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Präsidentschaftswahl in der Ukraine: Gas, Frieden und ein Heiratsantrag

Präsidentschaftswahl in der Ukraine: Gas, Frieden und ein Heiratsantrag
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Viele Kandidaten, viele Versprechen

"Möchtest du die Frau eines Präsidenten werden? Ihor Schewtschenko sucht einen Schatz". So steht es auf den Wahlkampfplakaten des ehemaligen Umweltministers der Ukraine, der tatsächlich Single ist.

In einer schwarzen Krawatte und mit einer Rose in der Hand ruft Schewtschenko potenzielle Ehefrauen dazu auf, sich auf seiner Website zu registrieren. Sie sollen ihren Namen angeben, ein Foto posten und den Link zu ihrem Instagram-Profil, wenn sie eines haben.

Auf derselben Website befindet sich auch das politische Programm von Schewtschenko. Noch ist es recht übersichtlich, knapp 1000 Wörter zählt es. Doch der Präsidentschaftskandidat verspricht, bald mehr ins Detail zu gehen.

@ Copyright : Mykola Usatyi
Plakat Schewtschenkos@ Copyright : Mykola Usatyi

Wahlkampf in vollem Gange

Der Wahlkampf in der Ukraine ist in vollem Gange, und Schewtschenko ist einer von 44 Kandidaten, die für das Präsidentenamt kandidieren.

Viele wie er versuchen, die Herzen der Wähler durch große Plakate und noch größere Zusagen zu gewinnen. Die Versprechen reichen vom Einsatz für den Frieden in dem vom Krieg gezeichneten Osten des Landes über Stabilität, Arbeitsplätze, eine bessere Gesundheitsversorgung bis hin zu niedrigeren Gaspreisen.

Hier sind einige der interessantesten Beispiele dafür, wie die Kandidaten um Stimmen werben.

Namen und Gesichter

"Das Land wird wieder funktionieren – Taruta, der Ökonom". Das steht auf diesem Plakat für Serhij Taruta, einen ukrainischen Geschäftsmann, der zuweilen als Oligarch bezeichnet wird.

Er ist außerdem Mitglied des ukrainischen Parlaments und ehemaliger Gouverneur der Region Donezk.

Juri Boyko, ehemaliger Vize-Regierungschef und Verbündeter des gestürzten Präsidenten Viktor Janukowitsch, setzt auf seinen Namen und auf „Frieden in der Ukraine“.

Auf dem Poster steht auch "Frieden in der Ukraine". Er tritt für die linke, prorussische Oppositionsplattform „Für das Leben“ an. In ihr sammeln sich viele ehemalige Mitglieder von Janukowitschs „Partei der Regionen“.

© Mykola Usatyi
Plakate von Taruta (links) und Boyko (rechts)© Mykola Usatyi

Trump-Helfer Manafort mischte mit

Ein weiterer Abkömmling der „Partei der Regionen“ ist der Oppositionsblock (OP), dem Boyko bis vergangenes Jahr angehörte. Der EU-skeptische und russlandfreundliche Oppositionsblock wurde 2014 mit Hilfe von Donald Trumps ehemaligem Wahlkampfberater Paul Manafort gegründet.

Auf den OP-Plakaten heißt es "Die Ukraine braucht Frieden und Fortschritt". Kandidat des Blocks ist Oleksandr Wilkul. Auch sein Gesicht ist auf den Postern zu sehen. Er verspricht, die Stabilität im Land wiederherzustellen.

Jewgenij Murajew war früher einmal beim Oppositionsblock und ist bekannt für seine prorussische Haltung. Er stellt sich jetzt einfach als „Unser Präsident“ vor. Ein Wortspiel mit dem Namen der Partei: „Nashi“ bedeutet auf Deutsch „unsere“.

Der Bürgermeister der westukrainischen Stadt Lemberg, Andrij Sadowyj, wiederum sagt, er sei "Die einzige Chance auf Veränderungen - jetzt sofort!"

Julia Timoschenko ist wieder da

Und dann ist auch die ehemalige Premierministerin Julia Timoschenko im Rennen. Die Politveteranin verspricht "die Veränderungen, auf die alle so lange gewartet haben". Heißt unter anderem: Halbierung der Energie-, also Gaspreise.

Reuters
Julia Timoschenko will Präsidentin werdenReuters

Um ganze drei Viertel will hingegen Serhii Kaplin die Gaspreise herunterschrauben. Außerdem zieht er mit dem Versprechen für fünf Millionen neue Arbeitsplätze in den Wahlkampf. Kaplin ist Vorsitzender der Sozialisten, er steht Präsident Petro Poroschenko nahe.

Die ukrainische Regierung hat die Gaspreise in den vergangenen Jahren wegen Forderungen des Internationalen Währungsfonds drastisch erhöht. Daher ist das Thema im Wahlkampf so wichtig. Auch Juri Boyko verspricht eine Rückkehr zu „normalen Tarifen.“

Oleksandr Schewtschenko, ein weiteres unbekanntes Gesicht für viele, verspricht seinerseits "faire Tarife und angemessene Gehälter". Er vertritt die rechtsgerichtete Partei UKROP, die Ukrainische Union der Patrioten.

Olha Bohomolez ist Ärztin, Singer-Songwriterin und aktuell Parlaments-Abgeordnete aus Poroschenkos Block. Sie kandidiert bereits zum zweiten Mal für die Präsidentschaft.

Im Jahr 2014 erreichte sie rund 2 % der Stimmen. Auf ihren Plakaten heißt es: "Eine faire Altersrente ist eine, von der man lebt, nicht überlebt".

"Erschwingliche Medizin" und ein Sprichwort

Ein weiterer Kandidat, Oleh Ljaschko, der bereits wegen Korruption inhaftiert war, ist Vorsitzender der proeuropäischen und rechtspopulistischen „Radikalen Partei Oleh Ljaschkos“. Auf seinen Plakaten ist er mit älteren Menschen abgebildet.

"Erschwingliche Medizin - es ist möglich", heißt es dort. Und auf einem anderen steht: "Ein anständiges Gehalt - es ist möglich".

Der beliebte Fernsehmoderator Wolodymyr Selenskyj entschied sich dafür, weder seinen Namen zu schreiben noch sein Gesicht auf den Plakaten zu zeigen.

Reuters
Kandidat SelenskyjReuters

Auf seinem Poster steht: "Der Frühling wird zeigen, wer wo gestohlen hat. Der Präsident ist ein Diener des Volkes.“ Dabei spielt er auf das Sprichwort „der Frühling wird zeigen, wer wohin geschissen hat“, an. Gemeint ist, dass der schmelzende Schnee im Frühjahr unangenehme und bis dato verdeckte Überraschungen offenbaren kann. Die Worte "stehlen" und "scheißen" sind im Ukrainischen recht ähnlich, und mit einer kleinen Änderung gelingt ihm dieses Wortspiel für seinen Slogan.

© Mykola Usatyi

Poroschenko: "Starke Armee ist Friedensgarant"

Der amtierende Präsident Poroschenko verweist auf seinen Plakaten auf seine bisherigen Leistungen. „Eine starke Armee ist eine Garantie für den Frieden“, heißt es zum Beispiel.

Auf anderen stehen Sätze wie: „Wir haben den Aggressor gestoppt und das Land gerettet" oder „Es gibt viele Kandidaten, aber nur einen Präsidenten“, „Der Präsident dient dem Volk“, und „Echte Handlungen, keine falschen Versprechen.“

© Mykola Usatyi

Immer wieder gibt es Kontroversen um die Plakate. Der Kandidat Dmytro Gnap etwa sagt, seine Plakate seien zensiert worden. Andere Poster verstoßen inhaltlich gegen die Gesetze, indem sie vorgeschriebene Informationen weglassen.

Die Wahl in der Ukraine findet am 31. März statt. Umfragen zufolge erhält keiner der Kandidaten eine absolute Mehrheit. Für diesen Fall ist ein zweiter Wahlgang nötig, dieser ist für den 21. April angesetzt.