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Der große Fehler der Europäer: Barnier über den Brexit

Der große Fehler der Europäer: Barnier über den Brexit
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Die Europawahlen stehen vor der Tür, das Brexit-Drama nimmt kein Ende. Zeit, innezuhalten und Zwischenbilanz zu ziehen. Der Deutsch-Franzose und Grünenpolitiker Daniel Cohn-Bendit hat das für euronews getan und sich mit Chefunterhändler Barnier unterhalten: Quo vadis Europa?

Daniel Cohn-Bendit: "Welche Folgen hat das Ausscheiden der Briten aus der Europäischen Union für die Zukunft der Europas?"

"Die Briten gehen, das ist ja nichts Neues. Aber die ganze Sache bleibt aktuell, denn sie müssen auf korrekte Art und Weise gehen", so Barnier. "Mir war es immer wichtig, die Debatten in Großbritannien anzuhören, um zu verstehen, warum eigentlich, warum der Brexit? Klar wird der EU-Austritt Folgen haben – dafür gibt es ja den Vertrag – aber warum haben 52 Prozent der Briten überhaupt gegen Europa gestimmt?

Und warum?

"Wir müssen zuhören, verstehen, antworten. Denn ein großer Teil der Wähler begründet das Ja zum Brexit mit Argumenten, die wir auch immer wieder in französischen, belgischen oder italienischen Regionen hören und auch in anderen Ländern. Es ist das Gefühl, abgehängt zu sein, ausgrenzt zu werden. Das Gefühl, dass Europa nicht schützt, sondern dass dort die Bürokratie an der Macht ist, den Menschen nicht zugehört wird. Wir müssen aus dem Brexit lernen. Für das Vereinigte Königreich ist es zweifelsfrei zu spät, aber es ist an der Zeit, umzudenken"

"Aber ist es denn wahr, dass Europa nicht schützt?"

"Ich denke, dass Europa in den letzten 30 Jahren in Sachen Handel oft zu naiv war, dass es einen grundlegenden Fehler gemacht hat in dem Moment, als die Globalisierung regelrecht explodierte. Als die bipolare Weltordnung zwischen der Sowjetunion auf der einen und den USA auf der anderen Seite explodierte.

Zwischen Ost und West.

"Ja. Die Globalisierung hat viele Fortschritte gebracht, Menschen, aus extremer Armut geholt. Aber gleichzeitig dachte man: Jetzt ist alles möglich. Unsere Haltung war zu 'laissez faire', zu ultraliberal. Das war der große Fehler, den viele Länder weltweit gemacht haben, und den wir unter anderem mit der Finanzkrise bezahlt haben und immer noch bezahlen. Es kam zu einer Deregulierung, einem Mangel an Global Governance. Ich denke, es ist an der Zeit – und wir haben das in den letzten Jahren bereits getan – auf die Grundlagen der sozialen Marktwirtschaft zurückzukommen. Alle drei Worte sind wichtig: Wirtschaft, Markt und Soziales. Nicht nur zwei."

Das Gespräch in voller Länge gibt es heute Abend um 22.30 Uhr bei euronews UNCUT.