,3 Milliarden Granaten abgefeuert. Am 22. April 1915 testen die Deutschen in Ypern, Westflandern auf dem Gebiet des heutigen Belgiens eine neue Waffe: Chlorgas. 5.000 französische Soldaten erstickten elendlich. Danach "testen" die Deutschen Phosgengas, das auch als Carbonylchlorid bekannt ist. Es tötet mehrere Stunden nach dem Einatmen. 1917 kommt dann ebenfalls in Ypern Senfgas zum Einsatz. Schätzungsweise 20.000 Soldaten wurden durch die tödlichen Gase getötet.

In Ländern wie Serbien starben 16 Prozent der Bevölkerung. Auch im Osmanischen Reich erreichte das Gemetzel ungekannte Ausmaße. Rumänien gelang es, sein Territorium - wenn auch zu einem hohen Preis - zu erweitern.

Die Gesamtzahl ist schwindelerregend. Nach Schätzungen des europäischen Robert-Schuman-Zentrums haben 16.543.185 Menschen ihr Leben verloren. Andere Quellen beziffern die Zahl der Todesopfer auf 18 Millionen.

Die Mahlmaschine des 1. Weltkriegs hinterließ tiefe Wunden - mit mehr als 21 Millionen Verwundeten und Verstümmelten.

Inmitten der Freude über einen Waffenstillstand im Herbst 1918 schlug die "Spanische Grippe" zu, hervorgerufen von einem virulenten Abkömmling des Influenzavirus, der schätzungsweise 50-100 Millionen Menschen weltweit zum Opfer fielen, oder anders ausgedrückt, zwischen 2,5 und 5 Prozent der Weltbevölkerung.

Die hohen Opferzahlen sind wenig verwunderlich, wenn man die Gesamtzahl der Soldaten betrachtet: Frankreich mobilisierte rund 8 Millionen Soldaten (davon 600.000 aus den französischen Kolonien), das Deutsche Reich etwa 13 Millionen, das Vereinigte Königreich rund 9 Millionen (davon rund 1,4 Millionen aus seinen Kolonien) und das Russische Reich rund 13 Millionen Soldaten.

Der Krieg, der die Frau emanzipierte?

Sie durften nicht wählen, aber als sie gebraucht wurden, weil fast alle Männer an der Front kämpften, mussten sie arbeiten. Der 1. Weltkrieg markiert den Beginn der Emanzipation von Frauen.

Frauen aus den am Krieg beteiligten Ländern wurde zwangsläufig der Zugang zu Arbeitsplätzen gewährt, die ihnen bis dahin verboten waren. Sie arbeiteten in Rüstungsfabriken, aber auch in Banken, im Transportwesen oder in der Landwirtschaft.

Britische und US-amerikanische Frauen erhielten nach dem Krieg das Wahlrecht. In anderen Ländern wie Frankreich oder Italien mussten sie noch länger darauf warten.

Und als die wenigen Soldaten aus dem Krieg kamen, kehrten nicht alle zu ihrer traditionellen Rolle als Hausfrauen zurück.

Ihr Eintritt in den Arbeitsmarkt markiert aber auch den Beginn von Diskriminierung, Missbrauch am Arbeitsplatz und Lohnungleichheit, Probleme, die bis heute bestehen.

Während der gesamten Woche wird unsere gesonderte Berichterstattung über die Gedenkfeiern zum Ende des 1. Weltkriegs auf Euronews und de.euronews.com fortgesetzt. Am Sonntag, den 11. November, folgen wir den Zeremonien live.