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Australien: Kardinal wegen Kindesmissbrauchs verurteilt

Der australische Kardinal und beurlaubte Vatikan-Finanzchef George Pell.
Der australische Kardinal und beurlaubte Vatikan-Finanzchef George Pell. -
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AAP Image/Erik Anderson via REUTERS
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In Australien ist ein führender Vertreter der katholischen Kirche wegen Kindesmissbrauchs verurteilt worden. Kurienkardinal George Pell ist von einem Geschworenengericht in Melbourne für schuldig befunden worden. Er habe sich 1996 nach einer Messe an zwei Sängerknaben vergangen.

Pell war Finanzchef des Vatikans und gehörte zu den engsten Beratern von Papst Franziskus. Wegen der Vorwürfe hatte er sich im Sommer 2017 beurlauben lassen. Eines der Opfer war nach Jahren des Schweigens zur Polizei gegangen und hatte gegen Pell ausgesagt.

"Beendet das Leiden! Wir haben es satt."

"Sie sind fürchterliche Menschen", sagt ein Mann vor dem Gerichtsgebäude, der sich Michael nennt und auch ein Missbrauchsopfer ist. "Die Kirche muss das regeln und die Klappe halten. Sie muss an den Verhandlungstisch kommen und ein verdammt nochmal dickes Scheckheft mitbringen. Denn wir sind 60.000, die missbraucht wurden, davon ungefähr 43.000 Katholiken. Beendet das Leiden! Wir haben es satt."

Die Öffentlichkeit sei voreingenommen, sagt Peter Westmore, ein Unterstützer Pells. "Voreingenommen durch die Vergehen der katholischen Kirche und die Vorwürfe – vorgebracht von Leuten, die sich nicht damit beschäftigt haben. Also sagte man sich: Er muss ja schuldig sein. "

Strafmaß steht noch nicht fest

"Wie viele Überlebende habe ich mich geschämt und unter Einsamkeit und Depression gelitten", verliest Vivian Waller, Rechtsanwältin eines Opfers aus einer Erklärung. "Es hat Jahre gedauert, bis ich verstanden habe, wie sehr sich das auf mein Leben ausgewirkt hat. "

Pell ist der bislang ranghöchste katholische Geistliche, der wegen Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs verurteilt wurde. Das Urteil gegen den 77-Jährigen war bereits im Dezember gefallen, aber bislang unter Verschluss gehalten worden. Das Strafmaß muss noch festgelegt werden.

Dennoch hat die Verteidigung hat bereits Berufung eingelegt. Verteidiger Paul Galbally erklärte: "Kardinal Pell hat immer seine Unschuld beteuert. Das macht er auch weiterhin." Darüber hinaus werde sein Mandat keine weiteren Erklärungen abgeben.

Papst versprach hartes Durchgreifen

Die katholische Kirche steht wegen Missbrauchsvorwürfen in zahlreichen Ländern unter Druck. Zum Abschluss eines "Anti-Missbrauchs-Gipfels" im Vatikan hatte Papst Franziskus am Sonntag versprochen, dass solche Fälle nicht länger vertuscht werden. Konkrete Schritte, wie das erreicht werden soll, nannte er nicht.