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TV-Star liegt vorn: das müssen Sie zur Wahl am 31.3. wissen

TV-Star liegt vorn:  das müssen Sie zur Wahl  am  31.3. wissen
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Am 31. März haben die Ukrainer bei der Präsidentschaftswahl die Qual der Wahl: Insgesamt 44 KandidatInnen wollten antreten, inzwischen sind es immerhin noch 39 BewerberInnen.

Stichwahl am 21. April wahrscheinlich

Derzeit sieht es nicht danach aus, als könnte eine Kandidatin oder ein Kandidat in der ersten Runde die absolute Mehrheit erzielen. Wenn niemand auf mehr als 50 Prozent kommt, gibt es am 21. April 2019 eine Stichwahl zwischen den beiden Bestplatzierten der ersten Runde.

Petro Poroschenko seit 2014 im Amt

Der aktuelle ukrainische Präsident Petro Poroschenko hatte am 25. Mai 2014 , als er gewählt wurde, 55 Prozent der Stimmen erreicht. Als Unternehmer, der Schokolade, aber auch Waffen herstellt und einen TV-Sender besitzt, zählt der inzwischen 53-Jährige, der Millardär ist, zu den reichsten Oligarchen der Ukraine.Auch während seiner Präsidentschaft hat er seine Gechäfte nicht wirklich aufgegeben.

Im Januar hatte es Poroschenko als Erfolg verbucht, dass sich die orthodoxe Kirche der Ukraine von der orthodoxen Kirche Russlands losgelöst hat. Er setzt auf eine nationalistische Kampagne, allerdings hatte Poroschenko damit keinen wirklichen Erfolg.

Poroschenko hatte es sich zu Beginn seiner Amtszeit zum Ziel gesetzt, sein Land auf lange Sicht in die EU zu führen. Das Verhältnis zwischen Moskau und Kiew bleibt angespannt. So bezeichnete der russische Außenminister Sergej Lawrow die ukrainische Regierung als "Regime aus Nazis und Neonazis".

Kein Ende des Konflikts mit Russland

Die Umsetzung des Friedensabkommens von Minsk, das 2015 unter der Vermittlung von Berlin und Paris ausgehandelt wurde, lässt auf sich warten. Seit der Annexion der Krim durch Russland im Februar und März 2014 flammt der bewaffnete Konflikt im Osten der Ukraine immer wieder auf.Poroschenko spricht von einem "hypride Krieg". Laut UN-Angaben sind mehr als 10.000 Menschen in dem Konflikt getötet worden.

Nach dem Zusammenstoss von ukrainischen und russischen Kriegsschiffen im Asowschen Meer hatte Petro Poroschenko im November 2018 sogar das Kriegsrecht verhängt.

Erstaunliche Umfragen und eine Schlammschlacht um Platz 2

Zwei Wochen vor der Wahl liegt der Amtsinhaber nur bei etwa 17 Prozent der Stimmen - knapp hinter Julia Timoschenko. Auf den Spitzenplatz schafft es der Kabarettist, Schauspieler und TV-Moderator Wolodymyr Selenski (auch: Zelenskiy oder Selenskiy). Poroschenko und Timoschenko beschuldigen sich gegenseitig der Korruption und der Wahlmanipulation, sie liefern sich einen erbitterten und schmutzigen Kampf um den zweiten Platz, der den Einzug in die entscheidende Stichwahl bedeutet.

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Präsident Petro PoroschenkoREUTERS

Er spielt schon den Präsidenten, jetzt will er Präsident werden

Seit 2015 spielt Wolodymyr Selenskyj den (fiktiven) Präsidenten der Ukraine Wassili Petrowitsch Goloborodko - einen Geschichtslehrer, der das oberste Staatsamt erobert. Jetzt will der 41-Jährige auch im wirklichen Leben Staatschef werden. Offenbar sind die Ukrainer so enttäuscht, dass sie sich einen ehrlichen und gerechten Präsidenten wünschen, wie sie ihn aus der Serie "Diener des Volkes" (ukrainisch: "Sluga narodu") kennen.

Zu Beginn des Jahres 2019 - genauer gesagt in der Silvesternacht - hat der Kabarettist seine Kandidatur offiziell bekannt gegeben. Sein Slogan ist vom Titel der TV-Serie abgeleitet "Der Präsident ist der Diener des Volkes".

Ein Oligarch steht hinter Selenskyi

Unterstützt wird er inzwischen vom Oligarchen Ihor Kolomojskyj - einem der reichsten Männer der Ukraine, der bis 2010 die Kampagnen von Julia Timoschenko mit-finanziert hatte. Dabei profitiert Selenskyj auch von seinen Sendungen in Kolomoskys TV-Sender 1+1 - wie die Kyiv Post berichtet.

Timoschenko hatte zu Beginn der Kampagne die Umfragen angeführt. Inzwischen sagen vor allem ältere Wählerinnen und Wähler, sie wollten für die 58-Jährige stimmen.

Junge Leute für den TV-Star

Einer Umfrage von Rating Group zufolge stehen die meisten jungen Ukrainer hinter Wolodymyr Selenskyi. Offenbar wollen auch junge Leute für den TV-Star stimmen, die sich vorher nicht für Wahlen interessiert und nicht daran teilgenommen haben.

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Wolodymyr SelenskyjREUTERS

Der Schauspieler tourt als Kandidat durch das Land, aber er setzt auch auf die sozialen Medien. Inhaltlich verspricht Selenskiy vor allem Referenden und dem Land die Demokratie zurückzugeben.

Schon die erste Runde der Präsidentschaftswahl in der Ukraine verspricht, spannend zu werden - und anders als jemals zuvor.