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Gedenken an 9. November: Merkel warnt vor Antisemitismus

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Gedenken an 9. November: Merkel warnt vor Antisemitismus

Gedenken an 9. November: Merkel warnt vor Antisemitismus
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REUTERS/Axel Schmidt
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Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hat bei einer Gedenkstunde zum 80. Jahrestag der Novemberprogrome vor zunehmenden Judenhass in Deutschland gewarnt. Es gebe in Deutschland wieder blühendes jüdisches Leben, so die CDU-Politikerin in der Synagoge in der Berliner Rykestraße. Doch zugleich gebe es einen besorgniserregenden Antisemitismus. "Wir erschrecken uns über Angriffe auf Menschen, die eine Kippa tragen und stehen fassungslos vor dem rechtsradikal motivierten Angriff auf ein jüdisches Restaurant im August dieses Jahres in Chemnitz", so Merkel. "Das ist eine Form antisemitischer Straftaten, die schlimme Erinnerungen an den Beginn der Judenverfolgung in den 30er-Jahren wachruft. Aber solche Vorfälle müssen nicht nur die Überlebenden der Shoa alarmieren. Sie sind furchtbar für uns alle."

Steinmeier: "Die Republik hat sich historisch behauptet"

Im Berliner Bundestag wurde zuvor vor allem des 100. Jahrestags der Ausrufung der Republik gedacht. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bezeichnete den 9. November 1918 als "Stiefkind unserer Demokratiegeschichte". Die Demokratie, die damals begann, würde heute nur von ihrem Ende gedacht - als Weg zur Machtübernahme der Nazis. "Der übersteigerte Nationalismus, die Diktatur, die menschenverachtende Ideologie der Nationalsozialisten haben Europa mit Krieg und abscheulichen Verbrechen überzogen", so Steinmeier. "Sie haben dieses Land politisch und moralisch ruiniert. Zu unser aller Glück erhielten wir eine neue Chance auf Selbstbestimmung in Einheit und Freiheit. Diese Chance ist Wirklichkeit geworden. Sie, die Republik hat sich historisch behauptet. Das dürfen wir hundert Jahre später für uns festhalten und ich füge hinzu auch feiern, meine Damen und Herren."

Auch im österreichischen Parlament wurde im Beisein von Holocaust-Überlebenden der Novemberprogrome gedacht. Kanzler Sebastian Kurz sagte, Österreich habe sich spät aber doch mit der eigenen Geschichte auseinandergesetzt und versuche, für die Zukunft zu lernen. "In Österreich und in Europa darf es keinen Platz für Antisemitismus geben und unsere historische Verantwortung, die endet weder an der österreichischen noch an der europäischen Grenze", so Kurz.

Zuvor hatte Bundespräsident Alexander van der Bellen am Mahnmal für die österreichischen Opfer der Shoah auf dem Judenplatz einen Kranz niedergelegt. Er und seine Frau empfingen die Holocaust-Überlebenden und ihre Nachfahren anschließend in der Hofburg.