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Je billiger die Zigaretten, desto mehr Raucher

Je billiger die Zigaretten, desto mehr Raucher
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Reuters
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Der Zigarettenpreis scheint in direktem Zusammenhang mit dem Raucheranteil in den Ländern der Europäischen Union zu stehen. Wenn man die neuesten Eurostat-Daten mit dem Durchschnittspreis einer der am häufigsten konsumierten Zigarettenmarke der Welt vergleicht, kann man feststellen, dass es einen Zusammenhang gibt: Je billiger der Tabak, desto höher der Anteil der Raucher.

Aber: Billige Zigaretten bedeutet nicht mehr Lungenkranke

Komplizierter wird der Vergleich bei der Lungengesundheit, die das Thema des diesjährigen Weltnichtrauchertages der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist.

Wenn man die oben genannten Daten mit dem Prozentsatz der Todesfälle durch Erkrankungen der Atemwege vergleicht, gibt es nämlich Unterschiede. Paradox ist etwa: Großbritannien, eines der Länder mit dem höchsten Tabakpreis (11,34 €) und einem relativ geringen Prozentsatz an Rauchern (13,7 %), weist eine der höchsten Raten von Todesfällen durch Atemwegserkrankungen auf (14,1 %).

Schwankungen können auf das Klima oder die Luftverschmutzung zurückgeführt werden, oder auch an den unterschiedlich erstellten Statistiken der einzelnen nationalen Gesundheitsbehörden liegen. Zuletzt hatte eine Studie ergeben, dass Luftschadstoffe zu mehr vorzeitigen Todesfällen führen als das Rauchen.

Auch in Bulgarien: Billiger Tabak, viele Raucher aber wenig Lungenkranke

Tatsache ist, dass Länder mit einer sehr hohen Raucherquote wie Bulgarien (27%), das billigste EU-Land (2,81%), sehr niedrige Todesraten durch Atemwegserkrankungen aufweisen (3,7%). Ähnliches geschieht in fast allen osteuropäischen und baltischen Ländern.

Anlässlich des Weltnichtrauchertages hat das Europäische Statistikamt Eurostat eine weitere Zahl vorgelegt: den Anteil der Lungenkrebstote an den generellen Krebstodesfällen in der EU.

Wenn man diese Zahl mit dem Preis für Tabak und dem Prozentsatz der Raucher zusammenfasst, scheint das Ergebnis etwas einheitlicher zu sein: Je mehr Raucher es gibt, desto höher ist der Anteil der Todesfälle durch Lungenkrebs. An der Spitze der Liste stehen aber auch Länder mit hoher Industrie- und Verkehrsbelastung wie Dänemark, das Vereinigte Königreich, die Niederlande, Belgien oder Luxemburg, in denen hohe Konzentrationen von Schadstoffen wie Schwefeldioxid zu verzeichnen sind.

Darüber hinaus ist aber der Zusammenhang zwischen dem Tabakkonsum und den Todesfällen durch Lungenkrebs offensichtlich.

WHO: "Lass dir vom Tabak nicht den Atem rauben"

"Jedes Jahr sterben 8 Millionen Menschen an den Folgen des Tabakkonsums, und mehrere Millionen weitere leiden an Lungenkrebs, Tuberkulose, Asthma oder chronischen Lungenerkrankungen, die durch Tabak verursacht werden", erklärte Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation. "Gesunde Lungen sind für ein gesundes Leben unerlässlich."

Unter dem Motto "Lass dir vom Tabak nicht den Atem rauben" haben die Vereinten Nationen für dieses Jahr eine Kampagne gestartet. Ziel ist es, das Bewusstsein für die Bedeutung einer gesunden Lunge zu schärfen.

Österreich, Ungarn und Griechenland sind die Aschenbecher Europas

Während die Raucherquoten innerhalb der EU zwischen 2000 und 2015 im Durchschnitt um 16 Prozent zurückgegangen sind, hat sich in Österreich der Anteil der Raucher seit über 40 Jahren nicht verändert. Nach wie vor greift hierzulande im Schnitt jeder Vierte täglich zur Zigarette. Die Lungenfachärzte hoffen nach dem Platzen der Regierung auf die rasche Umsetzung eines Rauchverbots in der Gastronomie, berichtete die Tageszeitung Der Standard.

881.692 Personen hatten im Vorjahr im Rahmen des "Don't Smoke"-Volksbegehrens für ein totales Rauchverbot in der Gastronomie votiert. Nach der Behandlung im Nationalrat wurde das Anliegen von der nunmehr ehemaligen ÖVP-FPÖ-Regierung schubladisiert. Dabei wird innerhalb der EU nur mehr in Ungarn (25,8 Prozent der Bevölkerung) und in Griechenland (27,3 Prozent) mehr geraucht als in Österreich.

Nach Regierungswechsel: Neue Chance für Rauchverbot in Österreich?

Nach dem Ende der FPÖ-Regierungsbeteiligung und der Entlassung der ÖVP-geführten Bundesregierung hatten die Oppositionsparteien "Neos" und die Liste "Jetzt" Gesetzesanträge im Parlament eingebracht, um dem von der Ex-Regierung ausgehebelten Rauchverbot in der Gastronomie doch noch Geltung zu verschaffen. Während die ÖVP zu Wochenbeginn eine Rücknahme von Regierungsbeschlüssen "in aufrechter Koalition" noch ausschloss, signalisierte ÖVP-Chef Sebastian Kurz nun eine mögliche Kurs-Korrektur.

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