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Polen vor der Europawahl: Hält die Begeisterung für die EU?

Polen vor der Europawahl: Hält die Begeisterung für die EU?
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Polens Begeisterung für die EU ist ungebrochen hoch. 15 Jahre nach dem Beitritt zur Europäischen Union halten 91 % der Menschen in Polen die Mitgliedschaft in der EU für richtig. Ein ähnlich großer Teil glaubt, dass davon auch die Wirtschaft des Landes profitieren kann.

Der Soziologe Dr. Jarosław Flis von der Jagiellonen Universitàt in Krakau meint, dass für die meisten Polen die EU eine echte Gemeinschaft sei, an der sie teilhaben und auf die sie auch Einfluss nehmen können.

Bogusław Sonik sitzt seit 2004 für Polen im EU-Parlament. Für den ehemaligen Aktivisten der demokratischen Opposition ist Polens Begeisterung für Europa nichts außergewöhnliches: "Die Polen streben nach Freiheit. Sie wollten immer schon zur freien westlichen Welt gehören."

Kulturen entdecken statt Kalter Krieg

Die großen Veränderungen, die die Europäische Union mit sich brachte, haben vor allem die älteren Menschen zu spüren bekommen. Denn sie haben den Kalten Krieg und die Abhängigkeit Polens von der Sowjetunion miterlebt.

Ein Mann erinnert sich: "Früher haben wir noch einen Reisepass gebraucht, wenn wir ins Ausland reisen wollten. Heute reicht der Personalausweis, um sich in der ganzen Europäischen Union zu bewegen und die Menschen und ihre Kulturen kennenzulernen."

Eine Frau meint, ihrer Ansicht nach ist die Wirtschaft Polens schnell gewachsen. Das Land habe sich enorm verändert.

Für den polnischen Präsidenten Andrzej Duda soll die Teilhabe Polens in der EU in die Verfassung aufgenommen werden: "Wir sind Europa! Wir sind die Europäische Union! Jeder, der die Mitgliedschaft Polens an der EU anzweifelt, handelt nicht im Interesse des Landes. Wir wollen ein modernes Polen in einem vereinten Europa."

Polens Zukunft: pro oder contra EU?

Während die EU auf der einen Seite die Menschen miteinander verbindet, gibt es im Parlament zwei Lager. Im laufenden Wahlkampf wirft die Opposition der Regierung einen Polexit vor.

Grzegorz Schetyna von der Bürgerplattform (PO) sagt: "Wir haben eine große Wahl vor uns: Entweder ein starkes, reiches und demokratisches Polen in einem vereinten Europa oder das, was wir heute haben, einen Parteienstaat, der den Austritt aus der Europäischen Union vorantreibt."

Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki appelliert an alle Politiker: "Lasst uns streiten und diskutieren, denn das ist Demokratie. Lasst uns nicht unsere gute Stellung in Europa verlieren."

Die regierende Partei „Recht und Gerechtigkeit” möchte zwar keinen Polexit, sie wirbt aber für eine dezentralisierte EU. Die breite Unterstützung für die Europäische Union im ganzen Land bedeutet, dass der sogenannte Polexit nicht real ist. Klar ist aber auch, dass diese Idee für jede Partei in Polen politischer Selbstmord wäre.